ins— title: “Kostenoffenlegung als Wettbewerbsvorteil” subtitle: “Chancen und Potenziale der Kostentransparenz” params: viridis_palette: viridis erwartete_projektpunkte_p1: “Maximilian Gross = 29” erwartete_projektpunkte_p2: “Vincent von den Driesch = 29” erwartete_projektpunkte_p3: “Name Person 3 = Zahl erwartete Projektpunkte (0-30)” output: prettydoc::html_pretty: theme: cayman toc: yes keep_md: true —
Die Untersuchung von Kostentransparenz ist aus ökonomischer Sicht besonders spannend, da sie Einblicke in das Zusammenspiel von Marktverhalten, Preiswahrnehmung und Konsumentenvertrauen ermöglicht. In klassischen Märkten gilt Information als asymmetrisch verteilt - insbesondere Kostenstrukturen bleiben für Konsument:innen meist verborgen. Wenn Unternehmen jedoch freiwillig ihre Produktionskosten offenlegen, entsteht eine neue Form der Marktkommunikation, die sowohl auf das Kaufverhalten als auch auf die Markenbindung Einfluss nehmen kann.
In diesem Projekt beschäftigen Sie sich mit der ökonomischen Wirkung unterschiedlicher Formen von Kostentransparenz, darunter produktbezogene Einzelkosten-Offenlegung im Point-of-Sale oder auch verbal vermittelte Transparenz in Kombination mit Vertrauensmessung. Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich diese Varianten auf Zahlungsbereitschaft, Vertrauen und wahrgenommene Preisfairness auswirken.
Kern dieser Ausarbeitung ist die Frage, inwiefern Kostentransparenz eine rationale Kaufentscheidung unterstützt oder über emotionale Mechanismen - etwa durch erhöhte Markenattraktivität - wirkt. Für die Analyse greifen Sie auf ein breites Methodenrepertoire zurück, das ökonomische Modellierung mit experimenteller Verhaltensforschung verbindet, und leisten so einen Beitrag zum besseren Verständnis moderner Konsumentenentscheidungen in transparenten Märkten. Für ihre Analyse verwenden Sie die Daten der folgenden Ausarbeitung:
Mohan, B., Buell, R. W., & John, L. K. (2020). Lifting the veil: The benefits of cost transparency. Marketing Science, 39(6), 1105-1121.
Der Ausgangspunkt der betrachteten Untersuchung war ein reales Ereignis: Ein Online-Händler stellte im Dezember 2013 ein hochwertiges Lederportemonnaie zum Verkauf. Einige Wochen später wurde auf den Produktseiten eine Infografik zur Kostenzusammensetzung ergänzt, allerdings versehentlich nur bei drei von fünf Farbvarianten. Obwohl der Händler diesen Fehler nicht beabsichtigte, entstand daraus ein sogenanntes natürliches Experiment, also eine reale Vergleichssituation mit kontrollierbaren Unterschieden. Die Verkäufe konnten analysiert werden, um zu überprüfen, ob die Offenlegung der Produktionskosten einen Einfluss auf das Kaufverhalten hatte.
Dieses natürliche Experiment lieferte erste Hinweise darauf, dass Kostentransparenz wirkt - und war damit die Basis für zwei gezielte Experimente im Labor, die Sie sich in diesem Projekt genauer anschauen sollen. Beide Laborexperimente knüpfen an die reale Ausgangslage an - gehen aber unterschiedliche Forschungsfragen an:
Experiment 1: In einem realitätsnahen Online-Setting wurde untersucht, ob Konsument:innen anders entscheiden, wenn sie Informationen zu Produktionskosten sehen. Hierbei sahen die Teilnehmer:innen eine Produktseite für einen Rucksack von Everlane - entweder mit oder ohne Kostenaufstellung (vgl. Abbildung 1: Kostentransparenz Infografik im Anhang). Zusätzlich wurde ein Vergleichsprodukt von J. Crew gezeigt (ohne Hinweise zur Kostenzusammensetzung). Die Teilnehmer:innen mussten entscheiden, von welchem Anbieter sie lieber einen Gutschein erhalten würden. Das Ziel der Forscher war es zu messen, ob Konsument:innen bei mehr Transparenz auch eher kaufen, folglich sich für diesen Gutschein entscheiden.
Experiment 2: Nachdem Experiment 1 zeigte, dass es einen Effekt der Kostentransparenz gibt, stellt sich die psychologische Anschlussfrage, warum es diesen Effekt gibt und wie dieser festzumachen ist. So sahen die Teilnehmer:innen im 2. Experiment ein fiktives Produkt - eine Schokoladentafel. In der Kontrollgruppe wurden nur übliche Produktinfos gezeigt. In der Treatmentgruppe gab es zusätzlich eine detaillierte Kostenaufstellung (vgl. Abbildung 2: Design der Schokoladenverpackung ohne und mit Kostentransparenz im Anhang). Im Anschluss wurden Vertrauen in die Marke und Kaufbereitschaft durch einen Fragebogen abgefragt. So sollte herausgefunden werden, ob Vertrauen der zentrale psychologische Mechanismus für die Kaufentscheidung der Kund:innen ist.
Beantworten Sie nun folgende Fragen:
Welches reale Ereignis war der Auslöser der Forschung?
Das reale Ereignis, das den Ausgangspunkt der Forschung bildete, war ein Versehen eines Online-Händlers, der im Dezember 2013 die Kostenzusammensetzung eines hochwertigen Lederportemonnaies veröffentlichen wollte. Allerdings wurde die Infografik versehentlich nur bei drei von fünf Farbvarianten angezeigt. Dadurch entstand unbeabsichtigt ein sogenanntes natürliches Experiment – also eine reale Vergleichssituation, bei der einige Produkte mit, andere ohne Kostentransparenz verkauft wurden. Diese Situation ermöglichte es den Forschern, den Einfluss von Kostentransparenz auf das tatsächliche Kaufverhalten zu analysieren.
Welche konkrete Verhaltensfrage steht im Mittelpunkt von Experiment 1 - Was wollten die Forscher:innen direkt am Kaufverhalten testen?
Im Mittelpunkt von Experiment 1 steht die konkrete Verhaltensfrage, ob Konsument:innen sich anders entscheiden – insbesondere eher für ein Produkt bzw. einen Gutschein entscheiden – wenn ihnen eine transparente Kostenaufstellung vorliegt. Ziel war es, zu messen, ob Kostentransparenz das Vertrauen stärkt und dadurch direkt zu einer höheren Kaufwahrscheinlichkeit führt.
Welcher psychologische Faktor steht im Zentrum von Experiment 2 - und wie hängt er mit dem Kaufverhalten zusammen?
Experiment 2 geht über die Verhaltensbeobachtung hinaus und untersucht den psychologischen Mechanismus hinter dem Effekt der Kostentransparenz. Im Zentrum steht Vertrauen in die Marke als potenziell entscheidender Faktor. Es wurde überprüft, ob eine transparente Darstellung der Produktionskosten das Markenvertrauen stärkt und ob dieses gesteigerte Vertrauen wiederum die Kaufbereitschaft der Konsument:innen positiv beeinflusst.
Nachdem Sie nun die grundlegende Forschungsidee und Zielsetzung der beiden Experimente kennengelernt haben, befassen wir uns im nächsten Schritt vertiefend mit Experiment 1. Ziel ist es, den genauen Aufbau, sowie das konkrete Verhalten der Teilnehmer:innen besser zu verstehen.
Cost transparency refers to the disclosure of the costs to produce a good or provide a service. Although cost transparency is a strategy traditionally employed in the context of supplier-firm relationships, wherein the two-way sharing of cost information between parties facilitates collaboration on cost reduction measures, we investigate its effects within the context of consumer-firm relationships. Information on the costs associated with providing goods and services is rarely shared with consumers, but we provide evidence of when and why voluntarily doing so can increase consumers’ purchase interest. Specifically, building on the psychology of disclosure and trust, we posit that cost transparency, insofar as it represents an act of intimate disclosure, fosters trust. In turn, we propose that this heightened trust increases consumers’ willingness to purchase from the transparent firm. In the sections that follow, we discuss our central predictions and highlight alternative accounts. Then, we present experiments, conducted in the lab and in the field, that document the main effects of cost transparency, its underlying psychological drivers, and conditions that moderate its effects.
This first experiment explores how cost transparency influences consumer preferences in an online shopping context. The study was designed as a between-subjects randomized experiment using an incentive-compatible setup, meaning participants made real choices with the possibility of receiving a tangible reward. A total of 509 U.S.-based participants were recruited through Amazon Mechanical Turk (MTurk). Each participant was randomly assigned to one of two experimental conditions:
Cost Transparency Condition: Participants were shown a simulated product page for a backpack sold by the retailer Everlane. This page included a cost breakdown infographic, listing the production costs such as materials, labor, transport, and duties, with a clearly stated total cost.
Control Condition: Participants saw the same backpack from Everlane but without any cost information. In both conditions, participants also saw a comparable backpack from J. Crew, which does not practice cost transparency.
Participants were instructed to view both product pages and then asked which company they would prefer to receive a $50 gift card from. Their response served as the main behavioral outcome, representing a choice between the transparent vs. non-transparent retailer. To ensure accurate interpretation of the presented information, a comprehension check followed the main choice question. Participants were also asked for demographic information such as age, gender, income, and education, to allow for potential control variables in later analysis.
Beantworten Sie nun folgende Fragen:
Hinweis: Für die Beantwortung der letzten Frage können Sie diesen Artikel (Seite 1-5) als Grundlage verwenden.
Wie viele Personen nahmen final an dem Experiment teil?
Insgesamt nahmen 509 Personen an dem Experiment teil, die über Amazon Mechanical Turk (MTurk) rekrutiert wurden. MTurk ist eine Crowdsourcing-Plattform, die es Forschenden ermöglicht, schnell und kosteneffizient auf eine große und vielfältige Teilnehmergruppe zuzugreifen.
Worin bestand der Unterschied zwischen der Transparenzbedingung und der Kontrollbedingung
Im Experiment wurden den Teilnehmenden zwei Produktseiten für Rucksäcke gezeigt: eine von der Marke Everlane und eine von J. Crew. Der zentrale Unterschied zwischen den experimentellen Bedingungen lag in der Darstellung der Everlane-Seite. Der Rucksack von J. Crew wurde in beiden Bedingungen unverändert und ohne Kostentransparenz gezeigt. In der Transparenzbedingung wurde den Personen eine Infografik präsentiert, die eine detaillierte Aufschlüsselung der Produktionskosten enthielt – darunter Material-, Arbeits-, Transport- und Zollkosten sowie die Gesamtkosten des Everlane-Rucksackes. In der Kontrollbedingung hingegen sahen die Teilnehmenden dieselbe Produktseite, jedoch ohne jegliche Informationen zu den Herstellungskosten vom Everlane-Rucksack.
Welche Anreizstruktur wurde verwendet, um die Entscheidung der Teilnehmenden realistisch zu gestalten?
Um die Entscheidung der Teilnehmenden möglichst realitätsnah zu gestalten, wurde ein Setup verwendet, in welchem sich die Teilnehmer:innen für eine von zwei Optionen entscheiden mussten – konkret sollten sie angeben, von welchem der beiden Anbieter (Everlane oder J. Crew) sie lieber einen 50-Dollar-Geschenkgutschein erhalten würden. Dies sorgte dafür, dass die Entscheidung nicht nur hypothetisch war, sondern mit einem potenziellen realen Nutzen verbunden war. Dadurch wurde das Entscheidungsverhalten authentischer und besser messbar.
Wie unterschieden sich die beiden gezeigten Onlinehändler im Experiment?
Die beiden Onlinehändler unterschieden sich im Experiment hinsichtlich ihrer Transparenz über Produktionskosten. Everlane präsentierte sich in einer der Versuchsbedingungen als transparenter Anbieter, indem es auf der Produktseite des Rucksacks eine detaillierte Kostenaufstellung zeigte (Transparenzbedingung). J. Crew hingegen fungierte in beiden Bedingungen als Vergleichsanbieter ohne Kostentransparenz – dort wurden keine Informationen über die Zusammensetzung der Produktionskosten angegeben.
Warum wurde im Anschluss an die Entscheidungsfrage ein Verständnischeck durchgeführt?
Der Verständnischeck wurde durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden die präsentierten Informationen – insbesondere die Darstellung der Produktionskosten bei Everlane – korrekt wahrgenommen und verstanden haben. Nur wenn die Teilnehmenden die Unterschiede zwischen den Bedingungen nachvollziehen konnten, ist ihre Entscheidung zwischen Everlane und J. Crew aussagekräftig und belastbar. Der Verständnischeck dient somit der Qualitätssicherung der Daten und stellt sicher, dass beobachtete Effekte tatsächlich auf die Manipulation (Kostentransparenz) zurückzuführen sind und nicht auf Missverständnisse oder Unaufmerksamkeit.
In der Beschreibung des Experiments wird von “between-subjects randomized experiment using an incentive-compatible setup” gesprochen. Was versteht man hierunter im Detail?
Ein “between-subjects randomized experiment” bedeutet, dass die Teilnehmenden zufällig einer von zwei Bedingungen zugewiesen wurden – entweder der Transparenzbedingung (mit Kostenaufstellung) oder der Kontrollbedingung (ohne Kostenaufstellung). Jede Person nahm nur an einer Bedingung teil, sodass direkte Vergleiche zwischen Gruppen möglich sind, ohne dass sich Entscheidungen durch Mehrfachteilnahme gegenseitig beeinflussen.
Das “incentive-compatible setup” stellt sicher, dass die Entscheidungen der Teilnehmenden ihre wahren Präferenzen widerspiegeln. Um dies zu erreichen, wurde ein realer Anreiz geboten: Die Teilnehmenden mussten angeben, von welchem Anbieter (Everlane oder J. Crew) sie lieber einen 50-Dollar-Geschenkgutschein erhalten würden. Diese Entscheidung war nicht nur hypothetisch, sondern mit einer tatsächlichen Belohnung verbunden, wodurch die Teilnehmenden motiviert waren, ihre echte Präferenz anzugeben.
Ein solches Setup beruht auf dem Prinzip der Anreizkompatibilität, das in der experimentellen Wirtschaftsforschung sicherstellt, dass es für die Teilnehmenden am vorteilhaftesten ist, ehrlich zu antworten. Um mögliche Verzerrungen durch sogenannte Komplementaritätseffekte (wie Wohlstandseinflüsse oder Bündelungseffekte) zu vermeiden, wurde nur eine einzige Entscheidung relevant für die Auszahlung gemacht – ein Ansatz, der dem Random Decision Selection (RDS)-Mechanismus entspricht. Dieser Mechanismus verhindert, dass Entscheidungen durch andere Wahlmöglichkeiten oder potenzielle Auszahlungen beeinflusst werden, und erhöht so die Validität der Ergebnisse.
Die Daten, die Sie für die nachfolgenden Analysen verwenden, wurden zu Replikationszwecken von den Autoren der Studie zur Verfügung gestellt und können hier heruntergeladen werden:
Bhavya Mohan, Ryan W. Buell, Leslie K. John (2020) Lifting the Veil: The Benefits of Cost Transparency. Marketing Science 39(6):1105-1121. mksc.2019.1200.sm1.pdf
Wir haben die Daten für Sie heruntergeladen und im Unterordner mit
dem Namen Daten bereitgestellt. Für ihre Analyse werden die
Dateien Experiment1.csv und Experiment2.csv
genutzt. Für die Zusatzaufgabe ist die Datei
Experiment3.csv relevant.
Experiment1.csv aus dem
Unterordner Daten in R ein. Nennen Sie den Datensatz in R
daten_exp1.Im Datensatz sind unterschiedliche Variablen enthalten. Weiterhin habe wir Ihnen ein Readme mit den Beschreibungen zu den Variablen bereitgestellt. Nutzen Sie dieses und den Text aus Aufgabe 2, um die Variablen zu beschreiben.
Der Datensatz zu Experiment 1 umfasst insgesamt 509 Beobachtungen – also Teilnehmende, die im Rahmen eines zwischen Versuchspersonen randomisierten Experiments befragt wurden.
Die zentrale Variable treatment
(0 = Kontrollgruppe, 1 = Transparenzbedingung)
zeigt, ob eine Person die Everlane-Produktseite mit oder ohne
Kostenaufstellung gesehen hat. Die Variable everlane
(1 = Everlane-Gutschein gewählt, 0 = J. Crew)
ist die abhängige Verhaltensvariable, also die gemessene Kaufpräferenz
der Teilnehmenden.
Zur Überprüfung der Datenqualität gibt die Variable
passed an, ob die Teilnehmenden den Verständnischeck
bestanden haben (1 = bestanden, 0 = nicht bestanden), und
email_provided zeigt, ob sie eine E-Mail-Adresse für den
potenziellen Geschenkgutschein hinterlassen haben (1 = E-Mail angegeben,
0 = keine Angabe) – beides wichtige Indikatoren für Engagement und
Gültigkeit der Antworten.
Demografische Merkmale wie female (1 = weiblich),
age (Alter in Jahren), educ (Bildungsniveau, 1
= niedriger bis 5 = postgradual) und income (monatliches
Einkommen in zwölf Kategorien) erlauben differenzierte Analysen, z.B. ob
bestimmte Personengruppen stärker auf Kostentransparenz reagieren..
Sie sollten sich im ersten Schritt einen Überblick über ihre Daten verschaffen.
daten_exp1 aus Aufgabe 3
erstellen Sie eine deskriptive Tabelle mit der Anzahl an Beobachtungen,
den Mittelwerten, der Standardabweichungen, dem Median, sowie den Minima
und Maxima für alle in daten_exp1 enthaltenen
Variablen.Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle. Gehen Sie insbesondere auf die Verteilungen der einzelnen Variablen ein. Was fällt hier besonders auf.
| Deskriptive Statistiken der Variablen – Experiment 1 | ||||||
| Übersicht über Anzahl (N), Mittelwert, Standardabweichung sowie Median, Minimum und Maximum | ||||||
| N | Mittelwert | Standardabw. | Median | Min | Max | |
|---|---|---|---|---|---|---|
Everlane gewählt |
509 | 0.63 | 0.48 | 1 | 0 | 1 |
Verständnischeck bestanden |
509 | 0.77 | 0.42 | 1 | 0 | 1 |
E-Mail angegeben |
509 | 0.56 | 0.50 | 1 | 0 | 1 |
Weiblich |
509 | 0.49 | 0.50 | 0 | 0 | 1 |
treatment |
509 | 0.50 | 0.50 | 0 | 0 | 1 |
Alter |
505 | 37.59 | 11.74 | 35 | 18 | 81 |
Bildung |
505 | 3.76 | 0.84 | 4 | 1 | 5 |
Einkommen |
505 | 7.58 | 2.43 | 8 | 1 | 12 |
Die deskriptive Tabelle bietet eine Übersicht über die Variablen des
Datensatzes daten_exp1 von Experiment 1, aggregiert über
alle Teilnehmenden unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit. Insgesamt
liegen für die binären Variablen Daten von über 509 Personen vor und für
die metrischen Daten von 505, was auf eine gute Datenqualität und
geringe Ausfallraten hindeutet.
Analyse der Variablen
Die demografischen Merkmale der Stichprobe zeigen eine ausgewogene
und gut durchmischte Zusammensetzung. Das durchschnittliche
Alter der Teilnehmenden liegt bei etwa 37,6 Jahren (SD =
11,74), mit einer Spannweite von 18 bis 81 Jahren. Das
Bildungsniveau ist insgesamt hoch: Der Mittelwert liegt bei
3,76 auf einer Skala von 1 (= niedrig) bis 5 (= postgradual), was auf
eine eher akademisch geprägte Stichprobe schließen lässt. Auch das
Einkommen ist relativ hoch angesiedelt (M = 7,58, SD =
2,43), auf einer Skala von 1 bis 12. Diese Werte deuten auf eine
tendenziell einkommensstarke Teilnehmendengruppe hin.
Der Anteil weiblicher Teilnehmender beträgt 49%, was auf eine nahezu
ausgewogene Geschlechterverteilung schließen lässt. Auch
die Verteilung der Treatment-Zuweisung ist mit einem
Mittelwert von 0,50 exakt balanciert, was ein starkes Indiz für eine
erfolgreiche Randomisierung zwischen Kontroll- und Transparenzgruppe
darstellt.
Besonders interessant sind die Verhaltensindikatoren: 63% der
Teilnehmenden entschieden sich für den Everlane-Gutschein –
ein Wert, der ohne Gruppendifferenzierung interpretiert werden muss,
aber dennoch eine deutliche Präferenz für den Anbieter signalisiert. 77%
bestanden den Verständnischeck, was zeigt, dass der
Großteil der Teilnehmenden die zentralen Informationen des Experiments
korrekt wahrgenommen und verarbeitet hat. Die Bereitschaft zur Angabe
einer E-Mail-Adresse lag bei 56% – ein moderat hoher Wert,
der auf eine gewisse Offenheit gegenüber weiterem Kontakt oder
Folgestudien schließen lässt. Darüber hinaus war auch die Bereitschaft,
persönliche Daten (E-Mail-Adresse) zu hinterlassen, in der
Transparenzgruppe leicht erhöht (59% gegenüber 53% in der
Kontrollgruppe). Obwohl dieser Unterschied kleiner ausfällt, könnte er
als weiteres Signal für ein gestärktes Vertrauen in den Anbieter
interpretiert werden.
Insgesamt zeigt die deskriptive Analyse ein konsistentes Bild: Die
Stichprobe ist hinsichtlich zentraler Merkmale gut ausbalanciert, mit
soliden Werten bei Alter, Bildung und
Einkommen. Da in der vorliegenden Tabelle keine
Gruppentrennung vorgenommen wurde, können keine direkten Aussagen über
Effekte des Treatments gemacht werden. Dennoch bildet diese
Tabelle eine wichtige Grundlage, um ein Gefühl für die Zusammensetzung
und Tendenzen im Datensatz zu bekommen.
daten_exp1 gibt es Variablen für die keine
Beobachtungen vorhanden sind.Entfernen Sie nun alle Beobachtungen (d.h. gesamte Zeilen aus dem Datensatz), bei denen für mindestens eine der erhobenen Variablen kein Wert vorliegt, da unvollständige Daten für die Analyse nicht berücksichtigt werden sollen.
Untersuchen Sie weiterhin, ob sich die Teilnehmer, die die Webseite mit der Kostentransparenz gesehen haben (Treatmentgruppe), systematisch von jenen unterscheiden, die die Kontrollversion gesehen haben. Auch wenn es sich um ein Experiment handelt, bei dem die Zuteilung zu den Gruppen zufällig erfolgt ist, sollten Sie dennoch prüfen, ob es unbeabsichtigte (systematische) Unterschiede zwischen den Gruppen gibt. Erstellen Sie hierfür eine Balancing-Tabelle, in der Sie die Mittelwerte von Alter (age), Geschlecht (female), Einkommensstufe (income) und Bildungsniveau (educ) zwischen den beiden Gruppen vergleichen, die Differenzen berechnen und mithilfe von T-Tests prüfen, ob diese Unterschiede statistisch signifikant sind.
Hinweis: Die beiden Gruppen, die Sie in der Balancing
Tabelle betrachten sollen, können aus den Werten (1 und 0) der Variable
treatment abgeleitet werden.
Macht es Sinn die Beobachtungen aus dem Datensatz zu entfernen, wenn für bestimmte Variablen keine Werte vorhanden sind? Wenn ja, warum?
Ja, das Entfernen der Beobachtungen mit fehlenden Werten ist sinnvoll. Wenn in einem experimentellen Datensatz zentrale Variablen wie Alter, Bildung oder Einkommen nur teilweise erhoben wurden, führt dies zu einer verzerrten Stichprobe. Zwar liegt eine zufällige Zuteilung in Treatment- und Kontrollgruppe vor, doch durch das selektive Fehlen einzelner Werte wird diese Vergleichbarkeit beeinträchtigt. Infolgedessen kann es zu einer unrealistischen Darstellung der Gruppenunterschiede kommen, was die Interpretation der Effekte verzerren und die Aussagekraft statistischer Tests mindern würde. Um valide und konsistente Ergebnisse zu gewährleisten, ist es daher gerechtfertigt, unvollständige Beobachtungen aus der Analyse auszuschließen.
Wie viele Beobachtungen entfernen Sie dadurch aus ihrem Datensatz?
Insgesamt werden 4 Beobachtungen aus dem Datensatz entfernt. Dies lässt sich anhand der deskriptiven Tabelle aus Aufgabe 4 ablesen. In der Kontrollgruppe (treatment = 0) wurden zunächst 256 Teilnehmer erfasst. Bei den Variablen Alter, Bildung und Einkommen liegt die Anzahl gültiger Beobachtungen jedoch jeweils nur bei 252. Daraus lässt sich schließen, dass 4 Personen keine Angaben zu mindestens einer dieser zentralen Variablen gemacht haben. Diese Fälle wurden mithilfe der Funktion drop_na() aus dem Datensatz entfernt.
| Balancing-Tabelle zwischen Treatment- und Kontrollgruppe - Experiment 1 | ||||
| Vergleich zentraler Merkmale nach experimenteller Bedingung: Mittelwerte, Differenz und Signifikanztest (t-Test) | ||||
| Kontrollgruppe | Treatmentgruppe | Differenz | p-Wert | |
|---|---|---|---|---|
| Balancing-Vergleich | ||||
Alter |
37.913 | 37.273 | −0.640 | 0.541 |
Weiblich |
0.488 | 0.490 | 0.002 | 0.964 |
Einkommen |
7.405 | 7.763 | 0.358 | 0.098 |
Bildung |
3.734 | 3.794 | 0.060 | 0.418 |
| p-Werte basieren auf zweiseitigen t-Tests; Unterschiede sind bei p < 0,05 statistisch signifikant. | ||||
Die Balancing-Tabelle bietet einen Überblick über die Verteilung
zentraler demografischer Merkmale – Alter,
Geschlecht, Einkommen und Bildung
– zwischen der Kontrollgruppe (treatment = 0) und der
Transparenzgruppe (treatment = 1). Ziel dieser Analyse ist
es zu prüfen, ob sich die beiden Gruppen vor der Intervention
systematisch unterscheiden, was die Annahme einer erfolgreichen
Randomisierung untermauern oder infrage stellen würde.
Balancing-Check zwischen Kontroll- und Transparenzgruppe
Die Ergebnisse zeigen, dass die Mittelwerte der beiden Gruppen in
allen vier Merkmalen sehr ähnlich sind. Das durchschnittliche
Alter liegt bei etwa 37 Jahren, der Anteil weiblicher
Teilnehmender bei rund 49 %, das mittlere Einkommen bei
etwa 7,5 Punkten auf einer Skala von 1 bis 12 und das durchschnittliche
Bildungsniveau bei rund 3,7 auf einer Skala von 1 bis 5.
Die Differenzen zwischen den Gruppen sind minimal – die größte
Abweichung zeigt sich beim Alter mit 0,640 Punkten
Differenz, gefolgt von Einkommen (0,358),
Bildung (0,060) und Geschlecht (0,002).
Entscheidend für die Interpretation sind die zugehörigen
p-Werte, die anzeigen, ob die Unterschiede zwischen den
Gruppen statistisch signifikant sind. Alle p-Werte liegen deutlich über
dem gängigen Signifikanzniveau von 0,05 (Alter: p = 0.541,
Geschlecht: p = 0.964, Einkommen: p = 0.098,
Bildung: p = 0.418), was bedeutet, dass keiner der
beobachteten Unterschiede signifikant ist. Die Ergebnisse sprechen somit
klar für eine erfolgreiche Randomisierung: Die Gruppen unterscheiden
sich in ihren Ausgangsmerkmalen nicht systematisch. Wäre hingegen einer
dieser Unterschiede signifikant gewesen, hätte dies darauf hingedeutet,
dass die Randomisierung nicht vollständig geglückt ist – was die
Aussagekraft der Ergebnisse geschwächt und die Interpretation möglicher
Treatment-Effekte erschwert hätte. Die Gleichverteilung
zentraler Merkmale ist eine zentrale Voraussetzung für die interne
Validität eines Experiments, da nur so sichergestellt werden kann, dass
beobachtete Unterschiede im Verhalten – wie etwa in der Wahl des
Everlane-Gutscheins – kausal auf die
Treatmentbedingung zurückgeführt werden können.
Im Kontext der in Aufgabe 4 beschriebenen deskriptiven Ergebnisse
bestätigt die Balancing-Tabelle das Bild einer gut kontrollierten
Experimentalumgebung. Die Gruppen sind nicht nur nahezu gleich groß,
sondern auch hinsichtlich ihrer demografischen Zusammensetzung
vergleichbar. Damit wird eine wichtige Grundlage geschaffen, um den
beobachteten Effekt – den deutlich höheren Anteil von
Everlane-Wahlen in der Transparenzgruppe – nicht durch
verzerrende Drittvariablen erklären zu müssen.
Was müsste bei einer weiteren Regressionsanalyse berücksichtigt werden?
Auch wenn die Randomisierung grundsätzlich geglückt ist, kann es aus
methodischer Sicht dennoch sinnvoll sein, zentrale demografische
Merkmale als Kontrollvariablen in die Regressionsanalyse
aufzunehmen. Für nachfolgende Regressionsanalysen bedeutet das: Obwohl
keine signifikanten Unterschiede in den Ausgangsmerkmalen bestehen,
empfiehlt es sich, demografische Variablen wie Alter,
Einkommen und Bildung zu kontrollieren.
Erstens können diese Variablen zusätzliche Varianz aufklären und die
Präzision der Schätzungen verbessern. Zweitens zeigt insbesondere der
p-Wert für Einkommen (p = 0.098), dass ein möglicher
latenter Einfluss nicht vollständig auszuschließen ist. Die
Berücksichtigung dieser Merkmale erhöht somit sowohl die Robustheit als
auch die Glaubwürdigkeit der späteren Ergebnisse.
Nachdem Sie sich in den vorangegangenen Aufgaben bereits mit der Verteilung der Daten und den Unterschieden zwischen den einzelnen Gruppen auseinandergesetzt haben, geht es nun um eine explorative Betrachtung von Zusammenhängen zwischen den zentralen Variablen im Datensatz.
Wählen Sie die folgenden Variablen aus dem Datensatz
daten_exp1 aus:
Berechnen Sie die Korrelationsmatrix dieser Variablen. Visualisieren Sie die Matrix (als Tabelle oder Grafik), in der die Korrelationskoeffizienten und deren Stärke farblich dargestellt sind.
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle/Grafik. Gehen Sie hierbei auch auf folgende Fragen ein:
treatment und everlane im Kontext der
Hypothese, dass Kostentransparenz die Entscheidung für Everlane
beeinflusst?treatment im Experiment zufällig
zugewiesen wurde?Hinweis: Für die Darstellung der Korrelationsmatrix können Sie z.B. das Paket corrplot verwenden.
| Korrelationsmatrix für Variablen von Experiment 1 | |||||
| Die Werte zeigen die Korrelation zwischen den Variablen an (−1 = starke negative, +1 = starke positive Korrelation) | |||||
| Treatment | Everlane gewählt | Alter | Bildung | Einkommen | |
|---|---|---|---|---|---|
| Everlane gewählt | 0.158 | ||||
| Alter | −0.027 | −0.053 | |||
| Bildung | 0.036 | −0.009 | −0.018 | ||
| Einkommen | 0.074 | −0.043 | −0.021 | 0.187 | |
| Weiblich | 0.002 | 0.090 | 0.058 | −0.037 | 0.031 |
Nachdem in den vorangegangenen Aufgaben bereits die Verteilung der
Daten sowie Unterschiede zwischen Kontroll- und
Treatmentgruppe betrachtet wurden, dient die vorliegende
Korrelationsanalyse einer Untersuchung zentraler Zusammenhänge im
Datensatz daten_exp1 von Experiment 1. Ziel ist es, zu
prüfen, ob und in welcher Stärke demografische Merkmale wie
Alter, Bildung, Einkommen und
Geschlecht mit der Treatment-Zugehörigkeit
sowie der Entscheidung für die Everlane-Gutscheinkarte in
Zusammenhang stehen.
Ergebnisse der Korrelationsmatrix
Die Korrelationsmatrix zeigt insgesamt nur schwache Zusammenhänge
zwischen den untersuchten Variablen. Der auffälligste Wert ist die
positive Korrelation zwischen treatment und
everlane (r = 0.158). Dieser Zusammenhang stützt die
zentrale Hypothese des Experiments: Kostentransparenz wirkt sich positiv
auf die Präferenz für Everlane aus. Zwar ist der Wert
niedrig, dennoch zeigt er in die erwartete Richtung.
Andere Zusammenhänge – etwa zwischen Bildung und
Einkommen (r = 0.187) – sind theoretisch plausibel, aber in
Bezug auf die experimentelle Manipulation weniger bedeutsam. Die
Korrelationen zwischen treatment und den übrigen Merkmalen
wie Alter, Geschlecht oder
Bildung liegen alle nahe bei null. Dies ist ein wichtiges
Ergebnis, da es erneut bestätigt, dass die Randomisierung erfolgreich
war und keine systematischen Unterschiede in den Ausgangsmerkmalen
zwischen den Gruppen bestehen – ein zentrales Ziel in einem
between-subjects Design wie in diesem Experiment.
Einordnung der Korrelation zwischen Treatment und Everlane-Wahl
Die positive Korrelation zwischen der Transparenzbedingung
(treatment) und der Entscheidung für den
Everlane-Gutschein (everlane) deutet darauf
hin, dass Teilnehmende, die die Infografik mit den Produktionskosten
sahen, sich häufiger für Everlane entschieden. Dieser
Zusammenhang ist konsistent mit der zentralen Hypothese des Experiments,
wonach Kostentransparenz das Vertrauen in die Preisgestaltung stärkt und
dadurch die Kaufentscheidung beeinflusst.
Warum eine Korrelation kein Beleg für Kausalität ist
Die positive Korrelation zwischen treatment und
Everlane-Wahl deutet darauf hin, dass die
Transparenzbedingung das Entscheidungsverhalten beeinflusst haben könnte
– ein Ergebnis, das die zentrale Hypothese des Experiments stützt.
Dennoch liefert eine Korrelation allein keinen kausalen Beweis, da sie
lediglich das gemeinsame Auftreten zweier Variablen abbildet. Auch bei
zufälliger Zuteilung muss erst durch kontrollierte Regressionsanalysen
und die Berücksichtigung des Verständnisschecks geprüft
werden, ob die Transparenz tatsächlich ursächlich für die Präferenz
zugunsten Everlane war.
Vorteile der Korrelationsmatrix im Vergleich zum Mittelwertvergleich
Während Mittelwertvergleiche – wie sie in den vorherigen Aufgaben zur
Balancierung und Effektschätzung eingesetzt wurden – gezielt
Unterschiede zwischen Gruppen darstellen, bietet die Korrelationsmatrix
eine breitere Perspektive. Sie erlaubt, alle paarweisen Zusammenhänge im
Datensatz gleichzeitig zu betrachten – insbesondere zwischen
Treatment, Entscheidung und den
soziodemografischen Merkmalen. Gerade im Kontext dieses Experiments ist
das wertvoll: Die Matrix zeigt etwa, dass Alter,
Geschlecht oder Bildung nicht mit der
Treatmentzugehörigkeit zusammenhängen – ein klares Signal
für die erfolgreiche Randomisierung. Gleichzeitig lassen sich mögliche
Störfaktoren frühzeitig identifizieren und für weiterführende
Regressionsanalysen einplanen. Damit ergänzt die Korrelationsanalyse die
Mittelwertvergleiche sinnvoll und stärkt die Validität und Belastbarkeit
der Befunde.
Insgesamt liefert die Korrelationsmatrix wichtige Hinweise auf die
Plausibilität der experimentellen Ergebnisse. Der schwach positive
Zusammenhang zwischen Transparenzbedingung und
Everlane-Wahl stimmt mit der Hypothese überein, dass
Kostentransparenz das Verhalten beeinflusst. Gleichzeitig zeigt die
Matrix, dass demografische Merkmale nicht mit der Bedingungszuweisung
zusammenhängen – ein weiteres Indiz für die Gültigkeit der
Randomisierung.
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Grafik. Gehen Sie insbesondere auf folgende Fragen ein:
Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der Teilnehmer:innen, die
sich in zwei unterschiedlichen Experimentalbedingungen für einen
Gutschein des Anbieters Everlane entschieden haben. Auf der X-Achse sind
die beiden Versuchsbedingungen abgebildet: Kontrollgruppe
(ohne Kostentransparenz) und Treatmentgruppe (mit
Kostentransparenz). Die Y-Achse stellt den Anteil der
Everlane-Wahlen in Prozent dar. Über jedem Balken befindet
sich der jeweilige exakte Prozentwert, ergänzt um
Standardfehlerbalken.
Ergebnisse des Diagramms
In der Kontrollgruppe entschieden sich 55,6% der
Personen für den Everlane-Gutschein. In der
Treatmentgruppe waren es 70,8%. Dieser Unterschied wird
durch den in der Grafik ausgewiesenen p-Wert von 0.00038
untermauert, der deutlich über den Balken dargestellt ist. Der
p-Wert stammt aus einem T-Test, der prüft, ob der
Unterschied in der Wahl des Everlane-Gutscheins zwischen
den beiden Gruppen statistisch signifikant ist. Ein Wert von
p < 0.001 bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, diesen
Unterschied zufällig zu beobachten, unter 0.1% liegt. Somit kann mit
hoher Sicherheit geschlossen werden, dass die beobachtete Differenz
nicht zufällig, sondern auf die Einflussbedingung (Kostentransparenz)
zurückzuführen ist.
Interpretation im Kontext von Experiment 1
Die Grafik belegt anschaulich, dass Kostentransparenz das
Konsumentenverhalten signifikant beeinflusst. Die höhere Wahlrate des
Gutscheins in der Treatmentgruppe deutet darauf hin, dass
offen gelegte Produktionskosten die Vertrauenswürdigkeit und
Attraktivität des Anbieters steigern. Die Maßnahme der Kostentransparenz
scheint also ein wirkungsvoller psychologischer Hebel zu sein, um
Kaufentscheidungen positiv zu beeinflussen.
Faktoren, die zum signifikanten Unterschied in der Everlane-Wahl beigetragen haben könnten
Ein zentraler Aspekt ist das durch Kostentransparenz gestärkte
Vertrauen in den Anbieter. In der Treatmentgruppe wurde
offen dargelegt, wie sich der Preis des Produkts zusammensetzt – mit
einem Herstellungspreis von 36,35 US-Dollar bei einem Verkaufspreis von
68 US-Dollar. Viele Teilnehmer:innen dürften diese Preisdifferenz als
fair wahrgenommen haben. Die Offenlegung der Produktionskosten könnte
dabei als Zeichen von Ehrlichkeit und Integrität interpretiert worden
sein.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die gesteigerte
Informationsverarbeitung in der Treatmentgruppe. Dies zeigt
sich in der deutlich höheren Bestehensrate beim
Verständnischeck: 92% der Teilnehmer:innen in der
Treatmentgruppe beantworteten die Verständnisfragen
korrekt, verglichen mit 63% in der Kontrollgruppe. Dies
deutet auf ein höheres kognitives Engagement hin, das sich auf die
Entscheidung ausgewirkt haben könnte.
Auch die Bereitschaft zur Angabe persönlicher Daten (z.B.
E-Mail-Adresse) war in der Treatmentgruppe
leicht erhöht (59% vs. 53%). Dies könnte ebenfalls ein Hinweis auf
gestärktes Vertrauen sein.
Insgesamt legt die Analyse nahe, dass Kostentransparenz das Vertrauen
und die Entscheidungsbereitschaft erhöht, wobei die Unterschiede klar
der Treatmentbedingung zugeordnet werden können..
In den vorherigen Aufgaben des Projekts haben Sie sich bereits intensiv mit dem Experiment 1 auseinandergesetzt, in dem untersucht wurde, ob und wie die Offenlegung von Produktionskosten - also Kostentransparenz - das Konsumverhalten beeinflusst. Es wurde gezeigt: Wenn Konsument:innen transparent mitgeteilt wird, wie sich die Kosten eines Produkts zusammensetzen, steigt ihre Bereitschaft, bei dem entsprechend transparenten Unternehmen einzukaufen.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Offenlegung sensibler Unternehmensinformationen (wie Produktionskosten) das Vertrauen der Konsument:innen in das Unternehmen stärkt und sie somit eher zu einem Kauf motiviert.
Doch was genau ist der psychologische Mechanismus hinter dieser Wirkung? Ist es tatsächlich das Vertrauen in das Unternehmen, das durch die Offenlegung sensibler Informationen gestärkt wird - und in der Folge die Kaufbereitschaft erhöht?
Um genau diese Frage zu beantworten, führen die Autoren ein weiteres Experiment durch, das den vermuteten psychologischen Vermittlungsmechanismus des Vertrauens genauer untersucht. Dabei wurde geprüft, ob Vertrauen tatsächlich als Mediator zwischen Kostentransparenz und Kaufinteresse wirkt. Hierzu wurde ein kontrolliertes Online-Experiment mit über 600 Teilnehmer:innen durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden zufällig einer von zwei Bedingungen zugewiesen:
In der Kostentransparenz-Gruppe (Treatment) wurde zusätzlich eine detaillierte Aufschlüsselung der Produktionskosten angegeben. Diese beinhaltete die einzelnen Kostenkomponenten (z.B. Kakaobutter, Verpackung, Arbeitskosten) sowie die Gesamtkosten der Schokoladentafel (vgl. Abbildung 2 im Anhang).
In der Kontrollgruppe sahen die Teilnehmer die Verpackung einer fiktiven Schokoladenmarke namens „Cocoa Passion“. Diese enthielt nur die üblichen Informationen wie Zutaten, Nährwerte und eine Produktbeschreibung.
Ziel war es, zu untersuchen, ob die Offenlegung dieser sensiblen Informationen das Vertrauen der Konsument:innen in die Marke stärkt - und ob dieses Vertrauen wiederum die Kaufbereitschaft beeinflusst. In den nächsten Aufgaben werden Sie diese Studie genauer beleuchten, analysieren und evaluieren, ob sich die Hypothese empirisch bestätigen lässt.
Experiment2.csv) in R ein. Nennen Sie den Datensatz
daten_exp2. Benennen Sie die Variable cost in
treatment um.Untersuchen Sie, ob sich die Teilnehmer, die die Verpackung mit transparenter Kosteninformation gesehen haben, systematisch von jenen unterscheiden, die nur die Kontrollversion gesehen haben.
Erstellen Sie hierfür eine Balancing-Tabelle, in der Sie die Mittelwerte von Alter (age), Geschlecht (female), Einkommensstufe (income), Bildungsniveau (educ), Vertrauen (trust) und Kaufbereitschaft (wtb) zwischen den beiden Gruppen vergleichen, die Differenzen berechnen und mithilfe von T-Tests prüfen, ob diese Unterschiede statistisch signifikant sind. Nehmen Sie weiterhin die Anzahl an Beobachtungen in der Treatment- und in der Kontrollgruppe in ihre Tabelle mit auf.
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle. Gehen Sie dabei insbesondere auf folgende Fragen ein:
wtb?Hinweis: Für die Beschreibung der wtb können
Sie das bereitgestellte Readme nutzen.
| Balancing-Tabelle zwischen Treatment- und Kontrollgruppe – Experiment 2 | ||||
| Vergleich zentraler Merkmale nach experimenteller Bedingung: Mittelwerte, Differenz und Signifikanztest (t-Test) | ||||
| Kontrollgruppe | Treatmentgruppe | Differenz | p-Wert | |
|---|---|---|---|---|
Alter |
36.282 | 34.063 | −2.219 | 0.016 |
Weiblich |
0.422 | 0.477 | 0.055 | 0.178 |
Einkommen |
6.960 | 6.793 | −0.167 | 0.380 |
Bildung |
3.515 | 3.573 | 0.058 | 0.399 |
Vertrauen |
4.821 | 5.293 | 0.473 | 0.000 |
Kaufbereitschaft (wtb) |
3.741 | 4.273 | 0.532 | 0.001 |
| Anzahl Beobachtungen: Kontrollgruppe = 301, Treatmentgruppe = 300 | ||||
Interpretation der Balancing-Tabelle
Die vorliegende Tabelle stellt den Vergleich zentraler Merkmale
zwischen Kontrollgruppe und Treatment-Gruppe
des zweiten Experiments dar. In diesem Experiment sahen die
Teilnehmer:innen eine fiktive Schokoladentafel – entweder mit einer
klassischen Verpackung (Kontrollgruppe) oder mit einer
zusätzlichen Infografik zur Kostenzusammensetzung
(Treatmentgruppe). Im Anschluss wurden sie gebeten, Fragen
zu ihrem Vertrauen in die Marke sowie ihrer
Kaufbereitschaft zu beantworten.
Berücksichtigt werden soziodemografische Variablen
(Alter, Geschlecht, Einkommen,
Bildung) sowie die psychologischen Zielgrößen Vertrauen
(„trust“) und Kaufbereitschaft („wtb“). Für
jede Variable werden die Mittelwerte beider Gruppen, deren Differenz
(Treatmentgruppe minus Kontrollgruppe) sowie
die entsprechenden p-Werte aus zweiseitigen t-Tests berichtet. Am
Tabellenende sind die Gruppengrößen aufgeführt.
Auffällig sind insbesondere die signifikanten Unterschiede bei den
beiden psychologischen Zielgrößen: In der Treatment-Gruppe,
die eine Verpackung mit transparenter Kostenaufstellung sah, zeigen sich
sowohl beim Vertrauen in die Marke (M = 5.27 vs. 4.82) als auch bei der
Kaufbereitschaft (M = 4.27 vs. 3.74) signifikant höhere Mittelwerte im
Vergleich zur Kontrollgruppe (beide p-Werte =
0.000). Dies deutet darauf hin, dass die Maßnahme der Kostentransparenz
Vertrauen aufbauen und die Kaufabsicht steigern kann.
Alle weiteren Variablen zeigen keine signifikanten Unterschiede
zwischen den Gruppen (p > 0.05), mit Ausnahme des
Alters (p = 0.020). Der Unterschied in der
Variable „age“ beträgt jedoch lediglich rund 2,2 Jahre und
dürfte in der praktischen Interpretation nur eine untergeordnete Rolle
spielen. Insgesamt ist die Randomisierung als weitgehend gelungen zu
bewerten: Die Gruppen sind in ihren Ausgangsbedingungen balanciert,
wodurch Unterschiede in den Zielvariablen kausal auf das
Treatment zurückgeführt werden können.
Was versteht man unter der Variable
wtb?
Die Variable wtb steht für die Kaufbereitschaft
(„willingness to buy“). Sie erfasst, wie wahrscheinlich es ist, dass
Teilnehmer:innen das im Experiment gezeigte Produkt (eine Schokolade)
kaufen würden. Die Messung erfolgt auf einer siebenstufigen Likert-Skala
von 1 (überhaupt nicht wahrscheinlich) bis 7 (sehr wahrscheinlich).
Diese Variable bildet somit eine zentrale Zielgröße im Experiment, da
sie direkt das potenzielle Konsumverhalten widerspiegelt.
Was lässt sich aus der Größe der Stichprobe ableiten?
Die Stichprobengrößen der beiden Gruppen (308 in der
Kontrollgruppe und 306 in der
Treatment-Gruppe) sind nahezu identisch. Dies spricht für
eine erfolgreiche Randomisierung. Eine ausreichend große und ausgewogene
Stichprobe erhöht die statistische Power der Analysen, reduziert die
Wahrscheinlichkeit von Zufallseffekten und verbessert die
Generalisierbarkeit der Ergebnisse. Aufgrund der annähernden
Gleichverteilung ist auch eine Verzerrung der Mittelwerte durch
ungleiche Gruppengrößen weitgehend ausgeschlossen.
Wo könnte es bei einer Regression (oder einem sonstigen Vergleich der Gruppen) zu Problemen kommen und was wären mögliche Auswirkungen?
Trotz der insgesamt gelungenen Balancierung ist zu beachten, dass bei
einer Regressionsanalyse potenzielle Störvariablen weiterhin
berücksichtigt werden sollten. Beispielsweise zeigt sich beim
Alter ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen
(p = 0.020). Wird dieser Unterschied nicht kontrolliert,
kann dies zu einer Verzerrung der Schätzung des
Treatment-Effekts führen. In einer linearen
Regressionsanalyse könnte ein solcher Einfluss durch die Aufnahme von
Alter als Kovariate kompensiert werden. Auch wenn
Unterschiede in anderen Merkmalen statistisch nicht signifikant sind,
empfiehlt es sich aus methodischen Gründen, zentrale soziodemografische
Variablen (z.B. Bildung, Einkommen) als
Kontrollvariablen in die Modellierung einzubeziehen, um die Robustheit
und Validität der Ergebnisse zu erhöhen.
Die Grafik soll:
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Grafik.
Beschreibung und Interpretation
Die dargestellte Grafik visualisiert die durchschnittliche
Kaufbereitschaft der Teilnehmer:innen im zweiten
Experiment, getrennt nach Experimentalbedingung. Die zentrale Zielgröße,
die sogenannte „willingness to buy“ (wtb), wurde auf einer
siebenstufigen Skala erfasst, wobei höhere Werte eine stärkere
Kaufabsicht anzeigen. Der Mittelwert der
Kaufbereitschaft beträgt in der Kontrollgruppe
3.74, während er in der Treatment-Gruppe, die mit
transparenter Information über die Produktionskosten der Schokolade
konfrontiert wurde, bei 4.27 liegt.
Die Balken geben die Mittelwerte beider Gruppen wieder, ergänzt um Fehlerbalken, die die Standardfehler des Mittelwerts repräsentieren. Diese sind in beiden Gruppen relativ klein, was auf eine hohe Stabilität der Mittelwertschätzungen schließen lässt. Die Differenz zwischen den beiden Gruppen beträgt 0.53 Skalenpunkte und ist damit auch praktisch relevant.
Zur statistischen Absicherung dieser beobachteten Differenz wurde ein
zweiseitiger T-Test durchgeführt, dessen Ergebnis in der Grafik explizit
angegeben ist. Der p-Wert beträgt 0.0013 und liegt damit
deutlich unter dem gängigen Signifikanzniveau von 0.05. Dies bedeutet,
dass die beobachtete Differenz mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch
Zufall zustande gekommen ist. Vielmehr spricht das Ergebnis dafür, dass
die Offenlegung der Produktionskosten – als Maßnahme der
Kostentransparenz – einen signifikanten positiven Einfluss auf die
Kaufbereitschaft der Konsument:innen hat.
Die grafische Darstellung unterstreicht damit nicht nur die
statistische Signifikanz des Effekts, sondern erlaubt auch eine
intuitive Einschätzung seiner Stärke. Während die
Kontrollgruppe nur eine moderate Kaufneigung zeigt, lässt
sich in der Treatment-Gruppe eine klar höhere Bereitschaft
zum Kauf feststellen. Dies stützt die theoretische Annahme, dass
Transparenz das Vertrauen in ein Unternehmen stärkt und dadurch die
Entscheidungsbereitschaft für einen Kauf erhöht.
Nachdem Sie nun die Differenzen in der Kaufabsicht zwischen der Treatment- und der Kontrollgruppe im zweiten Experiment überprüft und getestet haben, geht es im nächsten Schritt darum, den möglichen Mediator Vertrauen genauer zu untersuchen. Hierfür sollen Sie sich in einem ersten Schritt das Vertrauen der Personen allgemein anschauen, um einen Eindruck zu dieser wichtigen Variable zu bekommen. Dafür werden Personen anhand hohem und niedrigem Vertrauen und deren Kaufbereitschaft für das Produkt unterteilt.
Die Grafik(en) sollen folgende Informationen enthalten:
hohem und
niedrigem Vertrauen. Nutzen Sie für die Unterteilung den
Median des Vertrauens in ihren Daten als Schwellenwert.hohes und
niedriges Vertrauen soll nun die durchschnittliche
Kaufbereitschaft dargestellt werden. Hier soll die Grafik so dargestellt
werden, dass auf der x-Achse das Vertrauensniveau (“hoch” und “niedrig”)
und auf der y-Achse die entsprechende Kaufbereitschaft abgebildet
wird.Beschreiben und interpretieren Sie ihre Grafik(en). Beantworten Sie insbesondere folgende Fragen:
Interpretation der Grafik
Die Balkengrafik zeigt den Zusammenhang zwischen dem
Vertrauensniveau der Teilnehmenden und ihrer
Kaufbereitschaft (WTB – “Willingness to Buy”)
unabhängig von der Treatment- oder
Kontrollgruppe. Die Variable „Vertrauen“ wurde
in zwei Teile aufgeteilt, wobei der Median als Schwellenwert zur
Einteilung in „niedriges Vertrauen“ und „hohes Vertrauen“ verwendet
wurde.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied: Personen mit
hohem Vertrauen weisen eine durchschnittliche
Kaufbereitschaft von 4.67 auf der 7-Punkte-Skala auf,
während die durchschnittliche Kaufbereitschaft in der
Gruppe mit niedrigem Vertrauen nur 2.35 beträgt. Dieser
Unterschied ist auch statistisch hoch signifikant (p-Wert
< 0.001), wie durch den T-Test belegt. Die Standardfehler sind klein,
was auf stabile Mittelwerte in beiden Gruppen hindeutet. Der visuelle
Abstand zwischen den Balken unterstreicht die Stärke des Effekts.
Diese Analyse macht deutlich, dass Vertrauen nicht nur
ein begleitender psychologischer Faktor ist, sondern eine zentrale Rolle
in der Bewertung und Auswahl von Produkten spielt.
Implikationen für die Rolle von Vertrauen in Kaufentscheidungen
Die Ergebnisse legen nahe, dass Vertrauen einen
entscheidenden Einfluss auf die Kaufentscheidung hat. Personen mit
höherem Vertrauen sind deutlich eher bereit, das Produkt zu
kaufen. Damit wird Vertrauen zu einem relevanten
psychologischen Hebel, den Unternehmen gezielt ansprechen können – etwa
durch Maßnahmen zur Erhöhung der Kostentransparenz oder durch
glaubwürdige Markenkommunikation. Insofern ist Vertrauen
nicht nur ein weiches Image-Merkmal, sondern ein konkreter
Einflussfaktor auf das wirtschaftliche Verhalten der
Konsument:innen.
Ausmaß der Unterschiede in der Kaufbereitschaft zwischen Vertrauensgruppen
Die Differenz in der Kaufbereitschaft beträgt 2.32
Punkte auf einer 7-Punkte-Skala. Dies entspricht einem substantiellen
Unterschied, der auch aus inhaltlicher Sicht als stark zu bewerten ist.
Die Höhe dieser Differenz zeigt, dass Vertrauen nicht nur
eine statistisch signifikante, sondern auch eine praktisch bedeutsame
Wirkung entfaltet. Personen mit hohem Vertrauen bewerten
ihre Kaufabsicht beinahe doppelt so hoch wie Personen mit niedrigem
Vertrauen.
Potenzial von Vertrauen als Mediator zwischen Treatment und Kaufbereitschaft
Die dargestellten Befunde deuten darauf hin, dass
Vertrauen als vermittelnde Variable (Mediator) zwischen der
experimentellen Bedingung (z.B. Kostentransparenz) und der
Kaufbereitschaft fungieren könnte. Frühere Ergebnisse
zeigten bereits, dass das Vertrauen durch die
Treatment-Bedingung erhöht wurde. Nun wird belegt, dass
Vertrauen wiederum stark mit der
Kaufbereitschaft zusammenhängt. Damit sind zwei notwendige
Bedingungen für Mediation erfüllt: erstens ein signifikanter
Zusammenhang zwischen Treatment und Vertrauen,
und zweitens ein signifikanter Zusammenhang zwischen
Vertrauen und Kaufbereitschaft.
Sie haben nun ihren Datensatz kennengelernt und es scheint so, als ob insbesondere Personen, welche transparente Kosten sehen, dazu neigen, das Produkt zu kaufen. Doch um ihre deskriptiven Analysen zu erhärten, wollen Sie im folgenden eine Analyse mittels Regressionen durchführen.
daten_exp1). Führen Sie eine Regression durch, bei der
Ihnen everlane als abhängige Variable dient. Als erklärende
Variable nutzen Sie das treatment. Erstellen sie eine
weitere Regression, die zusätzlich noch für die folgenden Variablen
kontrolliert:Stellen Sie die Regressionsergebnisse in einer Tabelle mit stargazer oder modelsummary dar!
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Ergebnisse. Gehen Sie insbesondere auf folgende Fragen ein:
| Dependent variable: | ||
| Abhängige Variable: Everlane gewählt | ||
| Regression | Regression | |
| (1) | (2) | |
| Treatment | 0.152*** | 0.155*** |
| (0.042) | (0.042) | |
| Alter | -0.002 | |
| (0.002) | ||
| Bildung | -0.001 | |
| (0.026) | ||
| Einkommen | -0.012 | |
| (0.009) | ||
| Weiblich | 0.091** | |
| (0.042) | ||
| Constant | 0.556*** | 0.686*** |
| (0.030) | (0.132) | |
| Observations | 505 | 505 |
| R2 | 0.025 | 0.039 |
| Residual Std. Error | 0.477 (df = 503) | 0.476 (df = 499) |
| Note: | p<0.1; p<0.05; p<0.01 | |
| Signifikanzniveaus: * p < 0.1; ** p < 0.05; *** p < 0.01 | ||
Die vorliegende Regressionsanalyse untersucht den Effekt der Anzeige
transparenter Produktionskosten (Treatment) auf die
Entscheidung von Teilnehmenden, das Produkt von „Everlane“
zu wählen. Im ersten Modell („Treatment Only“) wurde ausschließlich das
Treatment als erklärende Variable berücksichtigt. Im
zweiten Modell („Mit Kontrollen“) wurden zusätzlich Alter,
Bildungsniveau, Einkommen und
Geschlecht als Kontrollvariablen einbezogen.
In beiden Modellen zeigt sich ein signifikanter positiver Effekt des
Treatments: Im Modell ohne Kontrollvariablen beträgt der geschätzte
Effekt 0.152 (p < 0.001), Im Modell mit Kontrollvariablen liegt der
Effekt bei 0.155 (p < 0.001). Personen, die die transparente
Preisaufschlüsselung gesehen haben, entscheiden sich mit einer um etwa
15 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit für das Unternehmen
Everlane. Dieser Effekt bleibt auch nach Einbeziehung relevanter
individueller Merkmale stabil. Unter den Kontrollvariablen ist lediglich
das Geschlecht signifikant: Weibliche Teilnehmende haben
eine um rund 9 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, Everlane zu
wählen (p < 0.05).
Der Anstieg des Bestimmtheitsmaßes (R²) von 0.025 auf 0.039 zeigt,
dass der Zugewinn an Erklärungskraft durch die Kontrollvariablen gering
bleibt. Der zentrale Einflussfaktor ist und bleibt das
Treatment selbst.
Kausale Interpretation des Treatment-Effekts
Da die Teilnehmenden im Rahmen eines kontrollierten Experiments zufällig den Gruppen zugewiesen wurden, können die beobachteten Effekte kausal interpretiert werden. Die Randomisierung stellt sicher, dass systematische Verzerrungen oder unbeobachtete Drittvariablen ausgeschlossen werden. Somit lässt sich mit hoher Sicherheit sagen, dass die transparente Offenlegung von Produktionskosten direkt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führt, bei Everlane zu kaufen.
Relevanz zusätzlicher Kontrollvariablen
Auch wenn das Experiment auf ein robustes Design setzt, kann die
Einbeziehung von Kontrollvariablen zusätzliche Informationen liefern. In
diesem Fall zeigen sich keine substanziellen Änderungen in der Größe
oder Signifikanz des Treatment-Effekts. Dennoch ist die
Signifikanz des Merkmals „weiblich“ ein Hinweis darauf,
dass Geschlecht eine gewisse Rolle spielen könnte. Kontrollvariablen
erhöhen die Präzision der Schätzungen und liefern einen
differenzierteren Einblick – sind jedoch bei einem sauber randomisierten
Experiment nicht zwingend erforderlich für die Schätzung des kausalen
Effekts.
Bezug zu Aufgabe 5 (Balancing-Tabelle)
Die Ergebnisse der Balancing-Tabelle in Aufgabe 5 zeigten bereits,
dass zwischen den Gruppen keine systematischen Unterschiede in den
wichtigsten Ausgangsvariablen (Alter, Bildung,
Einkommen, Geschlecht) bestanden. Dies stärkt
die Validität des Randomisierungsprozesses und unterstützt die Annahme,
dass das Treatment der einzige systematische Unterschied
zwischen den Gruppen ist. Die Ergebnisse der Regressionsanalyse
bestätigen diesen Befund: Die Wirkung des Treatments bleibt
auch bei zusätzlicher Kontrolle konstant, was auf einen echten, robusten
kausalen Zusammenhang hinweist.
Während die bisherigen Analysen zeigen, dass das Treatment einen
Effekt hat, stellt sich nun die Frage, warum das so ist. Nun sollten Sie
im weiteren Verlauf durch vertiefende Regressionsanalysen prüfen, ob
dies auf das Vertrauen der Kunden zurückzuführen ist. Dazu betrachten
Sie noch einmal den Datensatz zu Experiment 2 (daten_exp2)
und untersuchen, ob das Treatment (Kunden sehen transparente
Kostenstruktur) zu einer höheren Kaufabsicht führt, weil sie das
Vertrauen der Konsumenten in das Unternehmen stärkt.
1. Regression: Abhängige Variable ist die Kaufabsicht; die erklärende Variable ist das Treatment.
2. Regression: Wie in der 1. Regression, doch kontrollieren Sie hier zusätzlich auf die Variablen Alter, Einkommensniveau, Bildungsstufe und Geschlecht.
Stellen Sie die Regressionsergebnisse in einer Tabelle mit stargazer oder modelsummary dar!
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Ergebnisse allgemein. Gehen Sie weiterhin auch speziell auf folgende Fragen ein:
treatment verändern? Warum oder warum
nicht?| Dependent variable: | ||
| Kaufabsicht (wtb) | ||
| Regression | Regression | |
| (1) | (2) | |
| Treatment | 0.532*** | 0.501*** |
| (0.165) | (0.166) | |
| Alter | -0.013* | |
| (0.007) | ||
| Einkommen | 0.023 | |
| (0.036) | ||
| Bildung | 0.102 | |
| (0.099) | ||
| Weiblich | -0.001 | |
| (0.168) | ||
| Constant | 3.741*** | 3.702*** |
| (0.116) | (0.470) | |
| Observations | 601 | 601 |
| R2 | 0.017 | 0.025 |
| Residual Std. Error | 2.021 (df = 599) | 2.019 (df = 595) |
| Note: | p<0.1; p<0.05; p<0.01 | |
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Ergebnisse allgemein. Gehen Sie weiterhin auch speziell auf folgende Fragen ein:
treatment verändern? Warum oder warum
nicht?Beschreibung der Regressionstabelle
Die Tabelle zeigt die Ergebnisse zweier linearer Regressionen zur
Untersuchung des Einflusses von Kostentransparenz auf die
Kaufabsicht im Rahmen von Experiment 2. In beiden Modellen
ist die Kaufabsicht („wtb“) die abhängige Variable,
gemessen auf einer siebenstufigen Likert-Skala.
Im ersten Modell wird ausschließlich das Treatment
berücksichtigt – also ob Teilnehmer:innen eine Verpackung mit
transparenter Kostenaufstellung gesehen haben. Der Effekt des
Treatments ist mit einem Koeffizienten von 0.533 deutlich
positiv und hoch signifikant (p < 0.01). Dies deutet darauf hin, dass
die Offenlegung von Produktionskosten die Kaufabsicht im
Durchschnitt um mehr als einen halben Skalenpunkt erhöht. Die erklärte
Varianz liegt bei R² = 0.017 und ist damit noch relativ gering.
Im zweiten Modell werden zusätzlich Alter,
Einkommen, Bildung und Geschlecht
als Kontrollvariablen einbezogen. Der Effekt des Treatments
bleibt auch hier signifikant und weitgehend stabil (0.501, p < 0.01),
was auf die Robustheit des Effekts hinweist. Unter den Kontrollvariablen
ist lediglich das Alter signifikant (p < 0.1): Ältere Personen zeigen
tendenziell eine geringere Kaufabsicht. Die übrigen
Variablen weisen keine signifikanten Effekte auf. Die erklärte Varianz
steigt durch die zusätzlichen Prädiktoren leicht auf R² = 0.025.
Interpretation der Regressionen
Die Ergebnisse bestätigen, dass Kostentransparenz einen signifikanten
und robusten Einfluss auf die Kaufabsicht hat. Dieser
bleibt auch nach Kontrolle relevanter soziodemografischer Merkmale
bestehen, was die interne Validität der Ergebnisse stärkt.
Der leichte Rückgang des Treatment-Koeffizienten von
0.533 auf 0.501 lässt vermuten, dass ein kleiner Teil des Effekts –
insbesondere über die Variable Alter – erklärbar ist.
Dennoch bleibt der Unterschied gering, was dafür spricht, dass der
Effekt der Kostentransparenz weitgehend unabhängig von
soziodemografischen Unterschieden wirkt.
Die nur geringe Zunahme der erklärten Varianz durch das zweite Modell
verdeutlicht, dass die zusätzlich einbezogenen Kontrollvariablen nur
einen begrenzten Beitrag zur Erklärung der Kaufabsicht
leisten. Der wesentliche Einfluss geht somit weiterhin vom
Treatment aus.
Ändern die Kontrollvariablen in ihrer zweiten Regression den Koeffizienten des Treatments?
Die Balancing-Tabelle zeigt, dass die Randomisierung insgesamt
erfolgreich war: Für zentrale soziodemografische Merkmale wie
Geschlecht, Einkommen und Bildung
bestehen keine signifikanten Unterschiede zwischen Kontroll- und
Treatmentgruppe. Lediglich beim Alter zeigt sich ein statistisch
signifikanter Unterschied (p = 0.016), wobei die Treatmentgruppe im
Schnitt rund 2,2 Jahre jünger ist. Dieser Unterschied ist zwar formal
signifikant, dürfte inhaltlich jedoch nur einen geringen Einfluss auf
die abhängige Variable haben – zumal auch in der Regressionsanalyse nur
ein schwacher Zusammenhang zwischen Alter und
Kaufabsicht erkennbar ist. Entsprechend wäre lediglich ein
leichter Rückgang des Treatment-Koeffizienten in der zweiten Regression
zu erwarten.
Gibt es einen signifikanten Unterschied in der Größe des Effekts zwischen der ersten und zweiten Regression?
In beiden Regressionsmodellen zeigt sich ein positiver und hoch
signifikanter Effekt der Kostentransparenz auf die
Kaufabsicht. Der Koeffizient sinkt von 0.533 im ersten
Modell auf 0.501 im zweiten Modell, in dem Alter,
Einkommen, Bildung und Geschlecht
kontrolliert werden. Dieser Rückgang ist minimal, der Effekt bleibt
signifikant. Es besteht somit kein signifikanter Unterschied zwischen
den beiden Modellen – der Einfluss der Kostentransparenz
ist robust gegenüber soziodemografischen Merkmalen.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit man diesen Regressionskoeffizienten als kausalen Effekt interpretieren kann?
Damit ein Regressionskoeffizient als kausaler Effekt interpretiert
werden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst ist
eine erfolgreiche Randomisierung zentral: Nur wenn die Zuweisung zum
Treatment zufällig erfolgt, kann sichergestellt werden,
dass sich die Gruppen im Durchschnitt ausschließlich hinsichtlich des
Treatments unterscheiden und alle anderen potenziellen
Einflussfaktoren gleich verteilt sind. Dadurch werden systematische
Unterschiede zwischen den Gruppen – sowohl in beobachteten als auch in
unbeobachteten Variablen – weitgehend ausgeschlossen. Eine weitere
Voraussetzung ist das Fehlen unbeobachteter Confounder, also
Drittvariablen, die sowohl mit dem Treatment als auch mit
der Zielvariable (in diesem Fall: Kaufabsicht)
zusammenhängen könnten. Auch diese Bedingung wird durch eine gelungene
Randomisierung weitgehend erfüllt.
Ist der Effekt des Treatments auf die Kaufabsicht ihrer Ansicht nach kausal interpretierbar?
Ja, unter den gegebenen Bedingungen lässt sich der Effekt unserer
Ansicht nach als kausal interpretieren. Die Randomisierung war – wie die
Balancing-Tabelle in Aufgabe 8 zeigt – erfolgreich: Es bestehen keine
signifikanten Unterschiede in zentralen soziodemografischen Merkmalen
zwischen den Gruppen, mit Ausnahme eines kleinen Unterschieds beim
Alter. Dieser wird in der Regression kontrolliert und
beeinflusst den Treatment-Effekt nur geringfügig. Hätte sich der Effekt
des Treatments nach Einbezug der Kontrollvariablen deutlich
verändert, könnte das auf eine Scheinkorrelation oder Moderation
hinweisen. In der vorliegenden Analyse bleibt der Effekt jedoch nahezu
unverändert, was für einen stabilen und kausal interpretierbaren
Zusammenhang zwischen Kostentransparenz und
Kaufabsicht spricht.
Vorteile der Regression gegenüber einer reinen Darstellung der Mittelwerte wie in Aufgabe 9
Die Regressionsanalyse bietet grundsätzlich eine deutlich präzisere und analytisch stärkere Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen Variablen zu untersuchen als ein bloßer Mittelwertvergleich. Sie erlaubt nicht nur die Quantifizierung von Effekten, sondern auch die statistische Prüfung ihrer Signifikanz.
Der Mittelwertvergleich aus Aufgabe 9 zeigt anschaulich, dass die
Kaufbereitschaft in der Treatmentgruppe (M = 4.27) höher
ist als in der Kontrollgruppe (M = 3.74) und dieser Unterschied
statistisch signifikant ist (p = 0.001). Dies liefert einen ersten
Hinweis darauf, dass das Treatment wirkt – allerdings ohne
Berücksichtigung möglicher Störfaktoren.
Die Regressionsanalyse hingegen ermöglicht es, zusätzliche Kovariaten
wie Alter, Einkommen, Bildung und
Geschlecht zu kontrollieren. Dadurch lässt sich gezielt
prüfen, ob der beobachtete Unterschied tatsächlich auf das Treatment
zurückzuführen ist oder ob er durch systematische Unterschiede zwischen
den Gruppen beeinflusst wird. Die Regressionsmodelle zeigen, dass der
Effekt der Kostentransparenz auch nach Kontrolle dieser Variablen
bestehen bleibt – was die Aussagekraft und Robustheit des Effekts
deutlich erhöht. Darüber hinaus erlaubt die Regression eine präzise
Schätzung des Effekts in Skalenpunkten (hier: ca. +0.5 Punkte auf der
7er-Skala), ergänzt um Konfidenzintervalle, Signifikanztests und den
erklärten Varianzanteil (R²).
Überlegen Sie sich, wie sich das Ergebnis verändern würde,
wenn zusätzlich Vertrauen (trust) in das Modell aufgenommen wird. Würde
sich der Effekt von treatment verändern? Warum oder warum
nicht?
Wenn Vertrauen als zusätzliche Variable in das
Regressionsmodell aufgenommen wird, ist zu erwarten, dass sich der
Effekt des Treatments deutlich reduziert – möglicherweise
wird er sogar insignifikant. Der Grund dafür liegt in der vermittelnden
Rolle (Mediation), die Vertrauen in diesem Zusammenhang
spielt.
Die Grafik aus Aufgabe 9 zeigt, dass Teilnehmer:innen mit hohem
Vertrauen (mehrheitlich aus der Treatmentgruppe, olivgrün)
eine deutlich höhere Kaufbereitschaft haben als solche mit
niedrigem Vertrauen. Das legt nahe, dass das
Treatment die Kaufabsicht nicht direkt,
sondern über den Aufbau von Vertrauen beeinflusst. Wird
Vertrauen ins Modell aufgenommen, „erklärt“ diese Variable
dann einen großen Teil des ursprünglichen Effekts des Treatments.
In statistischer Hinsicht bedeutet die Rolle von
Vertrauen als Mediator, dass der Effekt des
Treatments auf die Kaufabsicht nicht
ausschließlich direkt, sondern indirekt über Vertrauen
wirkt. Das heißt: Das Treatment (die transparente
Kostenaufstellung) führt zunächst zu einem Anstieg des
Vertrauens in das Unternehmen – und dieses gesteigerte
Vertrauen wiederum erhöht die
Kaufbereitschaft. Wenn Vertrauen in das
Regressionsmodell aufgenommen wird, „fängt“ es also einen Teil (oder
sogar den Großteil) des ursprünglichen Treatment-Effekts ab. Der direkte
Effekt des Treatments auf die Kaufabsicht wird
dadurch geringer oder möglicherweise statistisch insignifikant – nicht
weil das Treatment wirkungslos ist, sondern weil sein
Effekt durch Vertrauen vermittelt wird.
Sie haben nun gesehen, dass es auch hier einen direkten Effekt des Treatments (transparente Kostenstrukur) auf die Kaufabsicht gibt. Doch um die dahinter liegenden Mechanismen zu verstehen, müssen Sie tiefer in psychologische Prozesse eintauchen. Experiment 2 zeigt dafür ein entsprechendes Design, um zu testen, ob Vertrauen als vermittelnder Mechanismus eine Rolle spielt. Im nächsten Schritt analysieren Sie nun selbst diese Beziehung mit theoretischen Modellen und Regressionsmethoden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich direkte und indirekte Effekte voneinander unterscheiden.
Beantworten Sie folgende theoretische Fragen zu DAGs:
Verwendung von DAGs in der empirischen Forschung
Directed Acyclic Graphs (DAGs) werden genutzt, um kausale Zusammenhänge zwischen Variablen grafisch darzustellen. Sie helfen, theoretische Annahmen über Ursache-Wirkungs-Beziehungen explizit zu machen und bieten eine Grundlage, um zu entscheiden, welche Variablen kontrolliert werden müssen, um Verzerrungen zu vermeiden. Besonders in der Kausalanalyse sind DAGs ein zentrales Hilfsmittel, um Scheinkorrelationen zu erkennen und valide Schätzstrategien zu entwickeln.
Confounder und Mediator als zentrale Knotentypen
Ein Confounder ist eine Variable, die sowohl das
Treatment als auch die Zielvariable beeinflusst und dadurch
eine Scheinkorrelation erzeugen kann, wenn sie nicht berücksichtigt
wird. Ein Mediator liegt hingegen auf dem kausalen Pfad zwischen
Treatment und Zielvariable. Er vermittelt den Effekt des
Treatments weiter. Während der Confounder verzerrend wirkt,
erklärt der Mediator einen Teil des Wirkmechanismus.
Unterschiedliche Rolle von Vertrauen im Modell
Ob Vertrauen als Confounder oder Mediator behandelt
wird, ist entscheidend für die Interpretation des Effekts. Wird
Vertrauen als Confounder kontrolliert, entfernt man den
vermittelten Effekt aus der Analyse. Als Mediator hingegen erklärt
Vertrauen, wie Kostentransparenz zur erhöhten
Kaufabsicht führt. In der vorliegenden Studie ist
Vertrauen plausibel als psychologischer Vermittler zu sehen
– es entsteht durch das Treatment und beeinflusst die
Kaufabsicht weiter. Daher sollte es nicht als Störfaktor
herausgerechnet, sondern als zentraler Mechanismus betrachtet
werden.
Beschreiben und interpretieren Sie ihr DAG und die Beziehungen zwischen den Variablen. Gehen Sie insbesondere auf folgende Fragen und Aspekte ein:
Hinweis 1: Für die Erstellung des DAGs können Sie das Paket
dagify verwenden. Als Grundlage und Hilfsmittel können Sie
die Vorlesungsfolien nutzen.
Hinweis 2: Eine direkte Visualisierung des DAGs in
R ist schön, aber keine Pflicht. Sie können das DAG auch in
Word/PowerPoint zeichnen und ihre Grafik mittels
include_graphics() einfügen.
Begründung und Erklärung der DAG Struktur
Der dargestellte Directed Acyclic Graph (DAG) modelliert den
vermuteten kausalen Zusammenhang zwischen Kostentransparenz
(Treatment,T),Vertrauen(V) undKaufbereitschaft`
(K).
Die Struktur basiert auf folgender Annahme:
Treatment (T) beeinflusst das Vertrauen
(V) der Teilnehmer:innen, da durch die Offenlegung von Produktionskosten
die Transparenz steigt, was typischerweise zu einem höheren Vertrauen in
den Anbieter führt.
Vertrauen (V) wiederum beeinflusst die
Kaufbereitschaft (K), da Konsument:innen eher bereit sind
zu kaufen, wenn sie dem Unternehmen vertrauen.
Zusätzlich gibt es auch einen direkten Effekt von T
auf K, da Kostentransparenz auch unabhängig
vom Vertrauenszuwachs einen direkten psychologischen
Einfluss auf das Kaufverhalten haben kann (z.B. durch
wahrgenommene Fairness oder moralisches Signal).
Welche Annahmen müssen getroffen werden, damit Vertrauen tatsächlich als Mediator interpretiert werden kann?
Damit Vertrauen (V) als Mediator zwischen
Treatment (T) und Kaufbereitschaft (K)
interpretiert werden kann, müssen folgende kausale Annahmen erfüllt
sein:
Treatment muss vor dem Vertrauen wirken,
und Vertrauen wiederum vor der
Kaufentscheidung entstehen.
Zwischen T und V dürfen keine
unbeobachteten Variablen existieren, die beide beeinflussen (z.B.
Informationsbedarf, allgemeine Transparenzsensibilität).
Zwischen V und K dürfen ebenfalls keine
unbeobachteten Variablen stehen (z.B. Vorerfahrungen mit der Marke).
Kaufbereitschaft darf nicht rückwirkend das
Vertrauen beeinflussen.
Keine Interaktionen oder Moderatoren, die den
Zusammenhang zwischen T und V bzw.
V und K stark verändern, sofern sie nicht
kontrolliert wurden.
Kein post-treatment bias
Es dürfen keine Variablen in die Analyse eingehen, die durch das
Treatment selbst beeinflusst wurden und gleichzeitig
Einfluss auf Vertrauen oder Kaufbereitschaft
haben.
Welche Verzerrungen oder Störfaktoren könnten den Mediator-Effekt beeinflussen – und wie?
generelles Misstrauen, Sozialisation, oder Persönlichkeitsmerkmale wie Skepsis könnten sowohl das Vertrauen als auch die Kaufbereitschaft beeinflussen und so den Mediator-Effekt verzerren.
Wenn Vertrauen ungenau oder verzerrt gemessen wird (z.B.
durch schlechte Skalen oder Missverständnisse), kann der Mediator-Effekt
unterschätzt oder verfälscht werden.
Wenn bestimmte Personen systematisch mit höherem
Vertrauen ins Treatment geraten (z.B. über ein
demographisches Merkmal), wäre der beobachtete Effekt nicht mehr rein
kausal.
Teilnehmer:innen könnten bewusst höheres Vertrauen
äußern, obwohl es nicht real vorhanden ist – insbesondere in der
Treatmentgruppe mit moralischem Signal.
Diese könnten sowohl Vertrauen als auch
Kaufverhalten beeinflussen. Werden sie nicht kontrolliert,
droht eine Scheinkorrelation zwischen T, V und
K.
Fazit
Alles in allem lässt sich festhalten, dass der dargestellte DAG ein
plausibles Modell zur Untersuchung des vermuteten Mediationsmechanismus
darstellt. Damit Vertrauen jedoch tatsächlich als Mediator
interpretiert werden kann, sind strenge kausalanalytische Annahmen
erforderlich – insbesondere hinsichtlich unbeobachteter Störfaktoren und
der zeitlichen Abfolge der Variablen. Zudem zeigen mögliche
Verzerrungsquellen, dass eine vorsichtige Interpretation der Ergebnisse
notwendig ist. Eine sorgfältige Modellierung und gegebenenfalls
zusätzliche Kontrollvariablen sind entscheidend, um den vermuteten
indirekten Effekt von Kostentransparenz über
Vertrauen auf Kaufbereitschaft belastbar
nachzuweisen.
trust (Vertrauen) als abhängige Variable dient. Weiterhin
soll ihnen treatment als erklärende Variable dienen.
Erstellen sie eine weitere Regression, die zusätzlich noch für die
folgenden Variablen kontrolliert: Alter, Einkommensniveau, Bildungsstufe
und ob die Personen weiblich sind.Stellen Sie die Regressionsergebnisse in einer Tabelle mit stargazer oder modelsummary dar!
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Ergebnisse. Gehen Sie bei der Interpretation der Ergebnisse insbesondere auf folgende Fragen ein:
| Dependent variable: | ||
| Abhängige Variable: Vertrauen | ||
| Regression | Regression | |
| (1) | (2) | |
| Treatment | 0.473*** | 0.454*** |
| (0.112) | (0.113) | |
| Alter | -0.001 | |
| (0.005) | ||
| Einkommen | -0.021 | |
| (0.024) | ||
| Bildung | 0.058 | |
| (0.067) | ||
| Weiblich | 0.179 | |
| (0.114) | ||
| Constant | 4.821*** | 4.716*** |
| (0.079) | (0.320) | |
| Observations | 601 | 601 |
| R2 | 0.029 | 0.035 |
| Adjusted R2 | 0.027 | 0.027 |
| Residual Std. Error | 1.374 (df = 599) | 1.374 (df = 595) |
| F Statistic | 17.791*** (df = 1; 599) | 4.291*** (df = 5; 595) |
| Note: | p<0.1; p<0.05; p<0.01 | |
Kontrolle zusätzlicher Variablen in Regression 2
Die Aufnahme von Kontrollvariablen wie Alter,
Einkommen, Bildung und Geschlecht
im zweiten Regressionsmodell ist sinnvoll, da diese Merkmale theoretisch
sowohl mit dem Vertrauen als auch mit der Wahrnehmung des
Treatments zusammenhängen könnten. Wichtig ist dabei, dass
es sich um sogenannte prä-treatment-Variablen handelt, also um Merkmale,
die vor dem Treatment existieren und nicht durch dieses
beeinflusst werden können. In dieser Analyse trifft das zu. Dadurch wird
sichergestellt, dass keine Scheinkorrelation zwischen
Treatment und Vertrauen durch systematische
Unterschiede in der Stichprobe entsteht. Die Ergebnisse zeigen jedoch,
dass keine der Kontrollvariablen einen signifikanten Effekt hat, was
darauf hindeutet, dass die Wirkung des Treatments
unabhängig von diesen Faktoren besteht.
Bedeutung des signifikanten Treatment-Koeffizienten
Der Treatment-Koeffizient ist in beiden Modellen positiv
und hochsignifikant (0.448 im ersten Modell, 0.454 im zweiten Modell;
jeweils p < 0.001). Das bedeutet: Die transparente Darstellung der
Kostenstruktur führt im Durchschnitt zu einem signifikanten Anstieg des
Vertrauens in das Unternehmen – unabhängig von den übrigen
Merkmalen der Befragten. Die nahezu unveränderte Höhe des Koeffizienten
in beiden Modellen unterstreicht die Robustheit dieses Effekts. Die
Intervention erfüllt damit ihre intendierte Wirkung, nämlich
Vertrauen aufzubauen.
Bedeutung des Pfads Treatment ➝ Vertrauen für Mediation
Der Pfad vom Treatment zum Vertrauen ist
eine notwendige Bedingung für einen Mediationsmechanismus, bei dem
Vertrauen die Wirkung des Treatments auf die
Kaufabsicht vermittelt. Nur wenn das Treatment
tatsächlich das Vertrauen beeinflusst, kann Vertrauen als
vermittelnde Variable wirken. Wäre dieser Pfad nicht vorhanden oder
nicht signifikant, gäbe es keinen indirekten Effekt über
Vertrauen, und eine Mediation wäre ausgeschlossen. Die
vorliegenden Ergebnisse belegen, dass dieser Pfad empirisch vorhanden
ist, wodurch eine weitere Analyse zur Mediation gerechtfertigt ist.
Mögliche unbeobachtete Einflussfaktoren
Mögliche unbeachtete Einflussfaktoren wären persönliche Einstellungen
zu Transparenz, generelles Vertrauen in Unternehmen oder
eine positive Grundhaltung gegenüber nachhaltigen Marken. Personen mit
solchen Merkmalen könnten unabhängig vom Treatment stärkeres
Vertrauen zeigen und zugleich empfänglicher auf die
transparente Kostenstruktur reagieren. Wenn diese Faktoren nicht im
Modell kontrolliert werden, kann der beobachtete Effekt des
Treatments auf Vertrauen teilweise auf
vorbestehende Unterschiede zurückgehen und damit überschätzt sein.
Führen Sie eine Regression durch, bei der Ihnen die Kaufbereitschaft
als abhängige Variable dient. Weiterhin sollen die erklärende Variablen
nun treatment, sowie das Vertrauen (trust)
umfassen. Erstellen sie eine weitere Regression, die zusätzlich noch auf
Alter, Einkommensniveau, Bildungsstufe und ob die Personen weiblich
sind, kontrolliert.
Stellen Sie die Regressionsergebnisse passend in einer Tabelle dar!
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Ergebnisse. Gehen Sie bei der Interpretation der Ergebnisse insbesondere auf folgende Fragen ein:
treatment jetzt nicht mehr signifkant ist? Woran könnt das
im Detail liegen?trust und treatment
gemeinsam in einem Modell zu betrachten?trust eine “notwendige Bedingung” sein,
damit Transparenz der Kostenstruktur zu höherer Kaufbereitschaft
führt?| Dependent variable: | ||
| Abhängige Variable: Kaufbereitschaft | ||
| Regression | Regression | |
| (1) | (2) | |
| Treatment | 0.148 | 0.129 |
| (0.140) | (0.140) | |
| Vertrauen | 0.813*** | 0.818*** |
| (0.050) | (0.050) | |
| Alter | -0.013** | |
| (0.006) | ||
| Einkommen | 0.041 | |
| (0.030) | ||
| Bildung | 0.055 | |
| (0.082) | ||
| Weiblich | -0.148 | |
| (0.140) | ||
| Constant | -0.178 | -0.155 |
| (0.260) | (0.457) | |
| Observations | 601 | 601 |
| R2 | 0.317 | 0.327 |
| Adjusted R2 | 0.315 | 0.320 |
| Residual Std. Error | 1.685 (df = 598) | 1.679 (df = 594) |
| F Statistic | 139.008*** (df = 2; 598) | 48.027*** (df = 6; 594) |
| Note: | p<0.1; p<0.05; p<0.01 | |
Rückgang der Signifikanz des Treatment-Koeffizienten
In beiden Regressionsmodellen ist der Effekt von
treatment auf die Kaufabsicht positiv, aber
nicht signifikant (0.174 bzw. 0.129). Dies steht im Gegensatz zu
früheren Modellen, in denen treatment ohne trust einen
signifikanten Effekt hatte. Der Grund für diesen Rückgang liegt darin,
dass ein Großteil des Effekts von treatment über das
Vertrauen vermittelt wird. Sobald trust als Mediator in das
Modell aufgenommen wird, erklärt es einen erheblichen Teil der Varianz
in der Kaufabsicht (Koeffizient: 0.800 bzw. 0.818, p <
0.001), sodass der direkte Effekt von treatment an
Bedeutung verliert. Dies ist ein typisches Muster bei Mediation: Der
direkte Effekt wird durch den indirekten Pfad über den Mediator
absorbiert.
Bedeutung der gleichzeitigen Modellierung von trust und treatment
Die gleichzeitige Berücksichtigung von treatment und
trust ist entscheidend, um zwischen direkten und indirekten
Effekten zu unterscheiden. Nur wenn beide Variablen im selben Modell
enthalten sind, lässt sich erkennen, ob trust den Effekt
des Treatments vermittelt. Wird nur treatment
betrachtet, misst man einen Gesamteffekt, der nicht zwischen direktem
und vermittelt durch Vertrauen laufendem Einfluss
unterscheidet. Die gleichzeitige Modellierung ermöglicht daher eine
präzisere kausale Interpretation und bildet die psychologischen Prozesse
im Experiment realistischer ab.
Vertrauen als notwendige Bedingung für Wirkung von Transparenz
Die starken und signifikanten Koeffizienten von trust
(0.800 bzw. 0.818, p < 0.001) zeigen, dass Vertrauen ein
zentraler Prädiktor der Kaufabsicht ist. Wenn das
Treatment in früheren Modellen signifikant war, jetzt aber
ohne trust nicht mehr, deutet das darauf hin, dass
Vertrauen die vermittelnde Instanz ist, über die
Transparenz auf das Verhalten wirkt. Ohne
Vertrauen entfaltet Transparenz offenbar keine direkte
Wirkung auf die Kaufabsicht – sie ist also nicht per se
wirksam, sondern nur insofern sie das Vertrauen stärkt.
Vertrauen stellt damit eine notwendige Bedingung dar, damit
Transparenz tatsächlich zu höherer
Kaufbereitschaft führt.
In den vorangegangenen Modellen wurde untersucht, ob das Treatment (Kostentransparenz) das Vertrauen in das Unternehmen beeinflusst und ob Vertrauen wiederum mit der Kaufabsicht zusammenhängt.
Hinweis: Informationen zum Verständnis der Vertrauensbildung in der Konsumentenpsychologie können Sie in dem folgenden Artikel auf Seite 2 bis 5 nachlesen.
Das experimentelle Design von Studie 2, das untersucht, ob Kostentransparenz die Kaufabsicht über Vertrauen als Mediator beeinflusst, ist robust, weist jedoch einige Schwächen auf. In dem Experiment wurden 601 Teilnehmende zufällig entweder einer Kontrollgruppe, die nur Standardproduktinformationen einer fiktiven Schokoladentafel erhielt, oder einer Treatmentgruppe, die zusätzlich eine Kostenaufstellung sah, zugeteilt. Vertrauen und Kaufbereitschaft wurden mittels Fragebögen erfasst, und die Analyse nutzte Regressionsmodelle, um direkte und vermittelte Effekte zu prüfen.
Stärken des Experiments
Eine Stärke des Designs ist die Randomisierung, die
systematische Verzerrungen minimiert, wie die Balancing-Tabelle zeigt,
die vergleichbare demografische Merkmale wie Geschlecht,
Einkommen und Bildung zwischen den Gruppen
bestätigt.
Die Mediationsanalyse ermöglicht zudem ein tieferes
Verständnis des psychologischen Mechanismus, da die Ergebnisse belegen,
dass Vertrauen ein zentraler Mediator ist, was mit der
Theorie übereinstimmt, dass Transparenz als Signal für
Ehrlichkeit Vertrauen fördert.
Das realitätsnahe Szenario mit der Schokoladentafel
erhöht die ökologische Validität, und die statistische Kontrolle für
Confounder wie Alter oder Geschlecht
verbessert die Präzision der Schätzungen.
Schwächen des Experiments
Die künstliche Laborumgebung mit hypothetischen
Entscheidungen ohne reale finanzielle Konsequenzen könnte vom
tatsächlichen Kaufverhalten abweichen, da Teilnehmende keine
tatsächlichen Kosten tragen. Zudem ist die Erhebung von
Vertrauen und Kaufbereitschaft per
Selbstauskunft anfällig für Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit, da
Teilnehmende möglicherweise Antworten geben, die sie als
gesellschaftlich akzeptabel wahrnehmen.
Ein leichter Randomisierungsfehler zeigt sich in einem signifikanten Altersunterschied zwischen den Gruppen, der, obwohl kontrolliert, die Generalisierbarkeit leicht beeinträchtigen könnte.
Theoretische Implikationen
Die Ergebnisse aus Aufgabe 13 bis 16 bestätigen weitgehend das
theoretische Verständnis der Vertrauensbildung in der
Konsumentenpsychologie, wie es im Artikel aus den SHS Web of Conferences
(S. 2–5) beschrieben wird, stellen es jedoch teilweise infrage. Aufgabe
15 zeigt, dass Kostentransparenz das Vertrauen
signifikant erhöht (β=0.454, p<0.001), was die
Kaufabsicht vermittelt, wie Aufgabe 16 belegt
(trust β=0.818, p<0.001). Der direkte Effekt von
Transparenz auf die Kaufabsicht verschwindet,
wenn Vertrauen kontrolliert wird, was einen starken
Mediationsmechanismus bestätigt. Dies unterstützt die Theorie, dass
Transparenz als Signal für Ehrlichkeit
Vertrauen fördert, wie von White (2005) und Sirdeshmukh et
al. (2002) postuliert, und unterstreicht die zentrale Rolle von
Vertrauen in der Konsumentenpsychologie. Aufgabe 16 untermauert die
Robustheit dieser Ergebnisse, da die Mediationsanalyse auch bei
Hinzufügung von Kontrollvariablen konsistent bleibt, was die
theoretische Fundierung des Effekts von Transparenz auf
Vertrauen stärkt. Allerdings stellt das Experiment die
Theorie infrage, da es keine negativen Szenarien wie unrealistisch hohe
Margen berücksichtigt, die laut Artikel Vertrauen schnell zerstören
könnten. Ohne solche Szenarien könnte der Effekt von
Transparenz überschätzt werden, da reale
Konsumentscheidungen oft durch solche negativen Signale beeinflusst
werden.
Interne Validität und Kausalitätsaussagen
Die interne Validität des Experiments ist stark. Die Randomisierung
und die Kontrolle für demografische Variablen wie
Alter, Geschlecht, Einkommen und Bildung minimieren
Confounding, und die konsistenten Ergebnisse der Mediationsanalyse
(Aufgabe 16) unterstützen die Kausalität des Effekts von
Kostentransparenz auf Vertrauen und
Kaufbereitschaft. Die Analyse erfüllt die Voraussetzungen
für Kausalität: Transparenz beeinflusst
Vertrauen (Aufgabe 15), Vertrauen beeinflusst
die Kaufabsicht, und der direkte Effekt von
Transparenz schwindet, wenn Vertrauen
kontrolliert wird. Dennoch gibt es Einschränkungen. Der
Altersunterschied zwischen den Gruppen könnte eine leichte Verzerrung
darstellen, obwohl er statistisch kontrolliert wurde. Zudem könnten
unbeobachtete Mediatoren wie wahrgenommene Fairness oder
Markenwahrnehmung den Effekt teilweise erklären, was die
Kausalitätsaussagen einschränkt. Ohne diese zusätzlichen Faktoren bleibt
unklar, ob Vertrauen der einzige oder primäre Mechanismus ist.
Übertragbarkeit und Generalisierbarkeit
Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen und
kulturelle Kontexte ist begrenzt. Die US-basierte MTurk-Stichprobe ist
nicht repräsentativ, und kulturelle Unterschiede könnten die Wahrnehmung
von Transparenz beeinflussen. Der Artikel betont, dass
Vertrauen kulturell geprägt ist (vgl. Czakó, 2011), und in
kollektivistischen Kulturen wie in Asien könnte Transparenz
als unüblich oder misstrauenerregend wahrgenommen werden. Jüngere
Teilnehmer in der Treatmentgruppe könnten offener für
Transparenz sein, was die Ergebnisse für ältere oder
weniger technikaffine Gruppen einschränkt. Die fiktive Marke „Cocoa
Passion“ ist kontextabhängig, und in realen Märkten könnte
Markenloyalität den Effekt von Transparenz abschwächen. Dennoch ist die
grundlegende Psychologie der Vertrauensbildung universell anwendbar,
besonders in westlichen, individualistischen Kontexten, wo Transparenz
positiv bewertet wird. Produkte mit niedrigem Involvement wie Schokolade
dürften in ähnlichen Kontexten vergleichbare Effekte zeigen. Für eine
breitere Anwendung wären jedoch Studien in diverseren kulturellen und
demografischen Kontexten erforderlich, um die Robustheit der Ergebnisse
zu bestätigen.
Zu Beginn des Projektes hatten wir erwähnt, dass die Experimente, welche im Projekt durchgeführt wurden, auf Grund eines Missgeschicks in der Online-Darstellung von unterschiedlichen Produkten zustande kam. Hier wurden von einem privat geführten Online-Händler Geldbörsen in fünf Farbvarianten angeboten, wobei beabsichtigt war, allen Farben eine einheitliche Kostentransparenz-Infografik zuzuordnen. Aufgrund eines Versehens wurde die Infografik jedoch nur bei drei Farben implementiert. Dieses zufällige Ereignis führte zu einer klaren Trennung zwischen den Produkten mit dieser und ohne diese Infografik. Das dadurch entstandene natürliche Experiment sollen Sie sich in der Zusatzaufgabe näher anschauen.
On December 2, 2013, a privately held online retailer launched a holiday gift shop with a single email to its mailing list, promoting a leather wallet offered in five colors (burgundy, black, grey, bone, and tan) and priced at $115.00. Later, at the end of January, to boost post-holiday sales, the retailer decided to add a cost transparency infographic to the online product detail pages for each of the wallet’s five color combinations. The retailer’s intention was to use the same infographic for all wallets since they differed only in color.
However, due to an inadvertent mistake, the infographic was not introduced for two of the wallet colors (bone and tan). Consequently, the cost transparency information was implemented for only three of the five wallet colors (burgundy, black, and grey) over a period of five weeks. This error created a natural experiment, enabling us to test the impact of cost transparency on wallet sales.
Therefore we have the following procedure:
Operationalization of Cost Transparency: The infographic presented the total cost to produce the wallet, breaking it down into its specific components, namely: leather (14.68 US-Dollar), construction (38.56 US-Dollar), duties (4.26 US-Dollar), and transportation (1.00 US-Dollar). In addition, it included benchmark information indicating that the wallet had a 1.9x markup, in contrast to a 6x markup charged by a competitor. Because wallet colors serve as the basis for treatment assignment, the natural experiment compares “cost transparent” wallets (burgundy, black, and grey) to “non-transparent” wallets (bone and tan).
Identification Strategy: We use a difference-in-differences approach to compare the daily sales between the treatment (cost transparency) and control (no cost transparency) groups before versus after the introduction of the infographic. By doing so, the design isolates the causal effect of cost transparency on the daily count of wallets sold for each color.
Control Variables: Given that the cost transparency treatment was implemented by wallet color, and with only five available colors, it was necessary to control for potential confounders. For instance, we include a proxy for time-varying color popularity - the number of page views each wallet color received - and a proxy for time-varying inventory levels.
Beantworten Sie nun die folgenden Fragen in Bezug auf den vorherigen Text:
Aufbau und Klassifikation des natürlichen Experiments
Das natürliche Experiment basiert auf einem ungeplanten Fehler: Die Einführung der Kostentransparenz-Infografik erfolgte nur bei drei der fünf verfügbaren Wallet-Farben (burgundy, black und grey), während zwei Farben (bone und tan) unbeabsichtigt unbehandelt blieben. Diese zufällige Variation in der Behandlung erlaubt einen quasi-experimentellen Vergleich zwischen einer Behandlungsgruppe (mit Transparenz) und einer Kontrollgruppe (ohne Transparenz), obwohl keine formale Randomisierung stattfand. Das Ereignis wird deshalb als natürliches Experiment klassifiziert, weil die Zuweisung zur Treatment- oder Kontrollgruppe nicht vom Forscher, sondern durch einen operativen Zufall bedingt war, wodurch eine exogene Variation entsteht, die sich zur Kausalanalyse eignet.
Bedeutung des zufälligen Versäumnisses bei zwei Farben
Das zufällige Versäumnis, die Transparenzinfografik bei zwei Wallet-Farben zu implementieren, ist zentral für die Validität des Designs. Dadurch entsteht eine natürliche Vergleichsgruppe, bei der – unter der Annahme ähnlicher Ausgangsbedingungen – alle Unterschiede in der Verkaufsentwicklung auf die Einführung der Infografik zurückgeführt werden können. Das Versäumnis wirkt somit wie eine quasi-zufällige Zuweisung zur Kontrollgruppe, was die internen Validitätsbedenken reduziert, die typischerweise bei nicht-randomisierten Designs bestehen.
Notwendigkeit von Kontrollvariablen (Seitenaufrufe & Lagerbestand)
Da die Zuweisung zum Treatment über die Farbvariante erfolgt und Farben unterschiedliche Beliebtheiten oder Lagerbestände haben können, ist es notwendig, zeitlich variable Störfaktoren zu kontrollieren:
Seitenaufrufe pro Farbe dienen als Proxy für Nachfrage und Popularität, da ein Anstieg der Page Views unabhängig vom Treatment zu höheren Verkäufen führen könnte.
Lagerbestände pro Farbe wirken als Angebotsbeschränkung: Selbst bei hoher Nachfrage könnten Farben mit niedrigem Bestand weniger verkauft werden.
Würde man diese Kontrollvariablen weglassen, könnten systematische Unterschiede zwischen Farben die Ergebnisse verzerren. Beispielsweise könnte eine Wallet-Farbe mit Infografik (z.B. burgundy) zufällig auch besonders beliebt sein oder öfter angezeigt werden. In dem Fall würde man fälschlicherweise einen Effekt der Kostentransparenz messen, der in Wirklichkeit auf eine höhere Grundnachfrage zurückgeht. Die Kontrolle dieser Variablen ist daher notwendig, um den kausalen Effekt der Infografik auf den Verkauf isoliert messen zu können.
Kann eine Difference-in-Differences-Regression helfen, den kausalen Effekt der Kostentransparenz auf die Verkaufszahlen zu identifizieren?
Gehen Sie bei der Beantwortung dieser Frage insbesondere auf die nachfolgenden Punkte ein:
Aufgabe 18, formulieren Sie bitte die
Regressionsgleichung, mit der der Effekt der
Kostentransparenzmaßnahme mithilfe eines DiD-Ansatzes untersucht werden
kann.
Das natürliche Experiment, bei dem eine Kostentransparenz-Infografik versehentlich nur für drei von fünf Wallet-Farben (burgundy, black, grey) eingeführt wurde, ermöglicht die Untersuchung des Kausaleffekts auf Verkaufszahlen mit einer Difference-in-Differences (DiD)-Regression. Im Folgenden wird erläutert, wie DiD diesen Effekt identifiziert, welche Variation genutzt wird, welche Voraussetzungen gelten, was die „Parallel Trends“-Annahme bedeutet, warum ein einfacher Vergleich unzureichend ist und die Regressionsgleichung formuliert wird.
Kann DiD den Kausaleffekt identifizieren?
Ja, eine DiD-Regression kann den Kausaleffekt der Kostentransparenz auf Verkaufszahlen isolieren, indem sie die Verkaufsentwicklung der behandelten (transparente) und unbehandelten (nicht-transparente) Farben vor und nach der Infografik vergleicht, unter Berücksichtigung zeitlicher Trends und gruppenspezifischer Unterschiede.
Genutzte Variation
DiD nutzt die zeitliche und gruppenspezifische Variation durch die Einführung der Infografik bei drei Farben (burgundy, black, grey) Ende Januar. Die zufällige Nicht-Einführung bei bone und tan schafft eine quasi-zufällige Kontrollgruppe. Laut Huntington-Klein (2021) vergleicht DiD die Veränderung der Verkaufszahlen in der Behandlungsgruppe mit der der Kontrollgruppe, um den Behandlungseffekt zu isolieren.
Voraussetzungen für Kausalschätzung
Für eine valide DiD-Schätzung müssen laut Huntington-Klein (2021) folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Parallel Trends Annahme: Die Verkaufszahlen der behandelten und unbehandelten Farben hätten ohne Behandlung ähnliche Trends im Pre-Treatment-Zeitraum. Dies bedeutet, dass die Verkaufszahlen von burgundy, black und grey ohne Infografik ähnlich wie die von bone und tan verlaufen wären. Eine Verletzung dieser Annahme, z. B. durch farbspezifische saisonale Trends, würde die Ergebnisse verzerren.
Keine parallelen Behandlungen: Keine anderen Ereignisse (z. B. farbspezifische Werbung) dürfen die Verkaufszahlen während des Behandlungszeitraums unterschiedlich beeinflussen.
Stabile Gruppen: Die Farbzuweisung zu Behandlungs- und Kontrollgruppe bleibt konstant.
Kontrolle für Confounder: Störfaktoren wie Seitenaufrufe und Lagerbestände müssen kontrolliert werden.
Parallel Trends Annahme
Die Annahme impliziert, dass die Kontrollgruppe (bone, tan) den kontrafaktischen Verlauf der Behandlungsgruppe ohne Transparenz widerspiegelt. Sie ist nicht direkt überprüfbar, kann aber durch Pre-Treatment-Trends validiert werden, z. B. durch Vergleich der Verkaufszahlen vor der Infografik.
Warum ein einfacher Vergleich unzureichend ist
Ein Vergleich der Verkaufszahlen nach der Einführung ignoriert zeitliche Trends (z. B. saisonale Nachfrage) und farbspezifische Unterschiede, was zu Verzerrungen führt. DiD löst dies, indem es die Veränderung in der Kontrollgruppe als Baseline für den kontrafaktischen Verlauf der Behandlungsgruppe nutzt.
Regressionsgleichung
\(Y_{it} = \beta_0 + \beta_1 Treated_i + \beta_2 Post_t + \beta_3 (Treated_i \times Post_t) + \gamma_1 Views_{it} + \gamma_2 Inventory_{it} + \epsilon_{it}\)
Variablen:
\(Y_{it}\): Tägliche Verkaufszahlen für Farbe \(i\) an Tag \(t\).
\(Treated_i\): Dummy, 1 für transparente Farben (burgundy, black, grey), 0 sonst (bone, tan).
\(Post_t\): Dummy, 1 nach Infografik-Einführung, 0 davor.
\(Treated_i \times Post_t\): Interaktion, misst den DiD-Effekt.
\(Views_{it}\): Seitenaufrufe für Farbe \(i\) an Tag \(t\).
\(Inventory_{it}\): Lagerbestand für Farbe \(i\) an Tag \(t\).
\(\beta_0\): Konstante, Verkaufszahlen der Kontrollgruppe vor Behandlung.
\(\beta_1\): Unterschied zwischen Gruppen vor Behandlung.
\(\beta_2\): Zeitlicher Trend in der Kontrollgruppe.
\(\beta_3\): DiD-Effekt der Kostentransparenz.
\(\gamma_1, \gamma_2\): Koeffizienten für Kontrollvariablen.
\(\epsilon_{it}\): Fehlerterm.
Das Modell schätzt den Kausaleffekt der Kostentransparenz, wobei \(\beta_3\) die zusätzliche Veränderung der Verkaufszahlen der behandelten Farben nach der Infografik im Vergleich zur Kontrollgruppe misst. \(Treated_i\) und \(Post_t\) kontrollieren gruppen- und zeitspezifische Unterschiede, während \(Views_{it}\) und \(Inventory_{it}\) Verzerrungen durch Popularität und Verfügbarkeit minimieren. Das Modell ist valide, wenn die Parallel Trends Annahme und andere Voraussetzungen erfüllt sind.
Damit ist DiD geeignet den Kausaleffekt der Kostentransparenz zu identifizieren, indem es die exogene Variation des natürlichen Experiments nutzt. Die Parallel Trends Annahme ist zentral und erfordert Validierung durch Pre-Treatment-Daten. Die Regressionsgleichung mit Kontrollvariablen minimiert Verzerrungen und liefert eine präzise Schätzung, sofern keine parallelen Behandlungen vorliegen.
Experiment3.csv) in R ein. Nennen Sie den Datensatz
daten_exp3. Erstellen Sie eine Variable
log_units, die die logarithmierte Anzahl an verkauften
Einheiten darstellt.Erstellen Sie weiterhin eine passende Grafik, die die durchschnittliche Anzahl der verkauften Produkte je Treatment pro Woche abbildet. Fügen Sie weiterhin eine vertikale Linie für den 28. Januar 2014 in ihre Grafik ein, welche die Einführung der Kostentransparenz markiert.
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Grafik. Gehen Sie insbesondere auf die Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufszahlen in beiden Gruppen vor und nach dem 28. Januar ein. Gibt es visuelle Hinweise auf eine Wirkung der Kostentransparenz?
Hinweis: Für die Ableitung der Wochen aus dem Datumsformat
kann die Funktion isoweek() aus dem Paket
lubridate verwendet werden.
Die Grafik zeigt die durchschnittlich log-transformierten Verkaufszahlen pro Woche für die Treatmentgruppe und die Kontrollgruppe über einen Zeitraum von Dezember 2013 bis März 2014. Die vertikale gestrichelte Linie markiert den 28. Januar 2014, den Zeitpunkt der Einführung der Kostentransparenz-Infografik.
Entwicklung vor und nach dem 28. Januar
Vor dem 28. Januar:
Beide Gruppen zeigen im Zeitraum von Anfang Januar bis Mitte Januar ein vergleichbares Verlaufsmuster. Kurz vor der Einführung der Kostentransparenz steigt die Treatmentgruppe jedoch deutlich an – von einem Niveau um 4,0 auf über 5,5 Einheiten. Gleichzeitig sinkt die Kontrollgruppe stark ab, was zu einer zunehmenden Differenz zwischen den Gruppen führt.
Nach dem 28. Januar:
Unmittelbar nach der Einführung steigt die Kontrollgruppe kurzfristig deutlich an, während die Treatmentgruppe gleichzeitig einen markanten Rückgang verzeichnet. Der höchste Wert der Kontrollgruppe übersteigt dabei nicht einmal das Minimum der Treatmentgruppe nach der Einführung der Kostentransparenz, übertrifft.
Ab Mitte Februar kehrt sich das Bild: Die Treatmentgruppe zeigt einen klaren Aufwärtstrend und überschreitet in der Spitze ein Niveau von über 6 verkauften Einheiten. Die Kontrollgruppe hingegen fällt deutlich ab und erreicht ein Minimum von unter 3,5 Einheiten.
Ende März sinkt die Treatmentgruppe wieder leicht auf knapp unter 5 Einheiten, während die Kontrollgruppe eine leichte Erholung zeigt, jedoch mit insgesamt deutlich niedrigerem Niveau und nur moderater Aufwärtstendenz.
Visuelle Hinweise auf eine Wirkung der Kostentransparenz
Die Grafik deutet auf einen möglichen Effekt der Kostentransparenz hin. Der starke Anstieg der Treatmentgruppe ab Mitte Februar im Vergleich zur sinkenden Kontrollgruppe könnte auf einen positiven Einfluss der Infografik hindeuten. Der anfängliche Rückgang der Treatmentgruppe und der kurzfristige Anstieg der Kontrollgruppe könnten jedoch auf andere Faktoren (z. B. saisonale Schwankungen) zurückzuführen sein. Die spätere Divergenz der Trends unterstützt einen Behandlungseffekt, vorausgesetzt, die Parallel-Trends-Annahme gilt.
Interpretation im Rahmen eines Difference-in-Differences-Ansatzes
Annahme eines gleich starken Anstiegs vor der Einführung
Falls beide Gruppen vor dem 28. Januar einen gleich starken Anstieg der verkauften Einheiten zeigen würden, würde dies die „Parallel Trends“-Annahme eines DiD-Ansatzes stützen. Das würde bedeuten, dass externe Faktoren beide Gruppen gleich beeinflussten, und der spätere Anstieg der Treatmentgruppe ab Mitte Februar könnte als kausaler Effekt der Kostentransparenz interpretiert werden. Die Differenz zur Kontrollgruppe nach der Behandlung würde den Behandlungseffekt widerspiegeln. Eine Validierung der Parallel-Trends-Annahme durch Pre-Treatment-Daten wäre jedoch nötig, um diese Interpretation zu bestätigen, da der beobachtete Unterschied kurz vor der Einführung die Annahme infrage stellen könnte.
Hinweis: Für die Erstellung der Grafik können Sie sich an Aufgabe 7 und 9 orientieren.
Darstellung und Beschreibung der Grafiken
In der ersten Grafik wurde der durchschnittliche Absatz pro Tag für die Kontrollgruppe (ohne Kostentransparenz) und die Treatmentgruppe (mit Kostentransparenz) jeweils vor und nach Einführung der Infografik am 28. Januar 2014 dargestellt. Die Balken zeigen die Mittelwerte, ergänzt durch Standardfehlerbalken, um die Streuung und Unsicherheit der Schätzung visuell abzubilden.
Zusätzlich wurde eine zweite Grafik erstellt, die den täglichen Verlauf der Verkaufszahlen für beide Gruppen über die Zeit hinweg darstellt. Die gestrichelte rote Linie markiert den Stichtag der Einführung der Kostentransparenz. Diese zeitlich aufgelöste Darstellung ermöglicht es, den Verkaufsverlauf vor und nach der Intervention genauer zu verfolgen.
Entwicklung der Verkaufszahlen vor und nach Einführung der Kostentransparenz
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Treatmentgruppe bereits vor der Einführung der Kostentransparenz leicht über dem Niveau der Kontrollgruppe bewegte. Dieser Unterschied war mit einem Mittelwert von ca. 4.50 Einheiten (Treatment) gegenüber 4.04 Einheiten (Kontrolle) aber relativ gering.
Nach Einführung der Kostentransparenz zeigt sich ein deutlich stärkerer Unterschied: Die durchschnittlich verkauften Einheiten pro Tag in der Treatmentgruppe steigen auf 5.63, während die Kontrollgruppe bei 4.24 Einheiten verbleibt. Damit ergibt sich eine Differenz von ca. 1.39 Einheiten, was auf einen potenziellen kausalen Effekt der Transparenzmaßnahme hindeutet.
Die zeitliche Verlaufsgrafik stützt diese Interpretation: Während die Verkäufe der Kontrollgruppe nach der Infografik-Implementierung eher stabil bleiben oder leicht sinken, zeigt die Treatmentgruppe ab Februar einen deutlich sichtbaren Aufwärtstrend.
Erste Hinweise auf einen kausalen Effekt (im Sinne des natürlichen Experiments)
Die beschriebenen Effekte lassen sich mit der in Aufgabe 18 erläuterten Difference-in-Differences (DiD)-Logik deuten. Diese Methode basiert auf dem Vergleich der Differenzen zwischen den Gruppen vor und nach dem Eingriff. Die Voraussetzung hierfür ist die sog. Parallel-Trends-Annahme, die durch die relativ stabilen und ähnlichen Verkaufsentwicklungen der Gruppen vor der Intervention visuell gestützt wird (vgl. Verlaufsgrafik).
In diesem Kontext kann die Differenz zwischen Treatment- und Kontrollgruppe nach der Einführung der Kostentransparenz als Hinweis auf einen positiven Effekt der Maßnahme interpretiert werden. Zwar sind visuelle Vergleiche noch keine formale Kausalschätzung, sie liefern jedoch – in Kombination mit der zufälligen Zuweisung durch das Missgeschick – eine starke Grundlage für eine DiD-Analyse, wie in Aufgabe 19 bereits beschrieben und vorbereitet.
Fazit Die beiden Grafiken liefern konsistente und deutliche Hinweise auf einen positiven Effekt der Kostentransparenz-Infografik auf die Verkaufszahlen der Wallets. Während die Verkaufszahlen der Kontrollgruppe weitgehend stabil blieben, stiegen sie in der Treatmentgruppe signifikant an. In Verbindung mit der zufälligen Implementierung der Infografik (natürliches Experiment) und der Anwendung des DiD-Ansatzes ergibt sich ein robuster erster Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Transparenz und gesteigerter Kaufaktivität.
Für eine abschließende Bewertung wäre eine formale Regressionsanalyse mit Interaktionsterm – wie in Aufgabe 19 beschrieben – erforderlich. Die hier präsentierte deskriptive Analyse legt jedoch bereits eine substanzielle Wirkung der Maßnahme nahe.
Untersuchen Sie den Effekt der Einführung von Kostentransparenz auf die Verkaufszahlen mithilfe einer Difference-in-Differences Regression. Verwenden Sie hierfür Beobachtungen an Werktagen, sowie am Wochenende (Montag bis Sonntag), mit positiven Verkaufszahlen.
Erstellen Sie insgesamt zwei Regressionsmodelle:
Stellen Sie die Ergebnisse anschaulich dar. Beschreiben und interpretieren Sie Ihre Ergebnisse. Gehen Sie insbesondere auf folgende Aspekte ein.
treated:post erhalten haben?Hinweis 1: Nutzen Sie für die Schätzung die
feols()-Funktion aus dem fixest-Paket.
Hinweis 2: Nutzen Sie die logarithmierten täglichen Verkaufszahlen als abhängige Variable.
| Basismodell | Mit Wochentagskontrolle | |
|---|---|---|
| + p < 0.1, * p < 0.05, ** p < 0.01, *** p < 0.001 | ||
| (Intercept) | 1.285*** | 1.292*** |
| (0.049) | (0.075) | |
| treated | 0.105+ | 0.106+ |
| (0.063) | (0.063) | |
| post | 0.066 | 0.064 |
| (0.077) | (0.077) | |
| treated × post | 0.182+ | 0.182+ |
| (0.099) | (0.099) | |
| factor(weekday)Donnerstag | -0.098 | |
| (0.087) | ||
| factor(weekday)Freitag | 0.041 | |
| (0.089) | ||
| factor(weekday)Mittwoch | 0.120 | |
| (0.087) | ||
| factor(weekday)Montag | -0.004 | |
| (0.088) | ||
| factor(weekday)Samstag | 0.005 | |
| (0.089) | ||
| factor(weekday)Sonntag | -0.123 | |
| (0.089) | ||
| Num.Obs. | 470 | 470 |
| R2 | 0.060 | 0.081 |
| RMSE | 0.51 | 0.51 |
| Std.Errors | IID | IID |
Zielsetzung und methodischer Rahmen
Ziel der Analyse war es, den Effekt der Einführung einer Kostentransparenz-Infografik auf die Verkaufszahlen eines Produkts ökonometrisch zu untersuchen. Dazu wurde ein Difference-in-Differences (DiD)-Ansatz gewählt, der die Veränderung der Verkäufe in einer Behandlungsgruppe (Produkte mit Infografik) mit der in einer Kontrollgruppe (ohne Infografik) vergleicht – jeweils vor und nach der Einführung der Maßnahme. Es wurden zwei Modelle geschätzt:
ein Basismodell ohne Kontrollvariablen
ein erweitertes Modell mit Kontrolle für Wochentagseffekte.
In beiden Modellen wurde die logarithmierte Anzahl verkaufter Einheiten (log_units) als abhängige Variable verwendet.
Interpretation des zentralen Effekts (treated × post)
Der zentrale DiD-Koeffizient (treated × post) beträgt in beiden Modellen 0.182 und ist jeweils auf dem 10 %-Niveau signifikant (p < 0.1).
Dieser Koeffizient gibt den zusätzlichen Anstieg der logarithmierten Verkaufszahlen in der Treatmentgruppe nach Einführung der Transparenz an – relativ zur Kontrollgruppe. Da die abhängige Variable logarithmiert ist, lässt sich der Effekt wie folgt interpretieren:
exp(0.182)−1≈0.20=20% → Die Einführung der Kostentransparenz ist mit einem durchschnittlichen Anstieg der Verkäufe um etwa 20 % verbunden, relativ zur Kontrollgruppe und relativ zur Zeit davor.
Bedeutung der Verwendung von log_units als abhängige Variable
Die Verwendung der logarithmierten Verkaufszahlen bringt mehrere Vorteile mit sich:
Interpretierbarkeit in Prozent: Veränderungen lassen sich als prozentuale Effekte deuten, was ökonomisch oft intuitiver ist.
Reduktion von Heteroskedastizität: Da Verkaufszahlen typischerweise rechtsschief verteilt sind, hilft eine Log-Transformation, die Varianz zu stabilisieren.
Abmilderung extremer Ausreißer: Die Log-Transformation reduziert den Einfluss sehr großer Verkaufszahlen, was robuste Schätzungen unterstützt.
Rolle der Wochentagskontrollen und deren Effekt
Im erweiterten Modell wurden die einzelnen Wochentage als Faktoren (Dummy-Variablen) kontrolliert. Zwar zeigt keiner der Wochentagseffekte hohe Signifikanz, doch die Kontrolle sorgt dafür, dass systematische Unterschiede im Kaufverhalten je Wochentag (z. B. höhere Käufe am Wochenende oder zu Wochenbeginn) nicht fälschlich dem Treatmenteffekt zugeschrieben werden.
→ Die Stabilität des treated × post-Koeffizienten über beide Modelle hinweg spricht dafür, dass der Effekt robust ist – unabhängig davon, ob Wochentagseffekte berücksichtigt werden oder nicht.
Kausale Aussagekraft und mögliche Verzerrungen
Grundsätzlich erlaubt das zugrundeliegende natürliche Experiment – ausgelöst durch ein unbeabsichtigtes Versäumnis – unter Annahme der Parallel-Trends-Annahme eine kausale Interpretation des Effekts. Die stabile Verkaufsentwicklung beider Gruppen vor dem 28. Januar (vgl. Aufgabe 20 & 21) stützt diese Annahme visuell.
Mögliche Verzerrungsquellen bleiben dennoch:
Unbeobachtete farbspezifische Trends (z. B. plötzliche Modevorlieben)
Unterschiede in der Sichtbarkeit auf der Website
Verfügbarkeit oder Lagerbestand, falls nicht vollständig kontrolliert
Dennoch spricht die Konstanz des Effekts über verschiedene Modellvarianten hinweg dafür, dass der gemessene Effekt tatsächlich auf die Infografik zurückzuführen ist.
Handlungsempfehlung
Vor dem Hintergrund eines signifikanten, robusten und ökonomisch relevanten Effekts von rund +20 % auf die Verkäufe lässt sich eine klare Empfehlung zur Beibehaltung und möglichen Ausweitung der Kostentransparenz ableiten. Die Maßnahme scheint bei Kund:innen positiv anzukommen und ist offenbar in der Lage, das Vertrauen in das Produkt und den Anbieter zu erhöhen.
Fazit
Die ökonometrische Analyse bestätigt die deskriptiv gewonnenen Hinweise aus Aufgabe 21. Die Einführung der Kostentransparenz hatte einen signifikanten und substanziellen positiven Effekt auf die Verkaufszahlen. Die Schätzung des treated × post-Effekts im Rahmen eines Difference-in-Differences-Ansatzes – ergänzt um sinnvolle Kontrollvariablen – stützt die Hypothese, dass Kostentransparenz eine wirksame vertrauensbildende Maßnahme im Onlinehandel darstellt.
Mohan, B., Buell, R. W., & John, L. K. (2020). Lifting the veil: The benefits of cost transparency. Marketing Science, 39(6), 1105-1121. https://doi.org/10.1287/mksc.2019.1200
Im Rahmen von Mediationen ist der Mediator eine Variable, die den erklärenden Zusammenhang zwischen einer unabhängigen und einer abhängigen Variable vermittelt. Dabei wird untersucht, inwieweit der Einfluss der unabhängigen Variablen (z.B. Kostentransparenz) auf die abhängige Variable (z.B. Kaufabsicht) über einen vermittelnden Mechanismus - wie das Vertrauen der Kunden - erfolgt.
Mediatoreffekt: Der Mediatoren-Effekt, oft als ACME (Average Causal Mediation Effect) bezeichnet, beschreibt den indirekten Effekt, den die unabhängige Variable auf die abhängige Variable über den Mediator ausübt. Ist dieser Effekt signifikant, signalisiert dies, dass ein wesentlicher Teil des gesamten Einflusses über den vermittelnden Mechanismus läuft. Gleichzeitig kann ein nicht-signifikanter direkter Effekt (ADE - Average Direct Effect) darauf hindeuten, dass der Mediator den hauptsächlichen Erklärungsmechanismus darstellt.
Funktion und Wirkung des Mediators: Analog zum Konzept der signalgebenden Funktion bei Statussymbolen - deren Wert unter anderem von der Exklusivität und dem sozialen Kontext abhängt - fungiert der Mediator als vermittelnder Kanal, der erklärt, wie und warum der ursprüngliche Zusammenhang zwischen zwei Variablen zustande kommt. Der Mediator „überträgt“ quasi den Effekt der unabhängigen Variable auf die abhängige Variable. Dadurch kann in Modellen, in denen der direkte Zusammenhang zwischen der unabhängigen und der abhängigen Variable durch die Einbeziehung des Mediators verschwindet oder abgeschwächt wird, abgeleitet werden, dass der Mechanismus über den Mediator läuft. Dies ermöglicht ein tieferes Verständnis der zugrundeliegenden psychologischen Prozesse - etwa wie das Vertrauen der Kunden die Wirkung von Kostentransparenz auf deren Kaufabsicht vermittelt.
Zusammengefasst spielt der Mediator eine zentrale Rolle bei der Aufklärung der kausalen Mechanismen, indem er als vermittelnder Faktor zwischen Ursache und Wirkung identifiziert wird. Die signifikante Vermittlung über den Mediator zeigt, dass nicht allein das Vorhandensein von Kostentransparenz entscheidend ist, sondern auch, inwiefern diese Transparenz das Vertrauen stärkt - was wiederum maßgeblich die Kaufabsicht beeinflusst. So liefert die Mediationsanalyse wertvolle Einsichten, die über einfache bivariate Zusammenhänge hinausgehen und die Komplexität kausaler Mechanismen innerhalb von sozialen oder marktorientierten Prozessen sichtbar machen.