Motivation
Die Land- und Forstwirtschaft prägt nicht nur unsere Kulturlandschaft, sondern ist auch ein fundamentaler Pfeiler unserer Volkswirtschaft. Sie sichert unsere Ernährung und versorgt uns mit wichtigen Rohstoffen. Doch dieser Sektor steht heute im Spannungsfeld zweier großer Herausforderungen: Einerseits milliardenschwere staatliche Subventionen, die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit sichern sollen, und andererseits steigende Produktionskosten, volatile Märkte und strukturelle Anpassungszwänge, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Betriebe gefährden.
Datengrundlage
In diesem Projekt werden Sie anhand von aktuellen Daten des Bundesministeriums, der EU-Kommission (GAP-Zahlungen) und statistischer Ämter die ökonomischen Dimensionen dieser Entwicklungen genau untersuchen. Sie werden analysieren, wie Subventionen verteilt werden, welche Betriebstypen und Regionen besonders abhängig von Förderungen sind und welche wirtschaftlichen Effekte daraus entstehen. Der Fokus liegt dabei sowohl auf der gesamtwirtschaftlichen Perspektive als auch auf spezifischen Teilsektoren - etwa der Forstwirtschaft als Fallstudie für strukturelle Transformation und Kostenentwicklung.
Ihre Aufgabe ist es, durch fundierte datengestützte Analysen Licht ins Dunkel dieser komplexen Zusammenhänge zu bringen. Sie werden die Effektivität von Förderinstrumenten kritisch hinterfragen, Verteilungswirkungen quantifizieren und die realen volkswirtschaftlichen Kosten des aktuellen Subventionssystems bewerten. Auf Basis Ihrer Erkenntnisse können Sie fundierte Handlungsempfehlungen ableiten, die für Politik, Agrarverbände und Unternehmen von entscheidender Bedeutung sind, um die deutsche Land- und Forstwirtschaft effizienter, wettbewerbsfähiger und wirtschaftlich zukunftsfähig zu gestalten.
- Verschaffen Sie sich in einem ersten Schritt einen Überblick über die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft. Dies hilft Ihnen, die Relevanz der staatlichen Förderungen und die potenziellen Kosten besser einzuordnen. Führen Sie eine Recherche durch, um die folgenden makroökonomischen Kennzahlen für das Jahr 2024 zu ermitteln. Beantworten Sie die folgenden Fragen in Textform und geben Sie für jede Information die exakte Quelle an.
- EU-Agrarsubventionen:
- Wie hoch ist das Gesamtbudget für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU für Gesamteuropa?
- Welchen Betrag davon erhält Deutschland?
- Wirtschaftliche Bedeutung (Bruttoinlandsprodukt - BIP):
- Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Land- und Forstwirtschaft am BIP der gesamten EU?
- Wie hoch ist der entsprechende Anteil am BIP Deutschlands?
- Bedeutung für den Arbeitsmarkt:
- Welcher prozentuale Anteil aller Erwerbstätigen in der EU ist im Sektor Land- und Forstwirtschaft beschäftigt?
- Welcher prozentuale Anteil ist es in Deutschland?
GAP-Budget auf EU-Ebene und in Deutschland
Im Jahr 2024 belief sich das Gesamtbudget für die GAP für
Gesamteuropa auf ca. 56,2 Mrd.€.1
Davon entfielen 5,96 Mrd.€ auf
die Förderung der Landwirtschaft in Deutschland.2
wirtschaftliche Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft in der EU und in Deutschland
Der primäre Sektor (Land-& Forstwirtschaft sowie
Fischereiwirtschaft) machte 2024 1,6% des EU-BIPs aus3, während der Anteil, der nur auf
die Landwirtschaft entfällt, sich auf 1,2% belief.4 Somit betrug der Anteil der Land-
und Forstwirtschaft am BIP der gesamten EU 2024 1,2% bis 1,6%.
In
Deutschland lag der Anteil des primären Sektors 2024 bei 1%. Demnach lag
in diesem Jahr der Anteil von Land-& Forstwirtschaft in Deutschland
bei maximal 1% des BIP.5
Anmerkung: Daten zum Anteil von ausschließlich der Land-&
Forstwirtschaft waren nicht verfügbar.
Bedeutung für den europäischen bzw. deutschen Arbeitsmarkt
2024 waren 3,17% aller in der EU Erwerbstätigen im primären Sektor
beschäftigt.6
In
Deutschland belief sich der Anteil der Erwerbstätigen im primären Sektor
auf nur 1,2%.7
Einlesen
Für die Politik und die Wirtschaft ist es von entscheidender Bedeutung zu verstehen, wie sich der strukturelle Wandel, bestehend aus steigenden Produktionskosten, globalen Handelskonflikten, technologischem Wandel und veränderten Marktbedingungen, auf die Erträge, Kosten und die Struktur des gesamten Sektors auswirkt. Um diese komplexen Zusammenhänge zu beleuchten, sollen Sie nun die nachfolgenden Datensätze und Berichte genauer analysieren.
- Lesen Sie den Datensatz
Subventionen.csvaus ihremDaten-Ordner ein und speichern Sie diesen alssubventionen_gesamtab.
Der Datensatz enthält für jeden Begünstigten (z.B. einen Landwirt oder ein Unternehmen) oft mehrere Beobachtungen in unterschiedlichen Zeilen. Dies liegt daran, dass für jede erhaltene Fördermaßnahme eine eigene Zeile existiert. Der Datensatz ist aktuell nicht für eine Analyse auf Ebene des Begünstigten passend, da die Informationen zu den verschiedenen Fördertöpfen untereinander stehen, weshalb der Datensatz nun in ein Wide-Format umgewandelt werden soll. Passen Sie den Datensatz so an, dass die unterschiedlichen Fördertöpfe (EGFL, ELER, Nationale_Kofinanzierung) die Spalten darstellen. Tragen Sie in die Zellen die jeweiligen Gesamtbeträge ein, die ein Begünstigter aus dem entsprechenden Topf im jeweiligen Jahr erhalten hat.
Erstellen Sie anschließend eine neue Spalte namens
Förderbetrag_berechnet. Diese Spalte soll für jeden
Begünstigten die Summe aus den Werten der Spalten
EGFL_Förderbetrag, ELER_Förderbetrag und
Nationale_Kofinanzierung enthalten.
Recherchieren Sie die Bedeutung der drei Hauptfördertöpfe EGFL, ELER und Nationale Kofinanzierung. Erklären Sie anschließend kurz in Ihren eigenen Worten, wofür diese Fonds stehen und wie sie sich in ihren Förderzielen und Maßnahmen unterscheiden.
Hinweis 1: Die Datei Subventionen.csv.zip
enthält die Subventionen.csv in gezippter Form um diese in
GitHub hochladen zu können. Sie können die entzippte Datei nicht auf
GitHub pushen, sondern immer nur Subventionen.csv.zip.
Hinweis 2: Für die Recherche können die Seiten des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) oder der EU-Kommission hilfreich sein.
Hinweis 3: Die Daten haben wir für Sie entsprechend aufbereitet. Die Ursprungsdaten können Sie auf der folgenden Webseite finden.
1. Hauptfördertopf: EGFL
EGFL steht für “Europäischer Garantiefonds für die Landwirtschaft”
und bildet die 1. Säule der GAP. Mittel aus diesem Fonds fließen
großteils in Direktauszahlungen an die Landwirt:innen, werden aber auch
für Agrarmarktmaßnahmen, wie beispielsweise Absatzförderungen für
Agrarerzeugnisse, verwendet. Das Ziel dieses Fonds ist es, eine
Einkommenssicherung für die Landwirtschaft bereitzustellen, da
Agrarprodukte stark im Preis schwanken können. Die Zahlungen aus diesem
Fonds werden entsprechend der landwirtschaftlichen Fläche ausgezahlt
(Hektarprämien).
2. Hauptfördertopf: ELER
Die 2. Säule der GAP bildet der ELER, also der Europäischen
Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Wie der
Name schon sagt soll der ländliche Raum finanziell gestützt und
gefördert werden, insbesondere hinsichtlich Umwelt-, Klimaschutz- und
Tierschutzmaßnahmen, die in Europa vergleichsweise hohe Auflagen mit
sich bringen und deshalb hohe Kosten verursachen. Ziel dieses Fonds ist
es also, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft in
Einklang mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu bringen.
3. Hauptfördertopf: nationale Kofinanzierung
Während der EGFL vollständig aus dem EU-Haushalt finanziert wird, fließen neben EU-Mitteln auch Zahlungen aus den nationalen Bundeshaushalten der EU-Staaten in den ELER. Dies nennt man nationale Kofinanzierung. Die Gelder, die einem EU-Staat im Rahmen des ELER zur Verfügung stehen, setzen sich also aus nationalen Finanzmitteln sowie Geldern aus dem EU-Haushalt zusammen. Die Staaten sind verpflichtet, die EU-Gelder im Rahmen der nationalen Kofinanzierung aufzustocken, mit dem Ziel, die Entwicklung des ländlichen Raums zu fördern.
Nachdem Sie die Daten zu den Subventionen aufbereitet haben, wenden Sie sich nun den zentralen Daten der Waldbrandstatistiken zu. Um später die ökonomischen Folgen von Produktionsrisiken und strukturellen Belastungen analysieren zu können, ist es wichtig, auch diese Daten vorab aufzubereiten und in ein wide Format zu bringen, welches für die Folgeanalysen erforderlich ist.
- Lesen Sie den Datensatz
Waldbrände_gesamt.csvein und speichern diesen alswaldbraende_gesamtab. In diesem Datensatz erhalten Sie eine Übersicht, wie viele Waldbrände monatlich in einem Bundesland (und in Deutschland gesamt) auftreten und welche Fläche dabei gebrannt hat. Der Datensatz liegt aktuell noch im long-Format vor. Transformieren Sie den Datensatz so, dass Sie pro Region und Monat eine Beobachtung haben. Erstellen Sie dabei separate Spalten für dieAnzahlder Brände und die verbrannteFläche(in Hektar). Benennen Sie abschließend die Spalten für die Gesamtbrände inGesamtmonatlich_AnzahlundGesamtmonatlich_haum.
Hinweis: Auch für diese Aufgabe haben wir die Daten für Sie aufbereitet. Die Originaldaten können Sie auf der folgenden Webseite finden.
- In einem weiteren Datensatz haben Sie nun aggregierte Jahreswerte zu
Ursachen, Kosten und Präventionsmaßnahmen von Waldbränden auf
Bundeslandebene (einschließlich Gesamtdeutschland). Lesen Sie hierzu den
Datensatz
Waldbrände_Übersicht.csvein und speichern diesen alswaldbraende_informationab. Fügen Sie anschließend die beiden Datensätzewaldbraende_gesamtundwaldbraende_informationzu einem großen Datensatzwaldbraendezusammen. Verwenden Sie die VariablenRegionundJahrals Schlüssel für ihrenJoin.
Beantworten Sie anschließend die Frage, welche Art von “Join” sich in diesem Fall anbietet und warum?
Hinweis: Der Datensatz waldbraende ist nun ihr
Hauptdatensatz, der als Grundlage für die Analysen zu Waldbränden und
deren Faktoren dient.
Der left_join ist in diesem Fall geeignet, um den Datensatz zusammenzufügen, da wir die Beobachtungen für ein bestimmtes Jahr in einer bestimmten Region (also einem bestimmten Bundesland) aus beiden Datensätzen in waldbraende speichern wollen.
Konsistenzcheck
Nachdem Sie im ersten Teil die Rohdaten aufbereitet haben, folgt nun die Validierung und erste deskriptive Analysen. In einem primären Schritt ist es das Ziel, die Struktur der Fördergelder zu verstehen, Ungereimtheiten in den Daten aufzudecken und erste ökonomische Muster im Kontext der Landwirtschaft zu erkennen.
- In Ihrem aufbereiteten Datensatz
subventionen_gesamthaben Sie nun eine Spalte mit dem angegebenen Gesamtbetrag (Förderbetrag_gesamt) pro Begünstigtem und eine Spalte mit Ihrer eigenen Berechnung (Förderbetrag_berechnet). Sie möchten nun überprüfen, ob Ihre eigene Summierung der Einzelbeträge mit den ausgewiesenen Gesamtsummen übereinstimmt.
Aggregieren Sie dafür Ihre Daten auf Ebene der Bundesländer unabhängig der einzelnen Jahre 2023 und 2024. Erstellen Sie eine übersichtliche Tabelle, die für jedes Bundesland die folgenden Spalten enthält:
- Die Summe der in den Originaldaten ausgewiesenen Gesamtbeträge pro Begünstigten (Förderbetrag_gesamt).
- Die Summe aus den beiden zuvor berechneten Spalten (Förderbetrag_berechnet).
- Die absolute Abweichung zwischen diesen Förderbeträgen.
Achten Sie dabei auf eine ansprechende Darstellung mithilfe der Pakete kableExtra oder gt. Sortieren Sie die Tabelle absteigend nach der Summe laut Originaldaten. Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle. Gehen Sie bei der Interpretation insbesondere auf folgende Fragen ein:
- In welchen Bundesländern ist die absolute Summe der “unerklärten” Differenzen am größten?
- Sofern es zu Differenzen kommt, erklären Sie, warum es überhaupt dazu kommt, obwohl die Daten aus einer offiziellen Quelle stammen.
- Wodurch können die Unterschiede begründet sein?
| Konsistenzcheck der aggregierten Fördersummen | |||
| ausgezahlte Fördersummen in 2023 & 2024 | |||
| Bundesland | Originaldaten (in Mio. €) | selbst berechnet (in Mio. €) | Differenz (in Mio. €) |
|---|---|---|---|
| Bayern | 1 421,23 | 1 286,81 | 134,42 |
| Niedersachsen | 966,03 | 939,27 | 26,76 |
| Baden-Württemberg | 683,39 | 613,81 | 69,58 |
| Nordrhein-Westfalen | 633,84 | 594,13 | 39,71 |
| Sachsen-Anhalt | 598,78 | 552,65 | 46,13 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 598,51 | 569,97 | 28,54 |
| Brandenburg | 598,36 | 564,37 | 33,99 |
| Sachsen | 475,95 | 446,33 | 29,62 |
| Thüringen | 425,68 | 392,95 | 32,73 |
| Schleswig-Holstein | 399,57 | 370,23 | 29,34 |
| Hessen | 335,00 | 320,41 | 14,59 |
| Rheinland-Pfalz | 323,47 | 293,27 | 30,20 |
| Saarland | 34,71 | 31,22 | 3,49 |
| Hamburg | 7,40 | 7,23 | 0,17 |
| Berlin | 6,35 | 5,47 | 0,88 |
| Bremen | 4,87 | 4,40 | 0,47 |
| Quelle: https://www.agrarzahlungen.de/agrarfonds/bs | |||
Hinweis Für die Recherche und Beantwortung der Unterschiede können Sie folgenden Seiten als Augangslage nutzen: European Council und European Commission
generelle Beschreibung der Tabelle
Die Tabelle zeigt die Summe der GAP-Förderbeträge, die 2023 und 2024
(zusammen) an die entsprechenden Bundesländer ausgezahlt wurden. Dabei
muss zwischen der Gesamtsumme (Spalte Originaldaten), die in
den Originaldaten ausgewiesen wurde, und der Summe aus den drei
Fördertöpfen EGFL, ELER und der nationalen Kofinanzierung, die im Rahmen
eines Konsistenzchecks separat aufaddiert wurden (Spalte selbst
berechnet), unterschieden werden. Die Zahlungen sind dabei
absteigend nach dem Gesamtförderbetrag, den ein Bundesland in den
vergangenen beiden Jahren erhalten hat, sortiert.
Bemerkenswert ist,
dass sich zwischen diesen Summen, die bei konsistenter und korrekter
Ausweisung der Daten identisch sein sollten, erhebliche Differenzen in
meist zweistelliger Millionenhöhe ergeben. Diese sind stets positiv;
demnach ist der aggregierte Gesamtförderbetrag stets geringer als der im
Datensatz bereits ausgewiesene. Die größten Differenzen ergeben sich
dabei in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.
Ursache der Differenzen
Die Differenzbeträge sind zu groß, um sie auf Rundungsdifferenzen
zurückführen zu können. Vielmehr könnte es daran liegen, dass nicht alle
Beträge, die für die Berechnung der “originalen” Gesamtsumme in
Förderbetrag_gesamt genutzt wurden, in den Spalten
EGFL_Förderbetrag, ELER_Förderbetrag und
Nationale_Kofinanzierung dokumentiert wurden. Fehlen in diesen
drei Spalten einige Beträge, kann die Summe dann logischerweise nicht
dem in Förderbetrag_gesamt ausgewiesenen Betrag entsprechen.
Hintergrund der Abweichungen: Altmaßnahmen und Kofinanzierung
Den Quellen ist zu entnehmen, dass es für die GAP-Finanzierung
verschiedene Förderperioden gibt. Die aktuelle Periode läuft von
2023-2027. Die Landwirt:innen bekommen die Gelder im Rahmen von
bestimmten Programmen bzw. Maßnahmen ausgezahlt, die jeweils einer
Förderperiode zuzuordnen sind. Es ist allerdings möglich, Gelder, die
einem Programm aus der vorherigen Förderperiode (sog. “Altmaßnahmen”)
zuzuordnen sind, erst Jahre später ausgezahlt werden.
Genauer gesagt
werden die Altmaßnahmen-Ansprüche im Rahmen der nationalen
Kofinanzierung ausgezahlt. Im vorliegenden Datensatz werden sie zwar im
Gesamtbetrag der Originaldatei - Förderbetrag_gesamt -
ausgewiesen, jedoch nicht in der Spalte
Nationale_Kofinanzierung. In letzterer werden also lediglich
die national kofinanzierten Mittel aufgeführt, die für Programme aus der
aktuellen Förderperiode ausgezahlt wurden. Zahlungen
aus Programmen vergangener Perioden (Altmaßnahmen) werden darin jedoch
nicht berücksichtigt.
Dieser Argumentationslinie folgend wurden
2023 und 2024 allein in Bayern Ansprüche aus Altmaßnahmen in Höhe von
rund 135 Mio.€ als nationale Kofinanzierung ausgezahlt. Dementsprechend
waren Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt die Länder, in denen
2023 und 2024 die meisten Zahlungen aus Altmaßnahmen realisiert
wurden.
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Auch die Differenzen zwischen den einzelnen Ländern sind eine
Erwähnung wert. Dass in Bayern die größte Differenz von ca. 134 Mio.€
ausgewiesen wird, während in Bremen beispielsweise die Abweichung nicht
einmal 0,5 Mio.€ beträgt, ist nicht weiter verwunderlich, da Bayern
insgesamt deutlich mehr Subventionen für die Landwirtschaft erhält als
Bremen, was an der absteigenden Sortierung der Tabelle nach
Gesamtförderbeträgen erkennbar ist. Die unterschiedliche Höhe der
Gesamtförderung lässt sich auf die unterschiedlich starke Ausprägung der
Landwirtschaft in den verschiedenen Bundesländern zurückführen.
Allerdings würde man erwarten, dass die drei Länder, die in den
vergangenen beiden Jahren die höchsten Subventionszahlungen erhalten
haben - in unserem Fall also Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg
- auch die größten absoluten Differenzen aufzuweisen haben. Das würde
nahelegen, dass Zahlungen aus Altmaßnahmen in jedem Bundesland den
gleichen Anteil an den Gesamtförderbeträgen ausmachen. Dem ist
allerdings nicht so, da in Sachsen-Anhalt eine deutlich höhere Differenz
zwischen den ausgewiesenen und den selbst berechneten Förderbeträgen
besteht, obwohl es weniger Subventionen bekommt als Niedersachsen oder
Nordrhein-Westfalen, bei denen die Abweichung geringer ausfällt. Demnach
entfiel 2023 und 2024 in Sachsen-Anhalt ein größerer Anteil der
Gesamtförderbeträge auf Zahlungen aus Altmaßnahmen als in NRW oder
Niedersachsen. Das könnte sich damit erklären lassen, dass in
Sachsen-Anhalt die ELER-Zahlungen (2. Säule) einen größeren Anteil an
den Gesamtförderbeträgen ausmachen als in Niedersachsen und NRW, da
Altmaßnahmen dem ELER-Fonds zuzuordnen sind. Ein größerer Anteil der
ELER-Förderung an der Gesamtförderung eines Bundeslandes führt dann sehr
wahrscheinlich zu einem größeren Anteil an Altmaßnahmen-Zahlungen und
deshalb auch zu einer größeren Differenz in den Daten.
Anmerkung: Zusätzlich zu den beiden oben genannten wurde zur Beantwortung der Fragen noch die FAQ-Seite zu den Agrarzahlungen der BLE verwendet.8
Deskriptive Analysen - Landwirtschaft im Spannungsfeld von Förderung und finanziellen Herausforderungen
- Zu Beginn sollen Sie sich einen ersten konkreten Überblick über die
Empfängerstruktur verschaffen. Es ist wichtig zu verstehen, welche Art
von Akteuren sich hinter diesen Zahlen verbergen. Ihre Aufgabe ist es,
eine Tabelle mit ihrem Datensatz
subventionen_gesamtzu erstellen, die die 6 Begünstigten mit den höchsten und die 6 Begünstigten mit den niedrigsten Gesamtfördersummen (Förderbetrag_gesamt) im Haushaltsjahr 2024 zeigt.
Die Tabelle soll folgende Informationen enthalten:
- Name des Begünstigten,
- Gesamtfördersumme,
- Postleitzahl,
- Gemeinde,
- Bundesland
Beschreiben und interpretieren Sie anschließend die Tabelle. Gehen Sie dabei auf folgende Fragen ein:
- Was ist eine Beobachtung in Ihrem Datensatz
subventionen_gesamt? - Was fällt Ihnen beim Vergleich der Top-6- und der Niedrigste-6-Empfänger besonders auf?
- Welche Rolle spielt die Forstwirtschaft unter den Subventionsempfängern?
| Empfängerstruktur der Agrarsubventionen | ||||
| Empfänger der sechs höchsten bzw. niedrigsten Förderbeträge im Haushaltsjahr 2024 | ||||
| Begünstigter | PLZ | Gemeinde | Bundesland | Gesamtfördersumme (in €) |
|---|---|---|---|---|
| Top 6 Empfänger | ||||
| Landesbetr. f.Hochwasserschutz u. Wasserwirtsch. (LHW) | 39104 | Magdeburg, Landeshauptstadt | Sachsen-Anhalt | 37 149 868,42 |
| Landesbetrieb für Küstenschutz Nationalpark u Meeresschutz | 25813 | Husum, Stadt | Schleswig-Holstein | 17 070 234,73 |
| Land Mecklenburg-Vorpommern Ministerium für | 19061 | Schwerin, Landeshauptstadt | Mecklenburg-Vorpommern | 13 243 166,07 |
| Landesamt für Umwelt (LfU) | 14476 | Potsdam, Stadt | Brandenburg | 7 892 895,63 |
| Landgard Obst + Gemüse GmbH + Co. KG | 47638 | Straelen, Stadt | Nordrhein-Westfalen | 3 825 087,21 |
| Landesforst Mecklenburg-Vorpommern | 17139 | Malchin, Stadt | Mecklenburg-Vorpommern | 3 795 238,63 |
| Flop 6 Empfänger | ||||
| Kleinempfänger | 04886 | Arzberg | Sachsen | 55,51 |
| Kleinempfänger | 96482 | Ahorn | Bayern | 48,80 |
| Kleinempfänger | 97753 | Karlstadt, St | Bayern | 36,45 |
| Kleinempfänger | 29468 | Bergen an der Dumme, Flecken | Niedersachsen | 36,43 |
| Kleinempfänger | 02894 | Vierkirchen | Sachsen | 26,45 |
| Kleinempfänger | 97348 | Markt Einersheim, M | Bayern | 25,48 |
Beobachtungen im Datensatz
Die Tabelle wurde auf das Jahr 2024 nach dem Begünstigten gefiltert,
sodass jede gezeigte Zeile alle Subventionen die der jeweilige Empfänger
2024 erhalten hat darstellt.
Eine Beobachtung in subventionen_gesamt ist das “Förderprofil” eines Begünstigten in einem bestimmten Haushaltsjahr. Dieses setzt sich aus den Angaben zu den Förderbeträgen (EGFL, ELER, nationale Kofinanzierung und der gesamte Förderbetrag aus den Originaldaten) zusammen.
Auffälligkeiten beim Vergleich:
Es fällt sofort auf, dass die Emfänder mit den niedrigsten Beträgen nur unter “Kleinempfänger” aufgeführt werde, was daran liegt, dass alle Empfänger, die in einem Haushaltsjahr nicht mehr als 1.250€ erhalten, unter diesem Namen aufgeführt werden. Weiterhin ist offensichtlich, dass die Subventionen wurden stark ungleich aufgeteilt wurden - Top Empfänger erhalten mehrere Millionen Euro, während die geringsten Auszahlungen gerade einmal zweistellige Beträge umfassen. Aus der Tabelle wird auch deutlich, dass sich auch schon unter den Top 6 Empfängern große Unterschiede in der Fördersumme ergeben. Während der Empfänger mit dem zweitgrößten Förderbetrag ca. 17 Mio.€ erhält, bekommt der Top-Empfänger mehr als das Doppelte. Verglichen mit dem sechsthöchsten Betrag wird dem Spitzenreiter sogar fast das zehnfache ausgezahlt. Es gibt also einige wenige Begünstigte, die extrem hohe Beträge, d.h. im zweistelligen Millionenbetrag, erhalten. Darüber hinaus fällt auf, dass die größten Beträge an Institutionen von Bundesländern gehen, also beispielsweise an Landesbetriebe, Landesämter oder im Fall von Mecklenburg-Vorpommern sogar direkt ans Land. Dabei sitzen vier der sechs größten Empfänger in Ostdeutschen Bundesländern, während dies bei den Kleinempfängern lediglich bei zwei Empfängern der Fall ist.
Somit lässt sich schließen, dass die Kleinempfänger im Vergleich zu den Großempfängern stark benachteiligt sind.
Welche Rolle die Forstwirtschaft unter den Subventionsempfängern spielt
Die Forstwirtschaft spielt unter den Top-Empfängern eine eher untergeordnete Rolle im Vergleich zu wasserwirtschaftlichen Betrieben, jedoch ist mit Landesforst Mecklenburg-Vorpommern die Branche durchaus vertreten, weshalb die Forstwirtschaft keine unwichtige Rolle unter den Subventionsempfängern spielt.
Die obersten Plätze (Hochwasserschutz, Landesamt für Umwelt) sind öffentliche Stellen, die zwar Aufgaben im Natur und Landschaftsschutz erfüllen, jedoch nicht direkt in der Forstwirtschaft tätig sind. Die Forstwirtschaft profitiert somit hauptsächlich von den Mitteln der 2. Säule und nicht von den flächengebundenen Direktzahlungen der 1. Säule, was ihren hohen Rang in dieser Liste erklärt, da die größten ELER Projekte oft über Landesbetriebe abgewickelt werden.
- Sie sollten sich im ersten Schritt einen Überblick über ihre Daten
und deren Verteilung verschaffen. Auf Basis des Datensatzes
subventionen_gesamtsollten Sie eine deskriptive Tabelle mit der Anzahl an Beobachtungen (ohne fehlende Werte), den Mittelwerten, den Standardabweichungen, dem Median sowie den Minima und Maxima für folgende Variablen erstellen:
- EGFL_Förderbetrag,
- ELER_Förderbetrag,
- Nationale_Kofinanzierung,
- Förderbetrag_gesamt,
- Förderbetrag_berechnet
Achten Sie auch hier auf eine ansprechende Darstellung der Tabelle. Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle. Gehen Sie insbesondere auf die Verteilungen der einzelnen Variablen ein. Was fällt hier besonders auf?
| Deskriptive Statistik der Subventionsbeträge von 2023 und 2024 | ||||||
| Mittelwert, Median und Verteilung der wichtigsten Fördertöpfe | ||||||
| Anzahl | Mittelwert (€) | Median (€) | Std. Abweichung | Min (€) | Max (€) | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| EGFL Förderbetrag | 288 334,00 | 18 075,44 | 7 256,10 | 51 772,29 | 0,00 | 6 345 377,21 |
| ELER Förderbetrag | 288 334,00 | 5 818,06 | 560,53 | 87 094,53 | −839,89 | 28 223 328,68 |
| Nationale Kofinanzierung | 288 334,00 | 357,98 | 0,00 | 2 362,96 | 0,00 | 644 950,72 |
| Gesamte Fördergelder (Original) | 288 334,00 | 26 057,11 | 10 011,80 | 132 233,18 | 0,07 | 37 149 868,42 |
| Gesamte Fördergelder (Berechnet) | 288 334,00 | 24 251,48 | 9 515,18 | 104 736,93 | 0,00 | 28 223 328,68 |
Es ist leicht erkennbar, dass bei allen Fördertöpfen eine große
Differenz zwischen Mittelwert und Median vorhanden ist.
Besonders
extrem fällt der Unterschied beim ELER-Förderbetrag aus. Hier liegt der
Median bei nur 560,53€, der Mittelwert jedoch mit 5.818,06€ beim
zehnfachen des Medians. Konkret bedeutet das, dass 50% der Empfänger von
ELER-Zahlungen maximal 560,53€ erhalten, obwohl der durchschnittliche
ELER-Förderbetrag pro Jahr 5.818,06€ beträgt.
Der arithmetische
Mittelwert wird also durch eine kleine Zahl von Großempfängern nach oben
gezogen. Dies impliziert für alle Fördertöpfe sowie die Gesamtbeträge
eine stark rechtsschiefe Verteilung.
Streuung der Daten
Darüber hinaus ist die Standardabweichung bei allen Fördertöpfen ein Vielfaches des Mittelwerts, was auf eine starke Streuung der Zahlungen hindeutet. Der große Spread, also die Differenz zwischen den maximalen und minimalen Beträgen der Fördertöpfen ist ebenfalls ein Indiz dafür. In unserem Fall kommt die Streuung durch die Ausreißer nach oben zustande und bestätigt die Schiefe der Verteilung.
weitere Auffälligkeiten
Sehr wichtig ist ebenfalls der negative Minimalwert im
ELER-Fördertopf. Es handelt sich hierbei um eine bzw. mehrere Einnahmen
für den ELER-Fördertopf. Eine mögliche Erklärung hierfür wären
Rückforderungen, die zustande kommen, wenn festgestellt wird, dass die
Landwirte die Kriterien für eine Fördermaßnahme doch nicht erfüllen und
das bereits ausgezahlte Geld wieder zurückzahlen müssen.
Auffällig
ist auch der verhältnismäßig geringe Anteil der nationalen
Kofinanzierung an den Gesamtförderbeträgen sowie die geringe Anzahl an
Empfängern.
Gesamtförderbeträge
Auch die beiden Gesamtförderbeträge sind eine nähere Betrachtung wert. Der berechnete Gesamtförderbetrag liegt unter dem in den Originaldaten ausgewiesenen, sowohl wenn man die Mittelwerte betrachtet als auch bei den Minima bzw. Maxima. Dass die durchschnittlichen Gesamtförderbeträge voneinander abweichen, liegt wie oben bereits erwähnt wahrscheinlich daran, dass durchschnittlich noch ca. 1800€ aus Programmen der vorigen Förderperiode ausgezahlt werden. In der Durchschnittsbetrachtung spielt die Auszahlung aus Altmaßnahmen also keine zentrale Rolle. Dem Empfänger des größten Förderbetrages wurden 2023 oder 2024 allerdings cicra 9 Mio.€ mehr ausgezahlt als in den einzelnen Fördertöpfen angegeben. Es könnten sich hierbei also um Zahlungen aus Altmaßnahmen handeln.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich dagen, dass die Agrarförderung durch eine starke Konzentration der Mittel auf die großen Akteure gekennzeichnet ist, wobei insbesondere die ELER-Mittel an ein paar wenige Empfänger fließen. Dies ist bei allen Förderquellen der Fall und spiegelt sich somit auch in den Gesamtbeträgen wieder.
Die bisherigen Analysen haben Ihnen einen Überblick über die Gesamtstruktur der Agrarförderung in den Jahren 2023 und 2024 verschafft. Um die regionalen Unterschiede und die Finanzierungslogik besser zu verstehen, ist es nun sinnvoll, sich zunächst intensiv mit einem einzelnen Jahr auseinanderzusetzen. Konzentrieren Sie sich daher in der folgenden Aufgabe auf das Haushaltsjahr 2023 und analysieren Sie die detaillierte Zusammensetzung der Fördergelder auf Bundeslandebene. Diese Bestandsaufnahme ermöglicht es Ihnen später, in Aufgabe 9 systematisch Veränderungen zwischen 2023 und 2024 herauszuarbeiten.
- Schauen Sie sich in einem nächsten Schritt die Zusammensetzung der
Fördergelder im Datensatz
subventionen_gesamtauf Bundesland-Ebene für 2023 an. Visualisieren Sie, wie sich EGFL, ELER, Nationale Kofinanzierung und Sonstige Nationale Mittel (Differenz aus Förderbetrag_gesamt und Förderbetrag_berechnet) pro Bundesland anteilig zusammensetzen. Beschränken Sie für diese Analyse ihre Daten auf das Haushaltsjahr 2023. Gruppieren Sie die Daten nach Bundesland und berechnen Sie die Summen für EGFL_Förderbetrag, ELER_Förderbetrag, Nationale_Kofinanzierung und Sonstige nationale Mittel. Erstellen Sie nun ein gestapeltes (stacked) Balkendiagramm, das für die Bundesländer die prozentuale Zusammensetzung der Fördergelder (in Bezug auf die gesamte Fördersumme) darstellt. Die Balken sollen die Anteile von EGFL, ELER, Nationale Kofinanzierung und der von Ihnen berechneten Differenz visualisieren.
Beschreiben und interpretieren Sie anschließend ihre Grafik. Gehen Sie insbesondere auf folgende Fragen ein:
- Welche Unterschiede in der Förderstruktur fallen Ihnen zwischen den Bundesländern auf?
- Welche Gründe könnten diese Verteilungen erklären?
- Welche ökonomischen Schwerpunkte (z.B. in Bezug auf Einkommenssicherung vs. ländliche Entwicklung) lassen sich aus diesen unterschiedlichen Strukturen für die Agrarpolitik der jeweiligen Bundesländer ableiten? Beziehen Sie sich hierbei auf Ihre Ergebnisse der Aufgabe 2.
Beschreibung der Grafik:
Die Grafik visualisiert die prozentuale Zusammensetzung der gesamten Agrarförderung pro Bundesland im Jahr 2023. Jeder Balken summiert sich zu 100% der empfangenen Subventionen und schlüsselt diese auf vier komponenten auf: EGFL (grün), ELER (orange), Nationale Kofinanzierung (lila) und Sonstige Nationale Mittel (rosa).
Unterschiede in der Förderstruktur:
Der signifikanteste Unterschied liegt im Verhältnis von Säule 1 (EGFL) zu den Komponenten der Säule 2 (ELER, Kofinanzierung und Sonstige Mittel). In den ost und norddeutschen Flächenländern (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) dominiert der EGFL-Anteil (grün) massiv (oft über 70%) was auf eine EGFL lastige Struktur hindeutet. Im Gegensatz dazu weist Bayern und Baden-Württemberg und Berlin & Bremen einen deutlich höheren prozentualen Anteil der 2. Säule (orange/lila) und der Sonstigen Nationalen Mittel (rosa) auf.
Gründe für diese Verteilungen:
Die EGFL-Dominanz im Osten erklärt sich hauptsächlich durch die historisch gewachsenen, sehr großen Betriebsstrukturen und hohen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Da die EGFL Direktzahlungen flächenabhängig sind, profitieren diese Großbetriebe überproportional. Die stärkere Betonung der 2. Säule in Bayern & Baden-Württemberg liegt an der kleinteiligeren Betriebsstruktur und dem Fokus auf diese Pprogramme, die intensiv über ELER und die nationale Kofinanzierung gefördert werden.
Ableitung ökonomischer Schwerpunkte:
Die unterschiedlichen Strukturen spiegeln unterschiedliche agrarpolitische Prioritäten wieder. Die EGFL lastigen Länder (Ost/Nord) legen den Schwerpunkt auf Einkommenssicherung und Stabilisierung der primären Produktion, was mit dem Hauptziel der 1. Säule der GAP übereinstimmt. Die ELER Länder im Süden legen ihren Schwerpunkt auf Ländliche Entwicklung, Umweltschutz, was auf eine stärkere politische Steuerung hin zu Nachhaltigkeit und der Förderung spezifischer regionaler Landwirtschaftsformen hinweist.
Nachdem Sie die Struktur der Förderungen innerhalb der Bundesländer und innerhalb eines Jahres analysiert haben, gehen Sie nun einen Schritt weiter und betrachten die Dynamik über die Zeit. Für politische Entscheidungsträger und Wirtschaftsanalysten ist es von großem Interesse zu sehen, ob sich das Gesamtvolumen der Agrarsubventionen verändert - und wenn ja, in welchen Regionen diese Änderungen am stärksten ausfallen. Mögliche Rückgänge oder Zuwächse können wichtige Indikatoren für politische Neuausrichtungen oder veränderte Rahmenbedingungen sein.
- In der nächsten Aufgabe sollen Sie daher, die Entwicklung der
Gesamtfördersummen zwischen 2023 und 2024 auf Bundeslandebene
quantifizieren und visualisieren. Aggregieren Sie hierzu Ihren Datensatz
subventionen_gesamtnach Bundesland und Haushaltsjahr, um die jährliche Gesamtfördersumme für jedes Bundesland zu berechnen. Berechnen Sie anschließend die absolute Veränderung der Fördersumme von 2023 auf 2024 in Millionen Euro, sowie die relative (prozentuale) Veränderung der Fördersumme im gleichen Zeitraum pro Bundesland.
Erstellen Sie eine übersichtliche Tabelle, die die Fördersummen für 2023 und 2024, sowie die absolute und relative Veränderung für alle Bundesländer darstellt. Achten Sie auf eine ansprechende und gut lesbare Formatierung mit kableExtra oder gt, inklusive sinnvoll gerundeter Zahlen.
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle. Gehen Sie auch auf folgende Fragen ein:
- In welchen Bundesländern gab es die größten absoluten Zuwächse bzw. Rückgänge? In welchen waren die prozentualen Veränderungen am stärksten?
- Gibt es einen erkennbaren Trend über alle Bundesländer hinweg?
- Recherchieren Sie kurz mögliche Gründe für die auffälligsten Veränderungen. Welche externen Faktoren (z.B. Förderrichtlinien der EU oder nationale Umschichtungen) könnten diese Entwicklungen erklären?
Hinweis 1: Nutzen Sie zur Berechnung der Gesamtfördersumme die Fördermittel aus ELER, EGFL, Nationaler Kofinanzierung und sonstigen nationalen Mitteln.
Hinweis 2: Ordnen Sie ihre Tabelle sinnvoll an (z.B. nach den Fördersummen in 2023 oder nach den Änderungen der absoluten Fördersummen).
| Veränderung der Agrarsubventionen | ||||
| Gesamtfördersummen und deren Entwicklung von 2023 zu 2024 pro Bundesland | ||||
| Bundesland | Summe 2023 (Mio. €) | Summe 2024 (Mio. €) | Abs. Veränderung (Mio. €) | Rel. Veränderung (%) |
|---|---|---|---|---|
| Bayern | 814,11 | 607,12 | −206.99 | −25.42 |
| Niedersachsen | 577,14 | 388,89 | −188.25 | −32.62 |
| Sachsen-Anhalt | 351,54 | 247,24 | −104.30 | −29.67 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 344,70 | 253,81 | −90.89 | −26.37 |
| Brandenburg | 343,29 | 255,08 | −88.21 | −25.70 |
| Sachsen | 280,39 | 195,56 | −84.83 | −30.25 |
| Nordrhein-Westfalen | 356,61 | 277,23 | −79.38 | −22.26 |
| Schleswig-Holstein | 227,04 | 172,53 | −54.51 | −24.01 |
| Baden-Württemberg | 368,65 | 314,74 | −53.91 | −14.62 |
| Rheinland-Pfalz | 186,46 | 137,01 | −49.45 | −26.52 |
| Thüringen | 227,59 | 198,09 | −29.50 | −12.96 |
| Hessen | 181,51 | 153,49 | −28.02 | −15.44 |
| Berlin | 3,76 | 2,59 | −1.18 | −31.27 |
| Hamburg | 3,96 | 3,44 | −0.52 | −13.14 |
| Bremen | 2,61 | 2,26 | −0.35 | −13.41 |
| Saarland | 17,38 | 17,33 | −0.05 | −0.27 |
Interpretation der Tabelle:
Die Tabelle zeigt eine unerwartete Entwicklung: Im Zeitraum von 2023 auf 2024 verzeichneten alle Bundesländer einen Rückgang der Agrarsubventionen; es gab keinen einzigen Zuwachs. Die absolut größten Rückgänge betreffen die Bundesländer mit dem höchsten Subventionsvolumen, nämlich Bayern und Niedersachsen. Die stärksten prozentualen Rückgänge liegen ebenfalls in Niedersachsen sowie Berlin.
Bundesländer mit größten absoluten & relativen Rückgängen
Die Tabelle zeigt, dass es keine absoluten Zuwächse gab - alle Bundesländer verzeichneten von 2023 auf 2024 Rückgänge. Die größten absoluten Rückgänge betrafen wenig überraschend die Bundesländer mit dem höchsten Subventionsvolumen: Bayern (-206,99 Mio. €) und Niedersachsen (-188,25 Mio. €). Die stärksten prozentualen Rückgänge verzeichneten ebenfalls Niedersachsen (-32,62%) und Berlin (-31,27%), gefolgt von Sachsen (-30,25%) und Sachsen-Anhalt (-29,67%). Die geringsten Rückgänge zeigte das Saarland (-0,27%).
Trend über alle Bundesländer hinweg
Ja, es gibt einen klaren Trend: Fast alle Bundesländer verzeichneten einen massiven Rückgang der Gesamtfördersumme, der in den meisten Fällen zwischen 13% und 32% lag. Es ist kein einziger Zuwachs erkennbar, was darauf hindeutet, dass entweder das Jahr 2023 ein außergewöhnliches gutes oder 2024 ein außergewöhnlich schlechtes Auszahlungsjahr war.
mögliche Erklärungsfaktoren
Die massiven und flächendeckenden Rückgänge sind primär auf den Übergang zur neuen GAP-Förderperiode (2023–2027) zurückzuführen. Der wichtigste externe Faktor ist die Ausfinanzierung von Altmaßnahmen und Sonderzahlungen: Das Jahr 2023 dient als letztes Abwicklungsjahr für Verpflichtungen und Programme aus der vorherigen GAP-Periode (sogenannte Altmaßnahmen). Diese einmaligen, hohen Zahlungen entfielen 2024 planmäßig, was zu den starken Rückgängen, insbesondere in den ELER-starken Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg, führte. Ein weiterer Faktor ist die verzögerte oder langsame Abwicklung neuer Programme wie der Eco-Schemes, die erst ab 2023 gelten.
Nachdem Sie die Verteilung und Entwicklung der Agrarförderungen analysiert haben, sollen Sie diese nun in den breiteren ökonomischen Kontext einbetten. Staatliche Subventionen sichern Einkommen und stabilisieren Betriebe, stehen jedoch einer Reihe von ökonomischen Risiken und Kostenfaktoren gegenüber - etwa volatile Marktpreise, steigende Produktionskosten oder strukturelle Anpassungslasten. Diese Aufgabe soll die Brücke schlagen zwischen der reinen Subventionsanalyse und der nachfolgenden, vertieften Untersuchung von wirtschaftlichen Belastungen und Risikofaktoren im Sektor.
- Lesen Sie den Artikel Landwirte haben Riesenschäden durch extreme Wettereignisse aus dem Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben. Stellen Sie in einer ersten Beschreibung die im Artikel genannten jährlichen Durchschnittsschadenssummen durch Extremwetterereignisse den berechneten Subventionen ihrer Analyse gegenüber. Beantworten Sie auf Basis Ihrer bisherigen Analyse und den Erkenntnissen aus dem Artikel die folgenden Fragen:
- Diskutieren Sie das Verhältnis der Subventionen und den Schadenssummen. Inwiefern können die milliardenschweren Agrarsubventionen als eine Art staatliche Risikoprämie oder Versicherung für die Landwirtschaft interpretiert werden, um klimabedingte Ertragsschwankungen abzufedern?
- Der Artikel zitiert Bundesminister, die mehr “Krisenvorsorge” und “Anpassungsmaßnahmen” fordern. Argumentieren Sie, warum eine reine Kompensation von Schäden durch Subventionen ökonomisch weniger effizient sein könnte als die Förderung von präventiven Maßnahmen.
- Bewerten Sie die folgenden zwei politischen Ansätze zur Minderung
von Klimaschäden in der Landwirtschaft. Diskutieren Sie für jeden Ansatz
kurz einen potenziellen Vorteil und einen Nachteil aus ökonomischer
Sicht:
- Ansatz A: Erhöhung der Direktzahlungen (EGFL) an Landwirte, um Liquidität nach Ernteausfällen sicherzustellen.
- Ansatz B: Umschichtung von Fördergeldern hin zu Projektförderungen (ELER), die gezielt in klimaresiliente Technologien investieren (z.B. Bewässerungssysteme, trockenresistente Sorten).
Diskussion des Verhältnisses von Subventionen und Schadenssummen
Unseren Ergebnissen aus Aufgabe 9 zufolge beliefen sich die
jährlichen Gesamtsubventionen der GAP auf 4,3 Mrd.€ im Jahr 2023 bzw.
3,2 Mrd.€ im darauffolgenden Jahr (wobei 2023 die Auszahlungen wegen
auslaufender Altmaßnahmen besonders hoch waren). Der Artikel nennt für
die Jahre 2018 und 2019 Schäden in Höhe von insgesamt 25,6 Mrd.€, wobei
nur 7,8 Mrd.€ auf die Landwirtschaft entfielen, während der
Forstwirtschaft der übrige Schaden zugeordnet werden kann. Pro Jahr
ergibt sich also für die Landwirtschaft ein durchschnittlicher Schaden
von ca. 3,9 Mrd.€; für die Forstwirtschaft hingegen mit 8,9 Mrd. €
Schadenssumme mehr als das Doppelte. Die insgesamt 12,8 Mrd.€ Schaden
pro Jahr verteilen sich also extrem ungleich zwischen Forst- und
Landwirtschaft. Die Forstwirtschaft hat jedoch keinen größeren Anteil an
den Subventionen, weshalb bei der Betrachtung von Subventionen und
Schadenshöhe zwischen Land- und Forstwirtschaft unterschieden werden
muss. Außerdem sollte angemerkt werden, dass in die Schadensberechnung
auch indirekte Schäden wie z.B. die durch die Extremwetterereignisse
verringerte Arbeitsproduktivität einberechnet wurden.
Konzentriert
man sich nur auf die Landwirtschaft, wiegen die jährlichen Subventionen
in Höhe von 3-4 Mrd.€ die jährlichen Schäden also schon auf. Zieht man
jedoch noch zusätzlich die Schäden, die die Forstwirtschaft erleiden
musste in Betracht, ist dies nicht mehr der Fall. Es wird im Artikel
zwar nicht näher darauf eingegangen, wie sich die Schadenshöhe genau
zusammensetzt, jedoch wurde angemerkt, dass besonders hohe Schäden von
Extremwetterereignissen verursacht werden. Wie gut die Subventionen also
tatsächlich mit den Schäden vergleichbar sind, lässt sich nicht weiter
beleuchten. Allerdings wird deutlich, dass die Schadenshöhe nicht etwa
jedes Jahr gleich hoch ist, sondern je nachdem, ob ein
Extremwetterereignis auftrat oder nicht, sehr unterschiedlich ausfallen
kann.
Da Extremwetterereignisse also eher unregelmäßig auftreten,
jedoch die höchsten Schäden verursachen, können die Subventionen für die
Landwirtschaft durchaus als staatliche Risikoprämie oder Versicherung
gegen die Risiken solcher Ereignisse interpretiert werden. Die
Subventionen sichern dem Agrarsektor beispielsweise ein fest
kalkulierbares Einkommen (etwa durch die flächengebundenen
Direktzahlungen des EGFL) und sichern somit die Liquidität der Betriebe
und die Lebensgrundlage der Landwirte ab. Fällt der Marktertrag aufgrund
klimatischer Ereignisse ab, verhindern die Subventionszahlungen einen
sofortigen Liquiditätsengpass und federn so die klimabedingten
Ertragsschwankungen ab.
Argumentation Effizienz Kompensation / Prävention
Dass die Kompensation von Schäden ökonomisch weniger effizient ist als die Förderung präventiver Maßnahmen liegt daran, dass durch Kompensationszahlungen lediglich die Symptome, aber nicht die Ursachen der Schäden bekämpft werden. Die Resilienz der Landwirtschaft gegen Extremwetterereignisse verbessert sich nicht, wenn die Landwirte für ihre Schäden kompensiert werden. Wenn die Ereignisse infolge des Klimawandels sogar noch extremer ausfallen, könnten sich die Schäden und somit auch die Kompensationskosten massiv erhöhen. Die Landwirte haben dann auch einen geringeren Anreiz, selbst in die Anpassungsfähigkeit ihrer Betriebe zu investieren, da sie unabhängig davon, ob sie ihre Betriebe an die Anforderungen des Klimawandels anpassen, vom Staat entschädigt werden. Dies hätte dann auch weitreichende Effekte auf den Markt für Agrarprodukte. Vor diesem Hintergrund würden Kompensationen das moralische Risiko also erhöhen. Die Förderung präventiver Maßnahmen hingegen würde dazu führen, dass die Landwirtschaft besser auf Extremwetterereignisse reagieren kann. Die zukünftig zu erwartenden Schäden würden dann geringer ausfallen, weshalb weniger Kosten anfallen würden.
Ansatz A - Erhöhung EGFL
Vorteilhaft an einer Erhöhung der Direktzahlungen (EGFL) wäre, dass eine sofortige und schnelle Liquiditätshilfe im Krisenfall bereitgestellt wird und somit die Zahlungsfähigkeit der Betriebe nach Ernteausfällen sichergestellt werden kann. Nachteilig hieran ist jedoch, dass der Ansatz keine ökonomischen Anreize zur Anpassung an den Klimawandel setzt, da die Mittel flächengebunden und nicht projektbezogen verteilt werden. Er verstärkt den Moral Hazard-Effekt, da die Landwirte mit der Sicherung ihres Einkommens rechnen können, egal ob sie ihre Betriebe an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen oder nicht.
Ansatz B - Umschichtung zu ELER
Der Vorteil einer Umschichtung zu Projektförderungen (ELER) ist, dass somit gezielte Investitionen in Technologien ermöglicht und gefördert werden, die die Widerstandsfähigkeit der Agrarwirtschaft gegen die Folgen des Klimawandels erhöhen und damit die zukünftige Produktivität des Sektors sichern. Der Nachteil hierbei ist allerdings, dass der Ansatz mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden ist und die Maßnahmen erst längerfristig wirken, was bei einem Ernteausfall keine sofortige Liquiditätshilfe bieten kann.
Deskriptive Analysen - Waldbrände als ökonomisches Risiko
Wie die bisherigen Analysen gezeigt haben, fließen erhebliche Fördermittel in die Land- und Forstwirtschaft. Um die wirtschaftliche Gesamtbilanz einordnen zu können, ist es wichtig, diesen Subventionen auch tatsächlich entstehende Kosten gegenüberzustellen.
Sie konzentrieren sich nun dabei auf Waldbrände als spezifisches Teilsegment der Forstwirtschaft. Waldbrände machen zwar nur einen kleinen Teil der gesamten Schäden im Sektor aus, bieten jedoch einen entscheidenden Vorteil: Die ökonomischen Folgen sind hier besonders gut quantifizierbar. Im Gegensatz zu Ertragsausfällen der Ernte (durch Sturm oder Ernteeinbußen durch Trockenheit) lassen sich Holzverluste, Löschkosten und Wiederaufforstungsmaßnahmen präzise beziffern. Zudem ermöglichen die verfügbaren Daten eine detaillierte Analyse nach Ursachen, Flächen und regionalen Mustern.
Diese Datentransparenz macht Waldbrände zu einem passenden Fallbeispiel, um exemplarisch zu zeigen, wie sich sektorale Belastungen entwickeln, auch im Kontext von Trockenheit und Hitzeperioden, und wie sie sich zu staatlichen Förderungen verhalten. Die nachfolgende Analyse liefert somit einen ersten konkreten Eindruck von der Größenordnung spezifischer Risiken in der Forstwirtschaft.
- Schauen Sie sich in einem ersten Schritt an, wie viele Waldbrände (Gesamt) es in Deutschland in den Jahren von 2018 bis 2024 gab. Ihre Aufgabe ist es, eine deskriptive Tabelle zu erstellen, die die wichtigsten jährlichen Kennzahlen zum Waldbrandgeschehen in Deutschland zusammenfasst.
Filtern Sie Ihren Datensatz waldbraende für die Region
“Deutschland”. Achten Sie darauf, dass die Werte genutzt werden, welche
bereits auf Jahresebene aggregiert sind. Stellen Sie in der Tabelle die
jährliche Gesamtsumme der verbrannten Fläche (ha), die Anzahl der
Brandfälle, die wirtschaftlichen Verluste und die entstandenen Schäden
dar.
Markieren Sie in Ihrer Tabelle die Jahre, in denen die Schadenssumme 1,5 Million Euro überstiegen hat, farblich, um Extremjahre kenntlich zu machen.
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle. Betrachten Sie dabei insbesondere folgende Fragen:
- Identifizieren Sie die Jahre mit den höchsten Schadenssummen und den größten verbrannten Flächen.
- Was könnte das über die Art der Brände (wenige große vs. viele kleine) in diesen Jahren aussagen?
- Basierend auf dieser Übersicht: Lässt sich ein klarer Trend einer Zunahme der ökonomischen Belastung durch Waldbrände in den letzten Jahren erkennen? Begründen Sie Ihre Antwort anhand der Daten.
- In welchem Verhältnis stehen die durch Waldbrände verursachten Verluste zu den jährlichen Subventionen, die Land- und Forstwirte erhalten? Was sagt das über die wirtschaftliche Tragweite solcher Ereignisse aus? Beziehen Sie sich hierbei auf ihre vorherigen Ergebnisse.
Hinweis: Um die Größenordnung der verbrannten Waldfläche einordnen zu können, können Sie sich auf folgenden Artikel beziehen.
| Waldbrände in Deutschland | ||||
| aggregierte Werte aller Bundesländer der Jahre 2018-2024 | ||||
| Jahr | Anzahl an Bränden | verbrannte Fläche (in ha) | Schaden (in Mio. €) | wirtschaftliche Verluste (in Mio. €) |
|---|---|---|---|---|
| 2018 | 1708 | 2349 | 2,67 | 2,14 |
| 2019 | 1523 | 2711 | 2,22 | 1,66 |
| 2020 | 1360 | 368 | 2,19 | 1,60 |
| 2021 | 548 | 148 | 0,67 | 0,66 |
| 2022 | 2397 | 3058 | 5,14 | 4,85 |
| 2023 | 1059 | 1240 | 1,19 | 0,96 |
| 2024 | 563 | 334 | 0,68 | 0,68 |
Generelles
Die Tabelle zeigt die jährliche Anzahl der Waldbrände in Deutschland für den Zeitraum von 2018 bis 2024, die dabei insgesamt verbrannte Fläche, sowie die entstandenen wirtschaftlichen Verluste und Schäden. Die farblich hinterlegten Zeilen zeigen dabei die Jahre, in denen die Schäden eine Summe von 1,5 Mio€ überstiegen haben. Dies war also in vier von sieben Jahren der Fall: 2018-2020 sowie 2022. Darüber hinaus gab es im betrachteten Zeitraum größtenteils mehr als 1000 Waldbrände pro Jahr; die jährliche Schadenssumme betrugmeist mehr als 1 Mio.€. Die verbrannte Fläche liegt in den meisten Jahren zwischen 1000 und 3000 Hektar. Jährlich kommt also etwas mehr als der Waldfläche der Stadt Ulm (ca. 1750 Hektar) durch Brände zu Schaden. Deutschlandweit betrachtet ist dies ein verschwindend geringer Wert.
Art der Brände
Die finanziell schwerwiegendsten Schäden (gemessen an der
Schadenssumme) entstanden - wie die Markierung verdeutlicht - 2022 sowie
in den Jahren von 2018-2020. Bis auf das Jahr 2020 entsprechen die Jahre
mit den größten Schadenssummen auch denen mit der meisten verbrannten
Fläche. Da größere Brände schwerer zu löschen sind und somit größere
Schäden verursachen können, könnte eine hohe Schadenssumme kombiniert
mit viel verbrannter Fläche auf mehr Großbrände in dem jeweiligen Jahr
hindeuten.
Um eine genauere Aussage darüber treffen zu können, ob
die Höhe der Schadenssumme auf wenige große oder mehrere kleine
Waldbrände hindeutet, ist es hilfreich, die verbrannte Fläche im
Verhältnis zur Anzahl an Bränden zu betrachten. Je mehr die Fläche bei
einer bestimmten Anzahl an Bränden verloren ging, desto größer müssten
die Brände in dem jeweiligen Jahr gewesen sein. Der Kontrast wird beim
Vergleich von 2019 und 2020 besonders deutlich: Während die Brandanzahl
2019 kaum höher lag als 2020 (ca. 11% Unterschied), verbrannte 2019 mehr
als das siebenfache der Fläche von 2020. Dies deutet darauf hin, dass es
2019 im Durchschnitt deutlich größere Waldbrände gab als 2020.
Hinweis auf zunehmende ökonomische Belastung
Die Daten zeigen nicht, dass die ökonomische Belastung durch Waldbrände in den letzten Jahren zugenommen hat. Sowohl die Schäden als auch die Anzahl an Bränden lagen -mit Ausnahme des Ausreißers 2022- nicht höher als in den Jahren zuvor. Lässt man 2022 außen vor, sind in den letzten vier Jahren die Brandzahlen und somit auch die entstandenen Schäden sogar geringer ausgefallen.
Verhältnis zu Subventionen
Gesamtwirtschaftlich betrachtet fallen die jährlichen finanziellen
Schäden durch Waldbrände verglichen mit den Subventionen kaum ins
Gewicht. Wie in der Tabelle zu Aufgabe 9 bereits gezeigt, beträgt die
jährliche Subventionshöhe pro Bundesland größtenteils mehrere hundert
Millionen Euro. Dem steht für das ganze Bundesgebiet eine jährliche
Schadenssumme in einstelliger Millionenhöhe gegenüber. Selbst vor dem
Hintergrund, dass natürlich nicht alle Subventionsbeträge an die
Forstwirtschaft fließen, scheint die wirtschaftliche Tragweite der
Waldbrandschäden insgesamt betrachtet vernachlässigbar zu sein.
Es
muss allerdings auch zwingend angemerkt werden, dass dies nicht
unbedingt für einzelne Waldbesitzer gilt. Wie wir in Aufgabe 7 gesehen
haben, streuen die durchschnittlich ausgezahlten Subventionsbeträge an
die einzelnen Empfänger extrem stark. Für einzelne Individuen kann ein
Waldbrand trotz Subventionen - die im Median bei 10 Tsd.€ liegen -
schlimmstenfalls den wirtschaftlichen Ruin bedeuten. Auch wenn man bei
der Betrachtung dieser Durchschnittswerte vorsichtig sein muss, weil
lediglich eine Teilmenge der Subventionsempfänger in der Forstwirtschaft
tätig und somit auch direkt von den Waldbränden betroffen ist, sollte
man die Einzelbetrachtung zusätzlich zur Gesamtwirtschaft im Auge
behalten.
Nachdem Sie das Gesamtausmaß der Waldbrände betrachtet haben, ist es aus ökonomischer und politischer Sicht entscheidend zu wissen, welche Eigentumsformen des Waldes am stärksten betroffen sind. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Frage, wer die wirtschaftlichen Lasten der Schäden und der Wiederaufforstung trägt; der Bund, die Länder, Kommunen oder private Eigentümer.
- In dieser Aufgabe sollen Sie sich die zeitliche Entwicklung der Anteile der Brandflächen und der Brandanzahl der verschiedenen Waldeigentumsformen (Bundeswald, Landeswald, Körperschaftswald, Privatwald) für Gesamtdeutschland genauer anschauen. Erstellen Sie ein oder mehrere (gestapelte) Balkendiagramme, die die prozentuale Verteilung
- der verbrannten Fläche (in ha),
- und der Anzahl der Brandfälle
über die verschiedenen Jahre hinweg nach Eigentumsform darstellen.
Beschreiben und interpretieren Sie die Diagramme. Gehen Sie hierbei insbesondere auf folgende Fragen ein:
- Welche Eigentumsform ist prozentual am häufigsten von Waldbränden betroffen, sowohl in Bezug auf die Fläche als auch auf die Anzahl der Fälle? Hat sich dieser Anteil über die Jahre signifikant verändert?
- Vergleichen Sie die beiden Diagramme: Gibt es eine Eigentumsform, die tendenziell eher viele kleine Brände (hoher Anteil bei Anzahl, geringerer bei Fläche) oder wenige, aber dafür sehr große Brände (geringer Anteil bei Anzahl, höherer bei Fläche) aufweist?
- Welche ökonomischen Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen? In welchen Bereichen könnten staatliche Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen am dringendsten benötigt werden?
Hinweis: Achten Sie darauf, dass bei nebeneinander angeordneten Grafiken die y-Achse identisch skaliert sein sollte.
generelle Beschreibung
Die Diagramme visualisieren für die Jahre 2018–2024, wie sich das Waldbrandgeschehen in Deutschland auf die vier Eigentumsformen Bundeswald, Körperschaftswald, Landeswald und Privatwald verteilt. Dabei zeigt die linke Grafik jeweils den Anteil an der Anzahl der Brände im jeweiligen Jahr, während die rechte den Anteil an der verbrannten Fläche darstellt. Aus den Diagrammen lässt sich ablesen, wie stark die verschiedenen Eigentümergruppen im Verhältnis zueinander betroffen waren. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zwischen absoluten Werten und den hier dargestellten relativen Anteilen: Die Grafik verdeutlicht also nicht, ob es insgesamt mehr oder weniger gebrannt hat, sondern wie sich das Verhältnis der Eigentumsformen am Gesamtgeschehen über die Jahre verschoben hat.
Die am häufigsten betroffene Eigentumsform
Mit Abstand am häufigsten betroffen sind Privatwälder; sie machen in den meisten Jahren etwa die Hälfte der Waldbrände und der verbrannten Fläche aus. Dabei ist insbesondere die Entwicklung in den letzten beiden Jahren beachtenswert: Während der Anteil an der Brandanzahl bei ca. 50 % konstant blieb, nahm der Anteil des Privatwaldes an der gesamten verbrannten Fläche massiv von 40 % auf 76 % zu. Dies impliziert einen drastischen Anstieg der durchschnittlichen Brandgröße – Privatwaldbesitzer hatten 2024 deutlich größere Flächenverluste pro Brand zu verzeichnen als noch zwei Jahre zuvor.
Größe der Brände bei den verschiedenen Eigentumsformen
Aus obiger Analyse lässt sich bereits schließen, dass Privatwälder insbesondere in den letzten beiden Jahren von Großbränden betroffen waren. Tendenziell sind größere Brände auch bei Bundeswäldern zu finden, wobei 2019 und 2021 gewissermaßen Ausreißerjahre waren: Während der Anteil an den Gesamtbränden und der Gesamtfläche in den meisten Jahren in etwa konstant blieb, war 2019 und 2021 der Anteil an der verbrannten Fläche mit jeweils ca. 40% wesentlich größer als der an der Brandanzahl (ca. 10%). Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass Bundeswälder in diesen beiden Jahren von durchschnittlich größeren Bränden betroffen waren. Eine Ausnahme von dieser Beobachtung bildet hier das vergangene Jahr, in dem die durchschnittliche Brandgröße verglichen mit den vorigen Jahren niedriger lag. Dieser Rückgang der Größe von Waldbränden in Bundesbesitz konnte bereits seit 2022 beobachtet werden. Kleinere Waldbrände sind hingegen eindeutig bei Wäldern in Besitz von Körperschaften vorzufinden. Insbesondere in den Jahren 2019 und 2023 scheinen diese von kleinen Bränden betroffen gewesen zu sein, da der Anteil an der Brandanzahl in diesen Jahren deutlich höher lag als der an der verbrannten Fläche. Bei Landeswäldern ist keine klare Tendenz zu erkennen; die durchschnittliche Größe der Brände ist in den vergangenen Jahren etwas zurückgegangen.
Bedeutung für staatliche Maßnahmen
Ökonomisch betrachtet folgt aus diesen Ergebnissen, dass Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen vor allem für Privatbesitzer von Wäldern sinnvoll sein könnten. Sie mussten im betrachteten Zeitraum durchweg den größten Verlust wegen Waldbränden hinnehmen - sowohl hinsichtlich der Fläche als auch mit Blick auf die Brandanzahl. Vor allem seit 2023 fielen ihre Flächenverluste dabei besonders hoch aus. Logischerweise würden sie also insbesondere von Maßnahmen, die der schnellen Ausbreitung eines Feuers vorbeugen, profitieren. So könnte die Größe der Brände reduziert werden. Des Weiteren müsste eruiert werden, welche Ursachen die Brände auslösen, sodass auch die Brandanzahl verringert werden kann. Außerdem sind die privaten Eigentümer von Wäldern im Vergleich zu den anderen Eigentümergruppen, die allesamt Gebietskörperschaften sind, hinsichtlich ihrer vergleichsweise begrenzten finanziellen Mittel besonders auf Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen angewiesen. Für einen einzelnen Waldbesitzer ist ein finanzieller Verlust durch einen Waldbrand sowohl wegen des Wertverlusts an sich als auch wegen seines unerwarteten Auftretens sehr wahrscheinlich schwerer stemmbar als für Kommunen, Länder oder den Bund.
Nachdem Sie im vorherigen Schritt analysiert haben, welche Eigentumsformen besonders stark von Waldbränden betroffen sind, stellt sich nun die nächste zentrale Frage: Wie entstehen diese Brände überhaupt?
Um gezielte und wirksame Präventions- und Schutzmaßnahmen zu entwickeln, ist es wichtig, die Hintergründe und Auslöser von Waldbränden genauer zu verstehen und ihre Veränderung im Zeitverlauf nachzuvollziehen. Eine differenzierte Betrachtung der Ursachen ermöglicht es, Verantwortlichkeiten und Handlungsspielräume besser einzuordnen und künftige Risiken gezielter zu minimieren.
- Sie sollen die Entwicklung der Waldbrände nach ihren Hauptursachen
für Gesamtdeutschland analysieren. Ihr Ziel ist es, herauszuarbeiten,
welche Ursachen über die Jahre hinweg die meisten Brände und die größten
Flächenverluste verursacht haben. Nutzen Sie wiederum ihren Datensatz
waldbraendeund gehen Sie insbesondere auf folgende Ursachen in ihrer Analyse ein:
- Fahrlässigkeit,
- Vorsatz (Brandstiftung),
- Sonstige handlungsbedingte Einwirkungen,
- Natürliche Ursachen,
- Unbekannte Ursachen
Erstellen Sie zwei Liniendiagramme, die untereinander angeordnet sind. Das erste Diagramm zeigt die zeitliche Entwicklung der Anzahl der Waldbrände nach Ursache. Das zweite Diagramm soll die zeitliche Entwicklung der verbrannten Waldfläche (in ha) nach Ursache darlegen.
Beschreiben und interpretieren Sie die Diagramme. Gehen Sie hierbei insbesondere auf folgende Fragen ein:
- Welche Brandursache dominiert in den meisten Jahren, sowohl bei der Anzahl als auch bei der Fläche? Gibt es Jahre, in denen sich dieses Muster deutlich ändert?
- Betrachten Sie die Entwicklung über die Zeit. Erkennen Sie einen Trend bei bestimmten Ursachen (z.B. eine Zunahme natürlicher Brände in jüngerer Zeit)?
- Welche ökonomischen und politischen Implikationen hätte ein solcher Trend?
generelle Beschreibung
Die beiden Diagramme zeigen die Entwicklung der jährlichen
Waldbrandanzahl sowie die Entwicklung der jährlich verbrannten Fläche
von 2018 bis 2024, gruppiert nach der jeweiligen Ursache. Die fünf
Ursachen werden jeweils durch die Linien dargestellt.
Die Anzahl
der Brände, die von einer bestimmten Ursache ausgelöst wurden, liegt
meist bei ein paar hundert, maximal jedoch bei knapp über 1000 Bränden
pro Jahr. Dabei ist die Richtung der jährlichen Veränderung der
Brandanzahl unabhängig von der Ursache: Wenn in einem Jahr mehr Brände
stattgefunden haben, ist meistens auch ein Anstieg der Brandanzahl für
jede Ursache zu beobachten. Bei der je nach Ursache jährlich verbrannten
Fläche sieht dies anders aus: Hier kann es durchaus sein, dass einer
Ursache im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr verbrannte Fläche
zuzurechnen ist, während bei einer anderen Ursache eine geringere
Brandfläche zu finden ist.
dominierende Brandursache
Sowohl bei der Anzahl der Brände als auch bei der verbrannten Fläche
dominieren die unbekannten Ursachen. In jedem der sechs Jahre konnten
die meisten Brandursachen nicht ermittelt werden, was an der Grafik
Entwicklung der Brandanzahl erkennbar ist, in der jedes Jahr
die meisten Brände (oft mehr als 500 pro Jahr) auf die Kategorie
Unbekannte Ursachen entfallen.
Auch in der Grafik Entwicklung
der verbrannten Fläche, die zeigt, wie viel Hektar Fläche jährlich
wegen welcher Ursache verbrannt sind, wird die Dominanz unbekannter
Ursachen ersichtlich. Allerdings ist das Bild hier nicht so deutlich wie
bei der Brandanzahl; 2022 sind beispielsweise knapp 1000 Hektar
verbrannter Fläche auf Vorsatz bzw. Brandstiftung zurückzuführen, im
Vergleich zu ca. 1300 Hektar wegen unbekannter Ursachen. Der Anteil
unbekannter Ursachen an der insgesamt verbrannten Fläche variiert also
stärker als der an der Brandanzahl.
Außerdem ist das vergangene
Jahr im betrachteten Zeitraum das einzige, in dem die Ursache, auf die
die meiste verbrannte Fläche entfällt, nicht ungeklärt blieb. Die meiste
Fläche ist 2024 nämlich wegen sonstigen handlungsbedingten Einwirkungen
verbrannt. Darüber hinaus hatte 2021 jede der fünf Ursachen in etwa die
gleiche Fläche zu verantworten, was aber vielmehr daran liegt, dass in
diesem Jahr insgesamt weniger Brände aufgekommen sind: Vier der fünf
Ursachen verursachten jeweils unter 200 Brände, aber auch die
unbekannten Ursachen verzeichneten in diesem Jahr einen starken
Rückgang. Es verbrannte 2021 mit maximal 100 Hektar pro Ursache auch
deutlich weniger Fläche als in den meisten anderen Jahren, in denen auch
mal mehrere hundert Hektar Fläche auf eine Ursache entfallen können.
Trends unter den Ursachen
Bei der Brandanzahl ist zu beobachten, dass die durch Fahrlässigkeit
verursachten Brände leicht und die durch unbekannte Ursachen
verursachten Brände merklich abgenommen haben: Fahrlässigkeit
verursachte im Jahr 2018 knapp über 400 Brände, sechs Jahre später waren
es unter 200. Den unbekannten Ursachen waren 2018 800 Brände
zuzurechnen; im Jahr 2024 belief sich deren Anzahl auf weniger als
300.Die Anzahl der durch natürliche Ursachen, sonstige
handlungsbedingten Einwirkungen und vorsätzlich verursachten Brände
blieb über den betrachteten Zeitraum relativ konstant (wenn man bei den
letzten beiden das Ausreißerjahr 2022 außen vor lässt); bei diesen drei
Ursachen ist also kein Trend zu erkennen. Insgesamt beobachten wir aber
einen Rückgang der Brandzahlen im Jahr 2024 auf ihr Niveau von 2021.
Hinsichtlich der Fläche ist insbesondere der massive Rückgang der
Waldbrände, die durch unbekannte Ursachen und sonstige handlungsbedingte
Einwirkungen ausgelöst wurden, in den Jahren 2020 und 2021 auffällig.
Während dieser sich 2021 zumindest teilweise auf einen Rückgang in der
Brandanzahl von 2020 auf 2021 zurückführen lässt, hat sich die Anzahl
der verursachten Brände zwischen 2019 und 2020 nicht sonderlich
verändert. Dies lässt den Schluss zu, dass sich die Größe der durch
unbekannte Ursachen und sonstige handlungsbedingte Einwirkungen
ausgelösten Waldbrände in diesem Zeitraum verringert hat. Auch der
starke Anstieg im Jahr 2022 ist einen genaueren Blick wert. In diesem
Jahr ist auch die Brandanzahl für alle Ursachen bis auf die natürlichen
angestiegen. Seit diesem Peak ist aber die verbrannte Fläche bei vier
der fünf Ursachen rückläufig. Die Ausnahme bilden hierbei die sonstigen
handlungsbedingten Einwirkungen, die 2024 wieder auf ihr Niveau von 2022
angestiegen sind. Bei diesen ist auch der Ausschlag der verbrannten
Fläche im Jahr 2019 auffällig, da sich die Anzahl der Brände, die dieser
Ursache zuzuordnen sind, im Vergleich zum Vorjahr nicht sonderlich
verändert hat. Natürlichen Ursachen ist auch bei der verbrannten Fläche
ein verschwindend geringer Anteil zuzuordnen.
Aus diesen
Beobachtungen folgen zwei zentrale Punkte: Zum einen sind Waldbrände ein
überwiegend menschengemachtes Problem, da die natürlichen Ursachen in
beiden Grafiken eine sehr geringe Rolle spielen - sie haben jedes Jahr
nur wenige Brände und wenig verbrannte Fläche zu verantworten,
unabhängig davon, wie viele Brände in einem Jahr insgesamt ausgelöst
wurden. Zum anderen gibt es insbesondere im Ausmaß der verbrannten
Fläche immer mal wieder massive Anstiege, was an den starken
Schwankungen der Linien in der unteren Grafik zu sehen ist. Die
Ausschläge gehen aber in den darauffolgenden Jahren wieder zurück, was
systematische Faktoren ausschließt und vielmehr auf einzelne
Extremereignisse hindeutet.
Politische und ökonomische Implikationen der Trends
Daraus folgt, dass menschliches Handeln der zentrale Auslöser von
Waldbränden ist und dass das Ausmaß der Brände, also wie verheerend die
Waldbrände hinsichtlich der verbrannten Fläche ausfallen, von Jahr zu
Jahr variiert. Es müssen deshalb Maßnahmen ergriffen werden, die die
Verursachung von Waldbränden durch Menschen verhindern - seien es
Sanktionen gegen die Brandstiftung oder eine verbesserte Aufklärung der
Bevölkerung, um die Brandschäden wegen sonstiger handlungsbedingter
Einschränkungen und Fahrlässigkeit zu mindern. Eine effektivere
Ermittlung der Ursachen könnte außerdem dazu beitragen, den Anteil der
unbekannten Brandursachen zu verringern und die Maßnahmen noch
zielgerichteter gestalten zu können.
Zu guter Letzt muss angemerkt
werden, dass die Anzahl der Brände innerhalb der vergangenen sechs Jahre
schon deutlich verringert werden konnte. Dies könnte daran liegen, dass
effizientere Maßnahmen entwickelt und implementiert wurden, um das
Zustandekommen eines Brandes unwahrscheinlicher zu machen. Dieser
Argumentation folgend lässt sich aus der Entwicklung der verbrannten
Fläche allerdings auch erkennen, dass das Ausmaß der Brände nicht allein
von der Effizienz der Maßnahmen abhängt und somit auch von nicht
kontrollierbaren Faktoren abhängt. Für Politik und Wirtschaft folgt
daraus, dass Maßnahmen für die Prävention von Waldbränden zwar auf jeden
Fall getroffen und weiterentwickelt werden müssen. Gleichzeitig muss
aber auch damit gerechnet werden, dass die Kosten von Waldbränden selbst
bei den besten Maßnahmen wohl nie komplett auf null gesenkt werden
können. Deshalb sind neben Präventionsmaßnahmen auch Regelungen für die
Bekämpfung von Waldbränden sowie die Versorgung von Betroffenen
notwendig.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine wichtige Frage, wie hoch zum einen die Schäden sind und zum anderen wie sie sich effizient verhindern lassen. Eine konkrete Stellschraube hierfür sind die laufenden Ausgaben für die Forstverwaltung und Kontrolle, die unter anderem Kosten für Präventionsmaßnahmen wie Waldpflege, Brandschutzstreifen und Überwachungssysteme umfassen.
- In dieser Aufgabe untersuchen Sie daher den ökonomischen Zusammenhang: Stehen höhere Ausgaben für Prävention und Kontrolle in einem messbaren Verhältnis zu geringeren Schäden? Sie werden analysieren, ob Bundesländer, die mehr in ihre Forstverwaltung investieren, tendenziell niedrigere Brandkosten und -verluste aufweisen.
Erstellen Sie 2 Punktediagramme in denen Sie für jedes Bundesland und für jedes Jahr in ihrem Datensatz die
- Forstverwaltungskosten (in Tsd. Euro),
- die Sonstigen Kontrollkosten (in Tsd. Euro),
auf der x-Achse abtragen und auf der y-Achse jeweils die logarithmierten wirtschaftlichen Verluste darlegen. Verwenden Sie hier nun alle Bundesländer (ohne die Gesamtwerte für Deutschland) im Datensatz, um ein Gesamtbild zu erhalten und ordnen Sie die 2 Diagramme so an, dass ein Vergleich zwischen den Schaubildern schnell und einfach möglich ist. Beschreiben und interpretieren Sie die Diagramme. Gehen Sie hierbei insbesondere auf folgende Fragen ein:
- Welche Zusammenhänge erkennen Sie zwischen den Ausgaben für Forstverwaltung bzw. Kontrollmaßnahmen und den wirtschaftlichen Verlusten?
- Stützen die Grafiken auf den ersten Blick die Hypothese, dass höhere Präventionsausgaben mit geringeren Schäden einhergehen?
- Warum ist die Verwendung einer logarithmischen Skala für die wirtschaftlichen Verluste methodisch sinnvoll?
- Vergleichen Sie die jährlichen Präventionskosten pro Bundesland mit den wirtschaftlichen Gesamtverlusten in Deutschland aus Aufgabe 11. Was fällt Ihnen auf, wenn die Kosten einzelner Bundesländer über die Jahre hinweg teilweise ähnlich hoch sind wie die gesamten wirtschaftlichen Verluste?
- Diskutieren Sie, welche Ursachen dafür verantwortlich sein könnten, dass trotz hoher Präventions- und Kontrollkosten die Schäden nicht proportional reduziert werden. Welche Rückschlüsse lassen sich daraus für die Effizienz der Maßnahmen ziehen?
generelle Beschreibung
Die Grafiken zeigen die Beziehung zwischen der Höhe der Forstverwaltungskosten (links) bzw. der Höhe der sonstigen Kontrollkosten (rechts) und der Höhe der wirtschaftlichen Verluste, die bei Waldbränden für die einzelnen 16 Bundesländer in einem Jahr entstehen. Sie bilden den Zeitraum von 2018 bis 2024 ab. Deutlich zu erkennen ist, dass die meisten Bundesländer in diesen Jahren weniger als 1 Mio.€ pro Jahr für die Forstverwaltung ausgegeben haben. Bei den Ausgaben für die sonstigen Kontrollkosten im rechten Scatterplot ist etwas Änliches zu beobachten; hier liegen die jährlichen Ausgaben der Bundesländer meist unter 200 Tsd. €. Da beide Grafiken die wirtschaftlichen Verluste pro Jahr einzelner Bundesländer auf der Ordinate zeigen, ist die Range dieser Werte in beiden Grafiken gleich; sie reicht von einigen wenigen Tausend Euro bis hin zu knapp 5 Mio.€ jährlich. Dabei bewegen sich die meisten Datenpunkte nahe der y-Achse, sind also eher vertikal gestreut.
Zusammenhänge zwischen Ausgaben und Verlusten
Eigentlich würde man in beiden Scatterplots einen negativen
(linearen) Zusammenhang zwischen den Verlusten und Ausgaben vermuten: Je
höher die Ausgaben eines Bundeslandes in einem bestimmten Jahr, desto
mehr finanzielle Mittel für verschiedene Maßnahmen zur Begrenzung der
wirtschaftlichen Verluste bereitstehen und desto geringer würden dann
diese Verluste ausfallen. Diese Beziehung ist aber in keiner der beiden
Grafiken erkennbar. Interessanterweise bewegen sich die wirtschaftlichen
Verluste bei vergleichsweise hohen Ausgaben für die Forstverwaltung von
über 2 Mio.€ sogar teilweise im Bereich von 100 Tsd €. Verglichen mit
den anderen Datenpunkten haben die höheren Ausgaben also nicht unbedingt
zu niedrigeren Verlusten geführt.
Außerdem gibt es auch Jahre, in
denen manche Bundesländer selbst mit geringen Forstverwaltungskosten von
weniger als 10 Tsd. € nur geringe Verluste von unter 1 Tsd.€ verzeichnen
mussten. Auch bei den sonstigen Kontrollkosten implizieren höhere
Ausgaben nicht unbedingt geringere Verluste. Hier befinden sich die
Datenpunkte sogar noch deutlicher auf einer vertikalen Linie nahe der
y-Achse. Die wirtschaftlichen Verluste scheinen also für die gleich hohe
Ausgaben für Kontrollkosten unterschiedlich hoch auszufallen.
In
beiden Grafiken ist deutlich zu erkennen, dass die wirtschaftlichen
Verluste für die gleiche Höhe an jährlichen Ausgaben eines Bundeslandes
unterschiedlich hohe Beträge annehmen. Das könnte bedeuten, dass die
Höhe der wirtschaftlichen Verluste unabhängig von der Höhe der Ausgaben
für die Forstverwaltung bzw. die sonstigen Kontrollkosten ist.
Hypothese: Gehen höhere Präventionsausgaben mit geringeren finanziellen Schäden einher?
Aus obiger Analyse sowie der Verteilung der Datenpunkte lässt sich die Hypothese nicht bestätigen. Würden höhere Präventionsausgaben dazu führen, dass die wirtschaftlichen Verluste geringer ausfielen, müssten sich die Punkte in den Scatterplot auf einer linearen Kurve mit negativer Steigung befinden. Je näher diese Steigung bei -1 wäre, desto stärker wäre die Korrelation zwischen Forstverwaltungskosten und wirtschaftlichen Verluste. Da die Punkte sich hier aber eher auf einer Vertikalen befinden, erklärt die Höhe der Ausgaben der Bundesländer die durch Waldbrände entstehenden Schäden eher weniger gut. Wie oben bereits erwähnt, scheint der finanzielle Schaden unabhängig von den Ausgaben zu sein.
Sinn hinter der log-Skala
Die Logarithmierung der y-Achse ist hier angebracht, weil die Höhe der wirtschaftlichen Verluste (die ja auf dieser Achse dargestellt werden) eine enorme Spannweite aufweist. Würden die Daten ohne eine log-Skalierung gezeigt werden, würden sich die kleineren Werte im unteren Bereich der Grafik ballen, weil die Schritte auf der Achse dann immer die gleiche Differenz hätten und große Werte die Achse somit extrem weit auseinanderzögen. Durch die Verwendung einer log-Skala haben aufeinanderfolgende Schritte aus der Achse das gleiche Verhältnis, statt wie bei einer linearen Skala die gleiche Differenz. So können die Werte, die in einem großen Intervall liegen, besser veranschaulicht und interpretiert werden. In unserem Fall liegt das Verhältnis wegen einer log10-Skalierung bei 10, sodass die extreme Breite der Werte übersichtlich dargestellt werden kann.
Vergleich der Präventionskosten mit den Gesamtverlusten
In den meisten Jahren bewegen sich die wirtschaftlichen Verluste in Gesamtdeutschland zwischen rund 1 Mio.€ und 2,5 Mio.€ (siehe Aufgabe 11). Manche Länder geben solche Summen in einzelnen Jahren allein für die Forstverwaltung aus. Bei solch hohen Ausgaben verringern sich die Gesamtverluste aber nicht weiter, was die Frage aufwirft, ob die höheren Ausgaben überhaupt zielführend sind. Die sonstigen Kontrollkosten pro Bundesland fallen bei diesem Vergleich kaum ins Gewicht, da sie in den wenigsten Jahren mehr als 100 Tsd. € betragen. Auf den ersten Blick würde man zu der Folgerung kommen, dass die höheren Verwaltungs- und Kontrollkosten Geldverschwendung sind.
mögliche Ursachen für die mangelnde Wirksamkeit
Wie wir gesehen haben, stehen höhere Ausgaben für die Forstverwaltung
und Kontrolle nicht unbedingt für geringere wirtschaftliche Verluste.
Das liegt unter anderem daran, dass höhere Ausgaben nicht zwangsläufig
mit mit einer höheren Effektivität der Präventionsmaßnahmen
gleichzusetzen sind. Es kann sein, dass der Verwaltungsaufwand durch
mehr Präventionsmaßnahmen überproportional stark ansteigt, sodass ein
größerer Anteil des zusätzlichen Geldes in die Finanzierung zusätzlicher
Bürokratie fließt. In der obigen Grafik ist nur die Höhe der Ausgaben,
aber nicht der genaue Zweck aufgeführt, weshalb sich diese Hypothese mit
den vorliegenden Daten nicht weiter untersuchen lässt. Außerdem könnte
es sein, dass die zusätzlichen Ausgaben in ineffizienten Zusatzmaßnahmen
versickern, die eigentlich keine Wirkung zeigen.
Des Weiteren wäre
es genauso gut möglich, dass die derzeitigen Maßnahmen generell nicht
effizient genug sind, um die wirtschaftlichen Verluste merklich
einzudämmen.
Man sollte sich aber auch immer vor Augen halten, dass
extreme Brände (mit denen dann auch hohe wirtschaftliche Verluste
einhergehen) auch trotz hoher Ausgaben möglich sein können, da
Präventions-& Kontrollmaßnahmen nicht alle Faktoren, die Brände
begünstigen, ausschließen können. Es wäre beispielsweise auch denkbar,
dass die Verluste in den Jahren, in denen die Bundesländer besonders
viel für Verwaltung und Kontrolle ausgegeben haben, ohne diese hohen
Ausgaben noch größer ausgefallen wären. Das wäre die Frage nicht etwa,
ob die Maßnahmen ineffizient waren, sondern vielmehr, ob die
wirtschaftlichen Verluste überhaupt durch bestimmte Maßnahmen begrenzt
bzw. kontrolliert werden können.
Saisonale Unterschiede in Deutschland
Wie Sie zuvor gesehen haben, ist der überwiegende Teil der Waldbrände in Deutschland auf menschliches Handeln zurückzuführen. Gleichzeitig zeigen die bisherigen Analysen, dass ein höheres Ausgabenvolumen für Prävention und Kontrolle nicht automatisch mit geringeren Schäden korreliert. Um die Ursachen für die Schwankungen der Schäden besser zu verstehen und Präventionsmaßnahmen gezielt einzusetzen, lohnt es sich, die Betrachtung von der jährlichen auf die monatliche Ebene zu verfeinern. So können saisonale Muster und Zeiträume mit besonders hohem Brandrisiko identifiziert werden.
- Erstellen Sie ein kombiniertes Diagramm, in dem die monatliche Entwicklung der Waldbrände in Deutschland von 2018 bis zum aktuellen Jahr dargestellt wird:
- Hierbei soll als Balkendiagramm die verbrannte Fläche (in Hektar) pro Monat abgetragen werden und als Liniendiagramm wird die Gesamtanzahl der Brände pro Monat gezeigt.
- Verwenden Sie die monatlich aggregierten Daten aus Ihrem Datensatz
waldbraendefür Gesamtdeutschland. - Achten Sie auf eine übersichtliche Darstellung, mit klarer Achsenbeschriftung und Datum auf der x-Achse.
Beschreiben und interpretieren Sie anschließend ihre Grafik und beantworten Sie hierbei folgende Fragen:
- In welchen Monaten treten typischerweise die meisten Brände auf und wann ist die verbrannte Fläche am größten?
- Vergleichen Sie die Spitzen der Brandanzahl mit den Spitzen der verbrannten Fläche. Fallen diese immer zusammen?
- Welche möglichen Ursachen könnte es geben, wenn es Monate mit vielen kleinen, aber wenigen großen Bränden gibt?
- Welche Gründe könnten erklären, dass die Brände in den Sommermonaten über die Jahre stark schwanken?
generelle Beschreibung
Das Diagramm zeigt die Brandanzahl sowie die verbrannte Fläche pro Monat auf der y-Achse und den beobachteten Zeitraum von 2018-2024 auf der x-Achse. Die Balken zeigen die in einem entsprechenden Monat verbrannte Fläche, während die Linie die Entwicklung der monatlichen Anzahl der Brände darstellt. Die Monatswerte beziehen sich auf Gesamtdeuschland. Sowohl an der Anzahl der Brände als auch bei der dabei zu Schaden gekommenen Fläche lässt sich erkennen, dass Waldbrände zyklisch auftreten, auch wenn diese Zyklen von Jahr zu Jahr mehr oder weniger stark ausfallen. Insgesamt schwankt die verbrannte Fläche stärker als die Anzahl der Brände, was auf unterschiedliche Größen der Waldbrände pro Monat hindeutet.
Monate mit den meisten Bränden bzw. der meisten verbrannten Fläche
Die meisten Brände treten in den Sommermonaten von Juni bis September auf, wobei die Brandanzahl insbesondere 2018 und 2022 sehr hoch war. Auch die meiste Fläche verbrennt im Sommer. Darüber hinaus ist vor allem an der Anzahl der Brände erkennbar, dass die Waldbrandsaison zweigeteilt ist: Die Zahl der Brände steigt oft im Frühjahr (April oder Mai), fällt dann kurz ab und steigt dann in den Sommermonaten wieder an; meistens auf ein noch höheres Niveau. Dies war beispielsweise 2018, 2019 und 2022 sehr gut erkennbar.
Vergleich: Spitzen Brandanzahl vs. Spitzen verbrannter Fläche
Die Spitzen der Brandanzahl und der verbrannten Fläche fallen nicht immer zusammen, jedoch zeigt sich schon eine gemeinsame Tendenz zwischen Brandanzahl und Fläche, beispielsweise 2019 und 2022. Die Größe der Brände variiert aber von Jahr zu Jahr. Dies wird unter anderem beim Vergleich von 2019 und 2020 deutlich: Obwohl es in beiden Jahren zu etwa gleich vielen Bränden kam, ist 2019 mehr Fläche verbrannt als 2020, was die Vermutung zulässt, dass die Brände 2019 im Schnitt mehr Hektar Waldfläche vernichtet haben als 2020.
mögliche Ursachen für viele kleine Brände im Monat
Eine mögliche Erklärung wäre, dass in den Monaten mit vielen eher kleineren Bränden diese zwar schnell auftreten, sich aber nicht so rasant ausbreiten, sodass man sie noch in den Griff bekommen kann. Dies könnte witterungs–& trockenheitsbedingt der Fall sein. Es wäre auch möglich, dass in diesen Monaten eher mit Waldbränden gerechnet wurde, sodass die Reaktionszeit kürzer war und sie schneller gelöscht werden konnten.
mögliche Ursachen für die Schwankungen unter den Sommern
Je nachdem, wie trocken die Sommer sind, ist zum einen das Auftreten und zum anderen auch die schnelle Ausbreitung eines Waldbrandes wahrscheinlicher. In Sommern mit langen Hitze- und Dürreperioden treten deshalb besonders viele und/ oder verheerende Brände auf. In diesen Sommern überschreitet das Ausmaß der Waldbrände dann oft die verfügbaren Löschkapazitäten, sodass sie fast unkontrollierbar werden und dann besonders heftig ausfallen. Es könnte jedoch auch sein, dass die Waldbrandgefahr insbesondere in den Jahren, in denen viel Fläche verbrannt ist, unterschätzt wurde und deshalb beispielsweise zu wenig Kapazitäten für das Löschen der Brände bereitgestellt wurden.
Fazit
Abschließend folgt daraus, dass bereits im Frühjahr mit Waldbränden gerechnet werden muss und dass in insbesondere trockenen Jahren genügend Maßnahmen ergriffen werden müssen, um große Flächenverluste begrenzen zu können.
Unterschiede in Ost- und Westdeutschland
Nachdem Sie die Waldbranddynamik auf nationaler Ebene sowohl jährlich als auch saisonal analysiert haben, sollen Sie nun in die regionale Ebene einblicken. Eine deutschlandweite Betrachtung kann lokale Besonderheiten überdecken, die für gezielte politische Maßnahmen entscheidend sind. Um die strukturellen Unterschiede innerhalb Deutschlands besser zu verstehen, führen Sie eine vergleichende Analyse durch und konzentrieren sich auf zwei Bundesländer, die in den letzten Jahren besonders stark von Waldbränden betroffen waren, aber sehr unterschiedliche geografische und ökonomische Rahmenbedingungen aufweisen: Brandenburg im Osten und Bayern im Westen. Brandenburg, mit seinen sandigen Böden und ausgedehnten Kiefernwäldern, gilt als eine der trockensten und brandanfälligsten Regionen Deutschlands. Bayern hingegen ist durch seine Voralpenlage, Mischwälder und eine andere Wirtschaftsstruktur geprägt. Dieser Vergleich ermöglicht es zu untersuchen, ob es systematische Unterschiede im Schadensausmaß und in den wirtschaftlichen Verlusten zwischen Ost- und Westdeutschland gibt.
- Erstellen Sie eine deskriptive Tabelle für die Jahre 2022 und 2023, die für Bayern und Brandenburg folgende Kennzahlen darstellt:
- Gesamtzahl der Brände
- Gesamtfläche der Brände (ha)
- Durchschnittliche Fläche pro Brand (ha/Brand)
- Gesamte wirtschaftliche Verluste (in Tsd. €)
- Verlust pro Hektar (in €/ha)
Beschreiben und interpretieren Sie ihre Tabelle und gehen insbesondere auf folgende Aspekte vertieft ein:
- Welches der beiden Bundesländer verzeichnet absolut gesehen mehr Brände und größere Flächenverluste?
- Welches Bundesland hat die höheren ökonomischen Verluste pro Hektar?
- Was könnte dieser Unterschied über den Wert und die Art der Wälder (z.B. Nutzwald vs. Schutzwald, Holzpreise) in den beiden Regionen aussagen?
- Basierend auf diesen Zahlen, würden Sie argumentieren, dass das “Waldbrandproblem” in beiden Bundesländern gleich gravierend ist, oder manifestiert es sich auf unterschiedliche Weise (z.B. häufige, aber weniger wertvolle Flächenbrände vs. seltenere, aber teurere Schäden)?
| Waldbrandschäden im Vergleich: Bayern vs. Brandenburg | ||||
| Kennzahlen für die Jahre 2022 und 2023 | ||||
| Kennzahl |
Bayern
|
Brandenburg
|
||
|---|---|---|---|---|
| 2022 | 2023 | 2022 | 2023 | |
| Gesamtzahl der Brände | 145 | 75 | 523 | 251 |
| Gesamtfläche der Brände (ha) | 214 | 44 | 1 426 | 765 |
| Durchschnittliche Fläche pro Brand (ha/Brand) | 1,48 | 0,59 | 2,73 | 3,05 |
| Gesamte wirtschaftliche Verluste (Tsd. €) | 297,06 | 197,64 | 13,60 | 6,90 |
| Verlust pro Hektar (€/ha) | 1 388,13 | 4 491,82 | 9,54 | 9,02 |
Beschreibung der Tabelle
Die Tabelle vergleicht die Schäden, die in Bayern und Brandenburg jeweils 2022 und 2023 von Waldbränden verursacht wurden. Dabei werden fünf Kennzahlen herangezogen, um die Vergleichbarkeit zu erhöhen. Es werden pro Jahr und Bundesland die Gesamtanzahl der Brände, die gesamte verbrannte Fläche in Hektar sowie die Durchschnittsfläche pro Brand, die gesamten wirtschaftlichen Verluste und der Verlust, der auf einen Hektar Waldfläche im Schnitt entfiel, aufgelistet.
Welches der beiden Bundesländer verzeichnet absolut gesehen mehr Brände und größere Flächenverluste?
Brandenburg liegt in dieser Hinsicht vorn. Die Tabelle zeigt, dass es
sowohl 2022 als auch 2023 eine deutliche höhere Anzahl an Waldbränden
und eine größere verbrannte Gesamtfläche hinnehmen musste als Bayern.
Brandenburg verzeichnete 2022 523 Brände, die eine Fläche von 1.426
Hektar vernichteten, während es in Bayern lediglich 145 Brände auf 214
Hektar waren. Auch im Jahr danach gab es in Brandenburg mehr Brände als
in Bayern, wobei sowohl insgesamt als auch auf den Hektar gerechnet mehr
Fläche zu Schaden kam. Dabei waren die Brände in Brandenburg in beiden
Jahren auch größer als in Bayern: Während in Bayern nur 1,48 bzw. 0,59
Hektar pro Brand anfielen, ist dieser Durchschnitt in Brandenburg von
2,73 auf 3,05 Hektar pro Brand angestiegen.
Der Unterschied
könnte vor allem darin begründet sein, dass die Wälder in Brandenburg
beispielsweise von höherer Trockenheit der Böden oder leichter
brennbaren Baumarten geprägt sind, wodurch sich Waldbrände einerseits
leichter entzünden und andererseits auch schneller ausbreiten.
Welches Bundesland hat die höheren ökonomischen Verluste pro Hektar?
Die größeren ökonomischen Verluste pro Hektar €/ha hatte jedoch Bayern zu verzeichnen. Der Unterschied zwischen den beiden Bundesländern ist hierbei enorm, da Brandenburg 2023 pro Hektar nur etwa 9€ verlor; Bayern jedoch 4.491,82€ pro Hektar verbuchen musste. Weiterhin fällt auf, dass sich der Verlust pro Hektar im betrachteten Zeitraum in Brandenburg kaum verändert hat, während er sich in Bayern von 2022 auf 2023 mehr als verdreifachte. Folglich brennt es in Brandenburg zwar öfter, jedoch ist der Schaden auf den Hektar gerechnet nicht so hoch wie bei den Bränden in Bayern.
Was könnte dieser Unterschied über den Wert und die Art der Wälder in den beiden Regionen aussagen?
Die extreme Differenz bei den Verlusten pro Hektar zwischen den
Bundesländern lässt Vermutungen über die Holzart zu, die in den
betroffenen Wäldern wächst. Dies wirkt sich dann letztendlich auch auf
den Wert der Wälder und somit wiederum auf die Höhe der Verluste aus.
In Brandenburg wurden meist geringwertige oder junge Bestände
beschädigt. Das sind oft die schnell wachsenden Nadelhölzer wie die
Kiefer, die für die Holzindustrie angebaut werden, aber pro Hektar einen
relativ niedrigen Wert haben. Der Schaden bemisst sich hier primär in
der Fläche statt des Werts, da in Brandenburg zwar viel Waldfläche pro
Jahr durch Brände vernichtet wird, der daraus resultierende finanzielle
Schaden mit 9 bis 10€ pro Hektar jedoch vergleichsweise gering ausfällt.
Es gilt aber zu beachten, dass die Wälder in Brandenburg überwiegend
Nutzwälder sind. Somit wirken sich die Waldbrände in Brandenburg auch
auf die Holzindustrie aus, da mit den Bränden ein Rohstoffverlust
einhergeht. Für die Besitzer des Holzes entsteht durch die Brände auch
ein Einkommensverlust.
In Bayern sind es oft “teurere Wälder”, die beschädigt werden. Das Holz in den bayrischen Wäldern ist wertvoller, wobei die Wälder in Bayern im Gegensatz zu denen in Brandenburg auch wichtige Schutzfunktionen (wie etwa die des Lawinenschutzes oder der Wasserspeicherung) erfüllen. Wenn hier ein Wald anfängt zu brennen, sind der Schaden am Kapitalwert und die Kosten für die Wiederaufforstung mit geeigneten, robusten Baumarten höher als bei simpleren Nadelhölzern wie in Brandenburg. Somit ist das Waldbrandproblem in beiden Bundesländern sehr präsent, jedoch auf eine unterschiedliche Art und Weise. Es ist in beiden Bundesländern ein ernst zu nehmendes Problem, da Waldbrände sowohl Umweltschäden als auch finanzielle Schäden für die Forstbetriebe verursachen.
Fazit: Das Waldbrandproblem in Bayerns und in Brandenburg - Qualitätsprobleme vs. Quantitätsprobleme
Brandenburgs primäres Problem ist das Ausmaß der Brände, sowohl was
die Brandanzahl als auch die verbrannte Fläche betrifft. Dort müssen die
vielen, sich schnell ausbreitenden Brände in den Griff zu bekommen
werden. Eine frühe Erkennung und optimierte Maßnahmen zur
Waldbrandbekämpfung könnten dazu beitragen, Fläche und Anzahl von
Waldbränden zu verringern und somit auch eventuelle Auswirkungen auf die
Holzindustrie zu begrenzen.
In Bayern manifestiert sich das
Waldbrandproblem eher in den wirtschaftlichen Verlusten. Das dort
verbrannte Holz ist deutlich wertvoller als das in Brandenburg, zudem
erfüllt es wichtige Schutzfunktionen. Der Wert der bayrischen Wälder
drückt sich also nur teilweise im Marktwert des Holzes aus, da der Wert
des Schutzes hier nicht quantifiziert wird. Für Bayern ist die
Eindämmung der Waldbrände also nicht nur von wirtschaftlichem Interesse,
sondern trägt auch zur Sicherheit vor Naturgefahren wie Lawinen oder
Steinschlägen in den umliegenden Gebieten bei. Der Schutz von
Schlüsselgebieten spielt hier also eine zentrale Rolle.
Da die
Wälder in den beiden Bundesländern unterschiedliche Funktionen erfüllen
und die Brände unterschiedliche Probleme hervorrufen, sind Vergleiche
zwischen Bayern und Brandenburg auch wenig aussagekräftig. Je nachdem,
wie man die entstandenen Probleme gewichtet, bewertet man das
Waldbrandproblem der beiden Bundesländer auf unterschiedliche Weise.
Eine Aussage darüber, welches Problem schlimmer ist, kann deshalb nicht
ohne Weiteres getroffen werden.
Die folgende Analyse schlüsselt die Verluste für die Jahre 2022 und 2023 für Bayern und Brandenburg weiter auf. Hier sollen Sie betrachten, wie groß die Verluste an hochpreisigem Stammholz und an günstigerem Industrieholz sind.
- Erstellen Sie für die Jahre 2022 und 2023 ein Balkendiagramm, das die strukturellen Unterschiede der Waldbrandschäden in Bayern und Brandenburg visualisiert. Hierbei soll der absolute Verlust von Stammholz (in Festmetern, m³) und Industrieholz (in Festmetern, m³) für beide Bundesländer und beide Jahre vergleichend dargestellt werden.
Beschreiben und interpretieren Sie das Diagramm und gehen Sie dabei insbesondere auf folgende Aspekte ein:
- Vergleichen Sie die Entwicklung von 2022 zu 2023 in ihrem Diagramm. Welche Trends oder signifikanten Veränderungen fallen Ihnen auf?
- Welche ökonomischen Schlussfolgerungen lassen sich aus ihren Ergebnissen über die Art der geschädigten Wälder in den beiden Bundesländern ziehen?
Beschreibung des Diagramms
Das Balkendiagramm zeigt die absoluten Verluste an Holz in m3, aufgeschlüsselt nach Stammholz und Industrieholz, die in Bayern und Brandenburg 2022 bzw. 2023 infolge von Waldbränden entstanden sind. Absolut betrachtet verzeichnete Bayern 2022, Brandenburg hingegen 2023 die größten Gesamtverluste an Holz. Das Verhältnis an Industrie- und Stammholz unterscheidet sich in beiden Ländern jedoch deutlich: Während in Brandenburg eher Industrieholz verbrennt, betreffen Waldbrände in Bayern eher Stammholz.
Vergleich von 2022 und 2023
Im Jahr 2022 waren die gesamten Holzverluste in beiden Bundesländern
deutlich geringer als 2023. Dabei fällt auf, dass Bayern in beiden
Jahren mehr Stammholz- als Industrieholzverluste verzeichnen musste,
während dieses Verhältnis in Brandenburg genau umgekehrt ist. Auch hier
spiegelt sich also wieder, dass das Holz in den Wäldern der beiden
Bundesländer für unterschiedliche Zwecke verwendet wird.
Weiterhin
zeigt sich, dass die Holzverluste in Brandenburg von 2022 auf 2023 um
einiges stärker gestiegen sind als in Bayern, sowohl was das Industrie-
als auch das Stammholz betrifft. In Brandenburg haben sich die Verluste
in beiden Holzarten von weniger als 200 Tsd. m3 auf über 1,9
Mio. m3 beinahe verzehnfacht. In Bayern hingegen sind sie
lediglich von knapp 400 Tsd. m3 auf etwa 1,5 Mio.
m3 gestiegen.
2022 waren die gesamten Holzverluste in
Bayern also höher, allerdings nur wegen der Stammholzverluste. Die
Brandenburger Industrieholzverluste überstiegen in diesem Jahr die
bayerischen nämlich knapp. Auch im darauffolgenden Jahr überstiegen die
bayrischen Stammholzverluste die derer in Brandenburg, allerdings lagen
die Verluste von Industrieholz in Brandenburg mehr als doppelt so hoch
wie die in Bayern. 2023 waren die gesamten Holzverluste also in
Brandenburg größer, wobei sich die Dominanz von Bayern in den
Stammholzverlusten bzw. die von Brandenburg beim Industrieholz nicht
veränderte.
ökonomische Schlussfolgerung über die Art der geschädigten Wälder
Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass das Holz in den Wäldern
Brandenburgs für andere Zwecke genutzt wird als das in den Wäldern
Bayerns. Dies erklärt und bestätigt auch den enormen Unterschied
zwischen den beiden Bundesländern bei den Verlusten pro Hektar aus
Aufgabe 16. Waldbrände in Bayern führen eher zu Stammholzverlusten,
während in Brandenburg eher Industrieholz verbrennt. In welchem
Bundesland die Waldbrände stattfinden, beeinflusst dementsprechend
unterschiedliche Branchen. Ein Unternehmen, das eher auf Stamm- als auf
Industrieholz angewiesen ist, ist vermutlich stärker von Waldbränden in
Bayern als in Brandenburg betroffen, da infolge von Waldbränden die
Rohstoffpreise steigen könnten.
Maßnahmen für die Bekämpfung von
Waldbränden schützen also je nachdem, wie effizient sie in welchem
Bundesland sie umgesetzt werden, verschiedene Industrien. Sind
Waldbrände in einem bestimmten Bundesland bereits aufgetreten, sit es
demnach sinnvoll, Unterstützungsmaßnahmen auf die entsprechend
betroffene Branche zu fokussieren, statt mit dem Gießkannenprinzip zu
arbeiten. So könnte eine zielgerichtetere Unterstützung der
Holzwirtschaft gewährleistet werden.
Nachdem Sie in den vorherigen Aufgaben die Entwicklung der Waldbrände in Deutschland über die Jahre hinweg analysiert haben, zunächst auf Jahres- und dann auf Monatsebene, sowie getrennt nach Ost- und Westdeutschland, sollen Sie nun die ökonomische Wirksamkeit möglicher Gegenmaßnahmen bewerten.
- Die Politik diskutiert verschiedene Ansätze, um das wachsende Problem der Waldbrände zu adressieren. Analysieren und bewerten Sie die folgenden drei Strategien unter dem Gesichtspunkt von Kosten und Nutzen. Argumentieren Sie, warum diese Maßnahmen sinnvoll oder weniger sinnvoll sein könnten und in welcher Form sie umgesetzt werden könnten:
- “Abschreckung und Strafen: Eine signifikante Erhöhung der Bußgelder und Strafen für fahrlässige Brandstiftung (z.B. weggeworfene Zigaretten) und vorsätzliche Brandlegung.”
- “Anreize für Waldumbau: Staatliche Subventionen und Förderprogramme für private und kommunale Waldbesitzer, um den Umbau von anfälligen Monokulturen (z.B. Kiefernwälder) in klimaresilientere und weniger brennbare Mischwälder zu beschleunigen.”
- “Investition in Technologie: Ein flächendeckender Ausbau der technischen Überwachung durch moderne Systeme wie Drohnen mit Wärmebildkameras, Satellitenüberwachung und ein dichtes Netz an Sensoren zur Früherkennung.”
Hinweis: Beziehen Sie sich auf die vorherigen Aufgaben. Diskutieren Sie auch, welche Maßnahmen zu den beobachteten Schadensmustern, saisonalen Schwankungen und regionalen Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland passen, und bedenken Sie Kosten-Nutzen-Aspekte.
Abschreckung und Strafen
Die Strategie der Abschreckung und Strafen zum Beispiel durch
signifikant erhöhte Bußgelder für fahrlässige Brandstiftung, adressiert
zwei wichtige Ursachen von Bränden: Fahrlässigkeit (da die Kosten
unvorsichtigen Handelns erhöht werden) und insbesondere Brandstiftung
bzw. Vorsatz. Dieser Ansatz bietet grundsätzlich einen hohen Nutzen pro
eingesetztem Euro, da die Kosten für die Erhöhung von Strafen und
Bußgeldern gering sind, während die Abschreckungswirkung im besten Falle
hoch ist. Mit Blick auf die Analyse der Brandanzahl und der verbrannten
Fläche nach Ursache in Aufgabe 13 erkennt man, dass durch eine wirksame
Abschreckung einige hundert Brände pro Jahr verhindert werden könnten.
Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob bzw. wie oft
Brandverursacher überhaupt erwischt werden. Da viele Brandursachen
ungeklärt bleiben, stellt sich die Frage, wie viele davon eigentlich
auch in die Kategorien “Brandstiftung” oder “Fahrlässigkeit” gehören.
Die Sanktionen können ihre abschreckende Wirkung nämlich nur entfalten,
wenn es eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass die
Brandstiftung bzw. die fahrlässige Brandverursachung überhaupt
aufgeklärt wird.
Des Weiteren muss infrage gestellt werden, warum
die Strafen, mit denen die Verursachung von Waldbränden derzeit
saktioniert wird, nicht ausreichen. Daraus stellt sich dann die
Folgefrage, ob eine Erhöhung der Sanktionen überhaupt noch eine Wirkung
zeigt bzw. einen Nutzen hat. Falls die Wirkung nur marginal abschreckend
wirkt, übersteigen die Grenzkosten sozusagen den Grenznutzen der
Sanktionserhöhung, wodurch diese Methode nicht effizient genug wäre.
Wie sinnvoll diese Maßnahme also ist, hängt davon ab, wie stark der
Einfluss einer Straferhöhung also auf potenzielle Brandverursacher wirkt
und wie erfolgreich die Strafverfolgung der Verursacher ist. Abseits vom
Faktor Mensch trägt diese Methode aber nicht dazu bei, die
Brandanfälligkeit der Wälder zu senken. Dies wäre insbesondere in
besonders trockenen Perioden sowie zur Eindämmung von großflächigen
Bränden wünschenswert. Auch werden andere Brandursachen dadurch nicht
bekämpft. Deshalb ist eine Ergänzung um weitere Maßnahmen auf jeden Fall
notwendig.
Anreize für den Waldumbau
Anreize für den Waldumbau mittels staatlicher Subventionen würden zur
oben genannten Verringerung der Brandanfälligkeit beitragen. Die
erhoffte Wirkung wäre, dass durch den Umbau erstens weniger Brände
auftreten, und zweitens das Ausmaß der Brände (bezogen auf die Fläche)
verringert wird. Diese Maßnahme würde bei allen Ursachen wirken und
könnte die Spitzen der Brandanzahl (wie in Aufgabe 15 gesehen)
eindämmen. Brandenburg würde beispielsweise von einer solchen Maßnahme
profitieren, da wir bei den Analysen der Aufgaben 16 und 17 gesehen
haben, dass insbesondere dort Monokulturen zur Gewinnung von
Industrieholz angebaut werden. Die Subventionen müssten dann vor allem
gezielt an Privatwaldbesitzer gehen, da diese den größten Anteil an der
verbrannten Fläche und der Brandanzahl haben (vgl. Aufgabe 12). Wenn
diese ihre Wälder umbauen, könnte viel Waldfläche durch die Verhinderung
von Großbränden gerettet werden. Diese Strategie ist auch die
nachhaltigste.
Zu bemängeln ist an diesem Ansatz allerdings,
dass die Umsetzung sehr lange dauert. Ein Umbau des Waldes wird nicht
von heute auf morgen vollzogen, sondern dauert viele Jahre bis
Jahrzehnte. Bis diese Maßnahme also ihre Wirkung entfacht, sind auf
jeden Fall noch zusätzliche Maßnahmen nötig. Außerdem könnten
bürokratische Prozesse die Umsetzung verzögern. Es müsste geklärt
werden, aus welchem konkreten Budget die Maßnahmen gezahlt werden
(denkbar wäre eine Finanzierung über den ELER), ob sie über Förderbanken
wie die Landwirtschaftliche Rentenbank oder andere Wege ausgezahlt
werden, welche Kriterien erfüllt werden müssen, um die Förderung zu
erhalten und welchen Anteil der Umbaukosten die Subventionen überhaupt
decken sollen. Die Kosten für diesen Zusatzaufwand lassen sich wohl am
geringsten halten, wenn bereits bestehende Förderprogramme modifiziert
werden und entsprechend vorhandene Auszahlungsstrukturen verwendet
werden. Aus rein finanzieller Sicht stellt sich dabei die Frage, ob die
Kosten für den Umbau (seien es direkte Subventionskosten oder wegen der
zusätzlichen Bürokratie) die finanziellen Schäden, die durch Waldbrände
entstehen, nicht sogar überschreiten. Aus Aufgabe 11 wissen wir, dass
sich letztere auf Beträge von meist 2-3 Mio.€ pro Jahr belaufen.
Dazu kommt die Einsicht aus Aufgabe 16, dass großflächige Brände nicht
unbedingt mit hohen Wertverlusten einhergehen - eventuell liegen die
Schäden, die man sich durch den Umbau von Monokulturen spart, also sogar
unter den vorher genannten Millionenbeträgen. Dies ist aber nur eine
Seite der Medaille, da die Schäden sich schließlich nicht nur in der
finanziellen Dimension auswirken, sondern auch die Umwelt beeinflussen
(beispielsweise durch die Freisetzung enormer Mengen an CO2.
Diese Maßnahme ist also eher auf die lange Frist ausgelegt und mit
hohen Kosten verbunden. Sie könnte aber in Zukunft einen großen Beitrag
dazu leisten, die Brandwahrscheinlichkeit zu verringern und stellt somit
eine sinnvolle und weitreichende Möglichkeit dar.
Investition in Technologie
Die Investition in Technologien wie Drohnen und Sensoren könnte die
Reaktionszeit auf Brände um einiges verkürzen und somit Großbrände
verhindern. Zwar wird die Entstehung eines Brands hierdurch nicht
unbedingt verhindert, allerdings könnten die Schäden auf ein Minimum
reduziert werden. Voraussetzung hierfür ist jedenfalls, dass auch genug
Kapazitäten zur Löschung der Brände verfügbar sind. Die Kosten für die
Überwachung wären initial zwar relativ hoch, jedoch würde sich diese
Investition aber durch die Minimierung der Schadenssummen schnell wieder
amortisieren. Insbesondere für die Wälder in Bayern, wo sehr hohe
Schadenssummen entstehen, wäre dieser Ansatz eine gute Lösung.
Demgegenüber steht die Erkenntnis, dass erhöhte Kontrollkosten nicht
immer zu einem reduzierten Schaden führen. Um die Wirksamkeit dieser
vielversprechenden Maßnahme zu testen, sollte also erstmal in Gebieten
ausprobiert werden, in denen der ökonomische Nutzen am höchsten ist.
Hierbei kommt Bayern mit seinen hochwertigen Wäldern infrage.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass keine dieser Strategien für sich allein ausreichend ist. Eine effektive Lösung sollte alle drei Ansätze nutzen: Waldumbau zur langfristigen Senkung der Brandlast, Technologie zur schnellen Reaktion und Strafen zur Adressierung der menschlichen Ursachen. Sie setzen bei unterschiedlichen Risikofaktoren an und sorgen somit für eine Bekämpfung der Waldbrände aus verschiedenen Bereichen heraus.
Zusatzfrage (optional)
Diese Frage ist von der Bearbeitung her etwas schwieriger. Bevor Sie sich an diese Aufgabe machen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie alle vorherigen Fragen ausführlich beantwortet haben. Eine korrekte Beantwortung dieser Frage gibt einen Punktebonus von 3 Punkten (das Projekt umfasst insgesamt 30 Punkte, inkl. Screencast).
In den vorangegangenen Aufgaben haben Sie eine umfassende Analyse der ökonomischen Rahmenbedingungen der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland durchgeführt. Sie betrachteten dabei sowohl die direkten Kosten und Förderungen auf nationaler Ebene als auch spezifische Treiber von Waldbrandschäden. Anschließend haben Sie den Fokus auf regionale Unterschiede verengt und gezeigt, dass beispielsweise in Bayern und Brandenburg die Dynamik von Waldbränden deutlich variiert. Ein Hinweis darauf, dass sowohl ökologische als auch ökonomische Faktoren lokal sehr unterschiedlich wirken.
Im nächsten Schritt weiten Sie den Blick nun auf die EU-Ebene. Sie analysieren die Verteilung und Entwicklung der Agrar- und Forstwirtschaftssubventionen über verschiedene Länder hinweg. Ziel ist es, die Gesamtbeträge pro Land und Jahr zu betrachten, Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten zu identifizieren und ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Förderungen innerhalb Europas verteilt sind und sich über die Jahre verändern.
- Lesen Sie den Datensatz
Finanzsubventionen_EU.csvein und speichern Sie diesen alseu_subventionenab. Filtern Sie nur für die Jahre ab 2010 und behalten Sie ausschließlich Länder (keine aggregierten EU-Werte). Verschaffen Sie sich nun einen ersten Überblick über ihren Datensatz. Beantworten Sie hierzu folgende Fragen:
- Welche Länder sind im Datensatz konkret enthalten?
- Über welchen Zeitraum erstreckt sich der Datensatz?
- Sie haben die Spalte
Indicator_Type. Recherchieren und erklären Sie die Bedeutung der darin enthaltenen TypenOutput_Pillar IundOutput_Pillar II. - Warum gibt es bei
Output_Pillar Idie Kategorien Direct Payments und Market Measures und beiOutput_Pillar IIRural Development. - Inwiefern sind die Indikatorentypen (
Indicator_Type) mit den verschiedenen Förderarten in Deutschland vergleichbar.
Berechnen Sie nun mit dem Datensatz eu_subventionen die
Gesamtsubventionen pro Land und Jahr. Gruppieren Sie hierzu nach
Member_Name (Land) und Time (Jahr). Summieren
Sie anschließend die Subventionen (Subsidy) pro Land und Jahr zu
Total_Subsidy und achten Sie darauf, fehlende Werte korrekt
zu behandeln. Speichern Sie dies wiederum in
eu_subventionen ab.
Hinweis: Den Datensatz hierfür haben wir für Sie wieder vorbereitet. Die Ursprungsdaten können hier eingesehen werden.
| Länder im Datensatz Finanzsubventionen_EU.csv |
| Ländername |
|---|
| Austria |
| Belgium |
| Bulgaria |
| Croatia |
| Cyprus |
| Czechia |
| Denmark |
| Estonia |
| Finland |
| France |
| Germany |
| Greece |
| Hungary |
| Ireland |
| Italy |
| Latvia |
| Lithuania |
| Luxembourg |
| Malta |
| Netherlands |
| Poland |
| Portugal |
| Romania |
| Slovakia |
| Slovenia |
| Spain |
| Sweden |
| Zeitraum der Beobachtungen in Finanzsubventionen_EU.csv |
| Jahre |
|---|
| 2010 |
| 2022 |
Im Datensatz enthaltene Länder
Der Datensatz enthält alle EU Mitgliedstaaten, die seit 2010 Teil der EU waren und Subventionen für die Agrarpolitik erhalten haben.In dem Filter sind insgesamt 27 Länder enthalten. Das ist die konkrete Liste der Länder: Austria, Belgium, Bulgaria, Croatia, Cyprus, Czechia, Denmark, Estonia, Finland, France, Germany, Greece, Hungary, Ireland, Italy, Latvia, Lithuania, Luxembourg, Malta, Netherlands, Poland, Portugal, Romania, Slovakia, Slovenia Spain, Sweden.
Zeitraum
Der Datensatz erstreckt sich von 2010 bis zum aktuellsten Jahr in der Datei.Der Code geht von 2010 bis 2022. Somit liegt Ihnen eine 13 jährige Zeitreihe der europäischen Agrarsubventionen vor.
Bedeutung von Output_Pillar 1 und Output_Pillar 2
Die in der Spalte Indicator_Type enthaltenen Bezeichnungen
Output_Pillar 1 und Output_Pillar 2 stehen für die zwei tragenden Säulen
der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Sie stellen eine finanzielle
Struktur dar über welche sämtliche Subventionen fließen.
Der
Output_Pillar 1 wird als 1.Säule bezeichnet. Sein Hauptzweck ist die
Markt und Einkommensstützung der landwirtschaftlichen Betriebe. Er zielt
darauf ab die Volatilität der Agrarmärkte abzufedern und den Landwirten
ein Mindesteinkommen zu sichern um in Krisenzeiten stets Sicherheits zu
bieten.
Der Output_Pillar 2 ist die 2.Säule der GAP. Im Gegensatz
zur 1.Säule ist ihr Fokus nicht die direkte Einkommenssicherung sondern
die langfristige strukturelle Entwicklung. Ihre Ziele sind breiter
gefächert und umfassen Umwelt, Klima- und Tierschutzmaßnahmen, die
Förderung von Investitionen in Betriebe sowie die Verbesserung der
ländlichen Infrastruktur. Diese Säule wird über den Europäischen
Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
finanziert.
Erklärung der Kategorien Direct Payments, Market Measures und Rural Development
Outpillar 1 muss zwei unterschiedliche Aufgaben bewältigen unzwar die Einkommensstützung und die Marktregulierung.
Direct Payments: Dies ist der größte Fond der GAP. Die Direktzahlungen sind in der Regel vom Produktionsvolumen entkoppelt und haben den Zweck, das Einkommen der Landwirte auf einer jährlichen, flächenbasierten Grundlage zu stabilisieren. Sie sind an die Einhaltung von Basisstandards gebunden und sind der Schutz gegen wirtschaftliche Risiken.
Market Measures: Diese kleineren flexibleren Maßnahmen ermöglichen es der EU, kurzfristig in Agrarmärkte einzugreifen als Krisenmanagement, Absatzförderung oder die Hilfe für die private Lagerhaltung. Sie sind darauf ausgelegt Ungleichheiten zu korrigieren und Marktverzerrungen zu stoppen.
Die 2.Säule (Output_Pillar 2) trägt den Namen Rural Development da ihre Mission die strukturelle Transformation ist. Sie finanziert keine direkten Einkommenshilfen sondern ist projektorientiert. Ziel ist es, Investitionen in die Modernisierung der Landwirtschaft zu lenken und die Wirtschaft und Infrastruktur im ländlichen Raum zu stärken.
Vergleichbarkeit der Indikatorentypen (Indicator_Type) mit den verschiedenen Förderarten in Deutschland
Die Indikatorentypen sind definitiv mit den deutschen Förderarten vergleichbar, da Deutschland als Mitgliedstaat verpflichtet ist, die Regeln der GAP umzusetzen. Outpillar 1: Die Mittel der Ersten Säule werden in Deutschland als Direktzahlungen an die Landwirte ausgezahlt. Dazu gehören die Basisprämie, die Öko-Regelungen und gekoppelte Zahlungen. Die Finanzierung erfolgt vollständig durch den EGFL, also den EU Haushalt.
Output_Pillar 2: Die Mittel für die Ländliche Entwicklung werden in Deutschland hauptsächlich über die Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes” und die ELER Fonds abgewickelt. Hierbei ist die nationale Komponente besonders wichtig: Die Bundesländer legen alle eigene Programme auf.
Nachdem Sie in der vorherigen Aufgabe die Gesamtsubventionen pro Land und Jahr berechnet haben, sollen Sie nun den Datensatz vorbereiten, um im weiteren Verlauf die Verteilung der Subventionen über Europa anschaulich darzustellen. Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Ländern und die Entwicklung über die Jahre interaktiv zu visualisieren. Hierfür können Sie im weiteren Verlauf Plotly nutzen, um eine dynamische Karte zu erstellen, die sich manuell über die Jahre steuern lässt.
- Um die Daten für die Visualisierung aufzubereiten und interaktiv darzustellen, laden Sie die folgenden Libraries:
library(rnaturalearth)library(rnaturalearthdata)library(plotly)
Mit rnaturalearth erhalten Sie die geometrischen Daten
der Länder für die Kartendarstellung. Speichern Sie in
europe wiefolgt die geometrischen Daten ab:
europe <- ne_countries(scale = "medium",continent = "Europe", returnclass = "sf")
Erstellen Sie nun den Datensatz plot_subventionen, indem
Sie die geometrischen Daten mit den aggregierten Subventionsdaten
verbinden. Selektieren Sie hierfür die Variablen name,
iso_a3 und geometry aus dem world-Datensatz,
joinen Sie dann den eu_subventionen-Datensatz über
name bzw. Member_Name und filtern Sie auf die
Daten zu denen Sie Subventionswerte haben.
Bevor Sie zu der interaktiven Visualisierung der Subventionen über Länder und Jahre übergehen, sollen Sie sich einen ersten Überblick über die Subventionen in der Vergangenheit verschaffen. Sie haben sich im bisherigen Projekt bereits ausführlich mit den Subventionszahlungen in Deutschland für 2023 und 2024 beschäftigt. Um zu sehen, in welchem Kontext Deutschland in der Vergangenheit stand, sollen Sie nun die 10 größten Länder nach Subventionszahlungen zwischen 2020 und 2022 darstellen und vergleichen.
- Erstellen Sie für die Jahre 2020 bis 2022 eine oder mehrere
geeignete Grafik(en), die die Subventionszahlungen der EU in den größten
Empfängerländern veranschaulichen. Hierbei soll einerseits die absolute
Höhe der Gesamtsubventionen für die Top 10 Länder über die drei Jahre
vergleichend dargestellt werden. Weiterhin sollen die Subventionen
gestapelt nach Jahr aufgeschlüsselt werden, sodass die Entwicklung der
Zahlungen pro Land über die Jahre 2020, 2021 und 2022 sichtbar wird.
Filtern Sie hierzu den Datensatz
plot_subventionenauf die Jahre 2020 bis 2022. Rechnen Sie die Subventionswerte geeignet um, damit sie lesbar dargestellt werden können.
Beschreiben und interpretieren Sie die Grafik(en) und gehen Sie dabei insbesondere auf folgende Aspekte ein:
- Vergleichen Sie die Entwicklung der Subventionen für die Top 10 Länder zwischen 2020, 2021 und 2022. Welche Trends fallen Ihnen auf?
- Gibt es Länder, bei denen die Subventionen während der 3 Jahre gestiegen oder gefallen sind? Welche möglichen Gründe könnten dies erklären?
- Welche Länder erhalten vergleichsweise geringere Förderungen, und wie lässt sich dies im europäischen Kontext einordnen?
- Was sind mögliche Ursachen für diese Verteilung? Recherchieren Sie mögliche Gründe, die auf die Landwirtschaft, erwirtschafteten Erträge und Entwicklung zurückzuführen sind.
Hinweis: Bestimmen Sie die Top 10 Länder nach Gesamtsumme über die drei Jahre.
Grafik 1: Entwicklung der absoluten Gesamtbeträgen in den 3 Jahren => pro Land einzelne Grafik? Grafik 2: Aufschlüsselung nach Jahr
Vergleich der Entwicklung der Subventionen für die Top 10 Länder zwischen 2020, 2021 und 2022
Der eindeutigste Trend ist die Stabilität der Fördermittel über drei Jahre insbesondere in den stärkeren Agrarländer. Länder wie Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien führen die Rangliste konstant mit nur kleinen jährlichen Schwankungen an. Dies zeigt dass die 1.Säule, den Hauptanteil des Volumens ausmacht. Die wenigen sichtbaren Schwankungen weisen auf die Dynamik der 2.Säule oder auf administrative Verschiebungen hin.
Länder mit Änderungen in den Subventionsbeträgen und mögliche Gründe
Es lassen sich leichte jährliche Schwankungen beobachten. Ein Rückgang in einem einzelnen Jahr kann häufig durch administrative Verzögerungen bei der Abwicklung komplexer Projekte der ELER-Fördermittel entstehen. Diese Mittel sind an Projektabschlüsse gebunden und können daher abweichend ausgezahlt werden. Zudem können Rückforderungen zu einem Rückgang führen. Ein Anstieg kann das Resultat der nachträglichen Auszahlung solcher verzögerter ELER-Projekte sein. Diese Bewegungen sind in der Regel keine Zeichen für politische Neuausrichtungen sondern spiegeln lediglich die bürokratische Abwicklungsdynamik und die nationalen Prioritäten bei der Kofinanzierung wieder.
Länder mit geringeren Förderbeträgen und Einordnung in europäischen Kontext
Länder welche nicht unter die Top 10 fallen, erhalten im Vergleich deutlich geringere Subventionen. Das lässt sich wie folgt erklären: Geringere Fläche: Die Verteilung der Direktzahlungen ist direkt an die landwirtschaftliche Nutzfläche eines Landes gekoppelt. Kleinere Länder verfügen über weniger Fläche, die subventioniert werden kann. Historische Verteilung: Historisch wurden Zahlungen anhand von Referenzjahren und nationalen Obergrenzen festgelegt, was bis heute zu Unterschieden führt. Im europäischen Kontext ist diese absolute Ungleichheit politisch sensibel, da die relative Abhängigkeit vom Subventionscheck in manchen Ländern oft wesentlich höher ist.
mögliche Ursachen für diese Verteilung
Die Ungleichheit in der absoluten Verteilung der Subventionen hat ihre Wurzeln in der Entstehung der GAP und der Struktur der Landwirtschaft:
Flächenbasierte Dominanz: Die Fläche ist der dominante Faktor. Länder mit historisch großen Agrarflächen und viel nutzbarer Strukturen (Frankreich und Deutschland) führen die Ranglisten an, da die Direktzahlungen (Säule I) die größte Einnahmequelle darstellen.
Historische Rechte und Kaufkraft: Die Zahlungen waren lange Zeit an die historischen Produktionsniveaus und Preise gebunden. Das hat dazu geführt, dass große Agrarproduzenten auch nach der Entkopplung historisch bedingt höhere Ansprüche behielten.
Die Inanspruchnahme von Mitteln der 2.Säule (ELER) hängt von der nationalen Kofinanzierungsbereitschaft ab. Länder, die hohe nationale Mittel bereitstellen, um ihre Landwirtschaft gezielt zu modernisieren, können auch höhere Gesamtauszahlungen verzeichnen und fördern damit die Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Betriebe stärker.
Wie Sie eben schon bemerken konnten, wird ein gestapeltes Balkendiagramm bei vielen Ländern und über mehrere Jahre hinweg schnell unübersichtlich. Um dem entgegenzuwirken, sollen Sie eine andere Form der Visualisierung anwenden. Sie werden sich die Verteilung der Subventionen über alle EU-Länder im Datensatz und für die Jahre 2010 bis 2022 anschauen und diese interaktiv visualisieren. Ziel ist es, dass Sie Trends, Unterschiede und Ausreißer bei den Subventionszahlungen zwischen den Ländern erkennen und über die Zeit nachvollziehen können.
- Erstellen Sie eine interaktive Karte. Nutzen Sie hierfür den
Datensatz
plot_subventionen, der die Länder-Geometrien (geometry), die aggregierten Subventionen (Total_Subsidy) und die Länderkennungen (iso_a3) enthält. Verwenden Sie die Funktionplot_ly(). Visualisieren Sie die Subventionen pro Land und Jahr, sodass die Karte über die Jahre animiert bzw. per Slider steuerbar ist. Gestalten Sie die Farbskala und den Text so, dass Subventionen und Länder leicht ablesbar sind. Optimieren Sie die Karte, um die Darstellung übersichtlich zu machen. Beschreiben und interpretieren Sie die interaktive Grafik, insbesondere hinsichtlich folgender Aspekte:
- Welche Länder erhalten die geringsten Subventionssummen, und wie entwickelt sich dies über die Jahre 2010-2022?
- Gibt es Länder, bei denen die Subventionen stark gestiegen oder gefallen sind? Welche möglichen Ursachen könnten dies haben?
- Woran liegt es, dass gewisse Länder keine Einfärbung erhalten?
- Wie könnten sich hohe Subventionen für einzelne Länder auf den Wettbewerb innerhalb der EU und die Struktur der Landwirtschaft auswirken?
- Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen, wenn Länder mit stark schwankenden Subventionen zu erkennen sind? Könnte dies auf politische Entscheidungen, wirtschaftliche Krisen oder andere Faktoren hinweisen?
Hinweis: Überprüfen Sie die ISO3-Codes: Wenn einzelne Länder nicht korrekt angezeigt werden, können Sie die Codes in der Spalte iso_a3 anpassen.
generelle Beschreibung
Die Karte zeigt für den Zeitraum von 2010 bis 2022, wie hoch die
Agrarsubventionen waren, die ein EU-Staat in dem entsprechenden Jahr aus
dem EU-Haushalt ausgezahlt bekommen hat. Die unterschiedliche Höhe der
Beträge wird dabei durch die verschiedene Farbgebung visualisiert: Je
dunkler ein Staat eingefärbt ist, desto höher die Subventionen, die er
in dem Jahr erhalten hat.
Der betrachtete Zeitraum steckt sich über
zwei verschiedene Förderperioden, wobei die eine 2013 endete und die
andere dann von 2014 bis 2022 andauerte.
Länder mit den geringsten Subventionen
Am wenigsten konnten die EU-Staaten im Norden, Osten und Südosten Europas (mit Ausnahme von Polen) von den EU-Subventionen profitieren. Auch Irland, Portugal und die Benelux-Staaten haben im betrachteten Zeitraum vergleichsweise niedrige Subventionszahlungen empfangen. Die Subventionsbeträge der Staaten im Osten bzw. Südosten Europas steigen in einigen Jahren zwar an (beispielsweise in Rumänien), jedoch nicht über einen Betrag von 6 Mrd.€ pro Land und Jahr. Die Länder im nördlichen Europa, wie z.B. Schweden oder Litauen, sowie Portugal, Irland und die Benelux-Staaten erhalten im gesamten Zeitraum jeweils nie mehr als 2 Mrd.€ pro Jahr. Dass Benelux, Irland und Portugal geringere Beträge erhalten, liegt insbesondere daran, dass es sich hierbei um eher kleiner Länder handelt, bei denen die Agrarwirtschaft folglich auch kleiner ist als in größeren EU-Staaten. In Nordeuropa wiederum ist es klimabedingt eher schwierig, einen großen Agrarsektor aufzubauen, weshalb auch an diese Länder eher geringere Beträge fließen.
Länder mit stark schwankenden Subventiosbeträgen
In Spanien sind die Subventionen mit dem Übergang zur neuen
Förderperiode sprunghaft angestiegen. In Polen schwanken die
Subventionsbeträge während des betrachteten Zeitraums merklich und auch
in Rumänien variieren die Zahlungen von Jahr zu Jahr.
Starke
Änderungen von 2013 auf 2014 können durch neue Förderprogramme erklärt
werden, beispielsweise wenn ein Land dank der neuen Maßnahmen in der
2014 begonnenen Förderperiode mehr Zahlungen erhält.
Auch die
Struktur der Agrarwirtschaft in den entsprechenden Ländern könnte ein
Grund hierfür sein. Wenn ein Land wegen besonders trockenen Sommern
teils hohe Ernteausfälle hinnehmen muss (wie es in Spanien zu erwarten
wäre) und zu deren Abfederung dann Unterstützung aus der GAP-Förderung
erhält, sind die Auszahlungen pro Jahr so unregelmäßig wie die
Ernteausfälle. Neben diesen könnten selbstverständlich auch andere
strukturelle Faktoren die Unregelmäßigkeit begründen.
Die
Schwankungen in Polen un Rumänien könnten auch durch Währungsdifferenzen
erklärt werden - in beiden Ländern wird nicht mit dem Euro gezahlt,
sodass je nach Wechselkurs ein anderer Betrag bei den Begünstigten in
diesen Staaten ankommt. Durch die spätere Umrechnung zurück in
Euro-Beträge, um die Statistik zu erstellen, ergeben sich dann andere
Werte, sofern sich der Wechselkurs in der Zwischenzeit verändert hat.
Zu guter Letzt könnte der primäre Sektor in Staaten mit stark
schwankenden Subventionsbeträgen ausgebaut oder abgebaut worden sein,
sodass es entsprechend mehr oder weniger potenzielle
Subventionsempfänger in einem Land gab als im Vorjahr, selbst wenn der
durchschnittlich gezahlte Subventionsbetrag pro Begünstigtem im Land
unverändert blieb.
Warum manche Läder keine Einfärbung erhalten
Dass manche Länder auf der Karte nur grau hinterlegt sind, liegt grundsätzlich daran, dass diese im für die Karte verwendeten Datensatz im entsprechenden Jahr nicht aufgelistet sind. Dies hat wiederum einen von zwei Gründen: Erstens werden alle Länder, die nicht (mehr) Teil der EU sind, nicht aufgeführt. Logischerweise kann ein Staat, der kein EU-Mitglied ist, auch keine GAP-Förderung aus dem EU-Haushalt erhalten. Auch Großbritannien, das 2020 die EU verlassen hat, wird im gesamten Datensatz nicht mehr gezeigt. Zweitens beinhaltet der betrachtete Zeitraum wie bereits erwähnt zwei verschiedene Förderperioden. In der ersten Periode wurden die Staaten im Rahmen anderer Agrarprogramme von der EU unterstützt, sodass der Großteil der EU-Staaten erst ab Beginn der neuen Förderperiode im Jahr 2014 eingefärbt gezeigt wird. Die beiden Programme, die im Datensatz für die erste Periode aufgelistet sind ( Single Area Payment Scheme für ab 2004 neu beigetretene Staaten und Crop specific payment for cotton für bestimmte Sektoren wie etwa Baumwolle), haben nur Zahlungen an die zwölf in der Karte von 2010 bis 2013 angezeigten Staaten vorgesehen. Mit dem Übergang zur neuen Förderperiode wurden die Agrarprogramme verändert, wodurch mehr EU-Staaten von einer der im Datensatz aufgeführten Maßnahmen profitieren konnten.
Auswirkungen hoher Subventionsbeträge auf Wettbewerb und Struktur der Landwirtschaft in der EU
Bei Betrachtung der Subventionshöhe muss zunächst angemerkt werden,
dass kleinere Staaten offensichtlich geringere Subventionsbeträge
erhalten, da deren primärer Sektor tendenziell kleiner ist als der von
größeren EU-Mitgliedern.
Allerdings können unverhältnismäßig hohe
Subventionen für andere Länder eine Einstiegshürde in den Agrarsektor
darstellen. Die Subventionen erleichtern den Landwirten das Bestehen am
Markt, wodurch sie weniger unter Wettbewerbsdruck stehen. Landwirte aus
Ländern, die vergleichsweise weniger Subventionen erhalten, haben
demnach eine schwächere Wettbewerbsposition. Dies könnte auch den Ausbau
bzw. Erhalt der Landwirtschaft in den Staaten beeinflussen: Wenn ein
Staat weniger Subventionen bekommt, ist dessen Landwirtschaft wegen der
weggebrochenen finanziellen Unterstützung eventuell weniger
wettbewerbsfähig, wodurch sich der primäre Sektor dort dann abbauen
könnte.
Dies wiederum würde sich dann auf die Struktur der
Landwirtschaft in der EU auswirken: Länder, die höhere Subventionen
erhalten, können ihre Landwirtschaft besser unterstützen, wodurch die
Agrarwirtschaft dort eher erhalten bleibt. Folglich könten
unverhältnismäßig hohe Subventionsbeträge den Wettbewerb zwischen den
EU-Staaten auf dem Agrarmarkt verzerren.
Gründe für stark schwankende Subventionen in einem Land
Dass in einem Land die Subventionen schwanken, könnte auf politische
Entscheidungen auf nationaler Ebene zurückzuführen sein. Beispielsweise
könnten neue und umfassende Auflagen, die landwirtschaftliche Betriebe
in einem Staat aufgrund der nationalen Gesetzgebung erfüllen müssen,
dazu führen, dass der primäre Sektor dort schrumpft. Werden zusätzliche
nationale Unterstützungsmaßahmen eingeführt, könnte das dazu führen,
dass sich der Sektor wieder ausbaut.
Diesem Gedanken folgend könnte
auch die Höhe der Agragsubventionen, die aus den nationalen Haushalten
finanziert werde, einen bedeutenden Einfluss auf die Etwicklung des
primären Sektors und somit auch auf die Anzahl der potenziellen
Subventionsempfänger haben. Hat ein Land vergleichsweise viele
berechtigte Landwirte, erhält es auch mehr Subventionen.
Je
nachdem, wie anfällig die Agrarwirtschaft in einem Staat für
Naturkatastrophen und andere witterungs- und klimabedingte Schäden ist,
könnten auch jährlich wechselnde Wetterphänomene ein Grund für die
starken Schwankugen in der Subventionshöhe einzelner Länder sein.
Abschließend sollen Sie die Zusatzaufgabe noch einmal rekapitulieren und einige Fragen dazu beantworten.
- Sie sollen sich noch einmal bewusst werden, was Sie in den vorherigen Aufgaben analysiert haben und in welcher Form ihre Ergebnisse anwendbar und verallgemeinerbar sind. Beantworten Sie dazu Frage 1 und 2.
Frage 1: Betrachten Sie exemplarisch Deutschland und Frankreich in Ihrer interaktiven Karte.
Lassen sich Unterschiede in den Subventionssummen zwischen den beiden Ländern vor allem durch politische Rahmenbedingungen, agrarische Strukturen oder durch EU-weite Fördermaßnahmen erklären?
Welche Schlussfolgerungen könnten daraus für die wirtschaftspolitische Steuerung oder für die Vergleichbarkeit der Subventionen zwischen Ländern gezogen werden?
Frage 2: Vergleichen Sie Länder mit stark schwankenden Subventionen über die Jahre (z.B. Länder, bei denen es große Anstiege oder Rückgänge gibt).
Was fällt Ihnen bei der Verteilung und der zeitlichen Entwicklung der Subventionen auf?
Recherchieren Sie für diese Länder mögliche Ursachen, die diese Schwankungen verursacht haben könnten (z.B. politische Entscheidungen, Fördermaßnahmen, wirtschaftliche Krisen, Struktur der Landwirtschaft)?
Frage 1: Deutschland und Frankreich im Vergleich
Vergleich der Subventionssummen: Deutschland und Frankreich
Betrachtet man Deutschland und Frankreich in der interaktiven Karte, so sticht Frankreich über den gesamten Zeitraum von 2010 bis 2022 als der mit Abstand größte Empfänger von EU-Agrarsubventionen hervor: In vielen Jahren fließen mehr als 8 Mrd.€ an Subventionen an unsere Nachbarn. Deutschland bekommt zwar auch jedes Jahr vergleichsweise hohe Subventionsbeträge, liegt jedoch immer deutlich hinter Frankreich. Diese beständige Differenz lässt sich nicht allein durch zufällige Schwankungen erklären, sondern deutet auf fundamentale strukturelle und politische Unterschiede hin.
Ursachen für die Unterschiede: Struktur vor Politik
Die Unterschiede in den Subventionssummen lassen sich primär durch
die verschiedene Struktur der Agrarwirtschaft in den beiden Ländern
erklären, wobei politische Rahmenbedingungen eine verstärkende Rolle
spielen. Ein entscheidender Faktor ist die landwirtschaftlich genutzte
Fläche. Da die Direktzahlungen der 1. Säule (EGFL) in Abhängigkeit der
Flächengröße ausgezahlt werden ( Hektarprämie), profitiert
Frankreich massiv von seiner deutlich größeren Agrarfläche im Vergleich
zu Deutschland (ca. 27 Mio. Hektar in Frankreich bzw. 16,6 Miio. Hektar
in Deutschland). Frankreich kann also vor allem von den EGFL-Geldern
profitieren.
Politische Rahmenbedingungen kommen ergänzend hinzu:
In Deutschland wird der Fokus etwas stärker auf Umweltauflagen als auf
der reinen Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Demnach
unterscheidet sich die agrarwirtschaftliche Struktur zwischen den beiden
Ländern. Folglich fließen finanzielle Mittel aus unterschiedlichen
Fördertöpfen: Während Frankreich wie bereits stark von der 1. Säule des
GAP profitieren kann, werden in Deutschland die oft etwas
kleinteiligeren Programme der 2. Säule in Anspruch genommen.
Schlussfolgerungen für die wirtschaftspolitische Steuerung
Aus dieser Beobachtung lassen sich zwei zentrale Schlussfolgerungen für die Vergleichbarkeit und Steuerung ziehen: Erstens ist ein rein absoluter Vergleich der Subventionssummen zwischen Ländern irreführend. Da die Auszahlungen teilweise stark von der landwirtschaftlichen Fläche in einem Land abhängen, sagt die absolute Höhe der Subventionen weniger über die “politische Bevorzugung” eines Landes aus, als vielmehr über dessen geografische Größe und Agrarstruktur. Für eine sinnvolle wirtschaftspolitische Bewertung müssten daher relative Kennzahlen herangezogen werden, wie etwa “Subventionen pro Hektar” oder “Subventionen pro Betrieb”. Zweitens zeigt dies, dass eine EU-weite Steuerung über pauschale Flächenprämien dazu tendiert, bestehende Größenunterschiede zu fördern. Wenn das Ziel der europäischen Agrarpolitik eine gezieltere Förderung (z. B. nach ökologischer Leistung statt nach bloßem Besitz) sein soll, müssten die Förderkriterien stärker von der reinen Fläche entkoppelt werden, um die Leistung statt ausschließlich die Größe zu berücksichtigen.
Frage 2: Ursachen der starken Schwankungen
zeitliche Entwicklung und Verteilung der Subventionen
Betrachtet man die Verteilung der Subventionen über den Zeitverlauf, so fällt auf, dass die Entwicklung keineswegs linear verläuft. Besonders bei den Ländern, die bereits seit Beginn des Betrachtungszeitraums (2010) im Datensatz enthalten sind, ist im Jahr 2014 eine markanter Anstieg der Subventionszahlungen zu beobachten. In diesem Jahr verzeichnen fast alle dieser zwölf Staaten große Änderungen in der Auszahlungshöhe – meist in Form eines sprunghaften Anstiegs. Abgesehen davon stechen insbesondere Spanien, Griechenland, Rumänien und Kroatien durch eine überdurchschnittlich hohe Volatilität der empfangenen Mittel hervor.
Ursachen für Anstieg 2014
Die auffälligen Verschiebungen im Jahr 2014 lassen sich primär durch politische Rahmenbedingungen auf EU-Ebene erklären: 2014 markierte den Beginn der neuen GAP-Förderperiode (2014–2020). Mit dieser Reform wurden die neue Förderprogramme aufgesetzt. Viele zuvor separate oder gekoppelte Programme wurden in das System der Direktzahlungen integriert oder neu gewichtet. Für die zwölf “Alt-Staaten” im Datensatz bedeutete dies oft eine große Änderung in den Auszahlungen, was die statistisch sichtbaren Sprünge in diesem Jahr begründet.
Spezifische Gründe für Schwankungen in Südeuropa (Spanien & Griechenland)
Bei Spanien und Griechenland sind die Schwankungen stark in der agrarwirtschaftlichen Struktur begründet, wobei klimatische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Da die Landwirtschaft in Südeuropa besonders anfällig für Dürren ist, können in Krisenjahren zusätzliche EU-Sonderhilfen (Krisenreserve) ausgezahlt werden, was zu irregulären Spitzen in der Statistik führt, die nicht auf die regulären Subventionszahlungen zurückzuführen sind.
Strukturelle Anpassungen in Osteuropa (Rumänien & Kroatien)
Bei Rumänien und Kroatien sind die Ursachen hingegen vor allem im
politischen Prozess der EU-Integration zu suchen. Für Rumänien (Beitritt
2007) galt im betrachteten Zeitraum noch der Mechanismus des
“Phasing-in”. Das bedeutet, dass die Direktzahlungen vertraglich
festgelegt Jahr für Jahr angehoben wurden, um sie schrittweise an das
Niveau der alten Mitgliedstaaten anzugleichen. Die Schwankungen sind
hier also vielmehr auf die politische Dimension als auf die rumänische
Agrarwirtschaft zurückzuführen.
Bei Kroatien ist die Volatilität
noch ebensfalls im EU-Beitritt begründet, der 2013 stattfand. Die Daten
zeigen folglich den kompletten Aufbau der Förderstrukturen von Null an,
was in den ersten Jahren zwangsläufig zu Schwankungen in der
Auszahlungshöhe führt (wobei die Höhe der Beträge Jahr für Jahr
ansteigt). Ein weiterer verzerrender Faktor ist in beiden Fällen die
Währung: Da weder Rumänien noch Kroatien (bis 2022) den Euro nutzen,
führen Wechselkursschwankungen zwischen der nationalen Währung und dem
Euro dazu, dass die Beträge in der Euro-Statistik variieren, selbst wenn
die ausgezahlte Summe im Land konstant blieb.